Der Quadrocopter wird wie eine Drillmaschine für jedes Saatgut kalibriert und steht auf Blöcken. (c) Robert Baum

Airseeding mit Quadrocopter: Aussaat ohne Bodenkontakt

Gerade, wenn die Arbeit drückt und Flächen nicht befahrbar sind, ist es Zeit für neue Impulse. Ein Thüringer Lohndienstleister will aus der Luft neue ökonomische und ökologische Ansätze bieten.

Von Erik Pilgermann

Der Frühling hat es in sich. Sonst knapper Regen fiel reichlich und ließ die Frühjahrsarbeiten stocken. Dünger wurde in den wenigen trockenen Momenten gestreut, doch die Bestellung der Sommerkulturen musste vielerorts warten, da die Flächen zu nass waren, um befahren zu werden. Keine guten Bedingungen also, jedoch keineswegs alternativlos. In immer mehr Bereichen der Landwirtschaft werden inzwischen sogenannte Unmanned Airial Systems (UAS) eingesetzt.

Ein Pionier auf diesem Gebiet ist Robert Baum. Er hat seine Firma Tree Copter Smart Farming in Riethnordhausen nahe Erfurt angesiedelt und ist seit 2015 als Lohndienstleister im Einsatz. Zentrales Thema ist dabei das sogenannte Smart-Farming, was gerade von jüngeren Landwirten sehr gut angenommen wird und neue ökonomische und ökologische Ansätze eröffnet.

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Airseeding mit Quadrocopter nahezu einzigartig

Das Portfolio des jungen Thüringer Unternehmens umfasst vor allem die Arbeiten, die besonders effektiv aus der Luft erledigt werden können. Wichtigstes Werkzeug ist dabei ein Copter. Dieser hat jedoch im Vergleich zu vielen Geräten, die auf Landwirtschaftsbetrieben eingesetzt werden, beileibe kein Handtaschenformat. Das maximale Abfluggewicht beträgt immerhin 91,5 kg. Mit dem Copter können ein Flächenmonitoring und Feldanalysen mit optischen Sensoren durchgeführt werden, um die Vitalität von Pflanzenbeständen zu überprüfen und daraus ein Zonenmanagement zu entwickeln.

Auch die biologische Maiszünslerbekämpfung und die Fallwild- beziehungsweise die Kitzrettung sind möglich. Im Zusammenhang mit dem Ausbau der Freiflächenanlagen hat auch die thermografische Inspektion der PV-Anlagen an Bedeutung gewonnen. Bis hier hin alles Bereiche, die von vielen UAS-Modellen geleistet werden können.

Nahezu einzigartig ist laut Robert Baum jedoch die Fähigkeit seiner Drohne, über das sogenannte Airseeding, also die Aussaat aus der Luft, Zwischenfrüchte in stehende Bestände auszusäen. Die Vorteile dieses Verfahrens liegen in der signifikanten Reduzierung der Bodenerosion. Langzeitmessungen auf Dauerbeobachtungsflächen in Deutschland zeigen nämlich, dass jedes Jahr im Schnitt 1,4 bis 3,2 t Boden pro Hektar verloren gehen.

Leistungsdaten des Quadrocopters

  • Abfluggewicht: 91,5 kg
  • Fassungsvermögen: 60 l
  • Flächenleistung: 5–7 ha/h
  • Streubreite: 6–10 m
  • Flughöhe: 3–6 m
  • Geschwindigkeit: max. 13m/ sek.
  • Genauigkeit: GNSNS, RTK

Bodenverdichtungen durch Quadrocopter vermeiden

Durch den „Wegfall“ des Bodenkontakts und der nötigen Befahrbarkeit ergeben sich weitere Vorteile. Die Ausbringungszeitpunkte für die Zwischenfrüchte und Untersaaten werden deutlich flexibler. Auf Grund der Reduzierung der Bearbeitungsgänge und Überfahrten kommt es zu weniger Bodenverdichtungen, und das Saatgut kann auch bei Nässe und schlechten Bodenverhältnissen ausgebracht werden. Aus der Luft ergibt außerdem eine gleichmäßige Verteilung der Aussaat durch das homogene Streubild.

Airseeding mit Quadrocopter
Bei 20 kg Ausbringmenge benötigt ein Hektar etwa drei Minuten Flugzeit. Je nach Einsatzzweck kann der Ausbringzeitpunkt der Zwischenfrüchte optimal gewählt werden. (c) Robert Baum

Airseeding kann Betriebskosten senken

Dies kann den Zwischenfrüchten zu einem tüchtigen Wachstumsvorsprung verhelfen. Durch die Ausbringung in den stehenden Bestand der Hauptkultur können sich die Zwischenfrüchte frühzeitig etablieren und effektiv wachsen, da ihr längere Vegetationszeiträume zur Verfügung stehen. Dunkelkeimer wie Phacelia oder Ramtillkraut profitieren außerdem von der Verschattung durch die Hauptkultur.

Aus dem Vorsprung erwachsen weitere Vorteile für die gesamte Fruchtfolge. Direkt nach der Ernte der Hauptkultur besteht eine Schattengare, sodass eine zusätzliche Bearbeitung entfällt. Ausfallgetreide und Unkraut werden frühzeitig sofort nach der Ernte unterdrückt. Stickstoff wird sehr effektiv im System aus Boden, Hauptkultur und Zwischenfrucht gehalten, was zur Senkung der Betriebskosten beitragen kann.

Je nach Zwischenfrucht können Nematoden bereits in der Hauptkultur bekämpft werden, und insgesamt kann sich die Bodenfruchtbarkeit durch die Durchwurzelung und den verstärkten Humusaufbau verbessern. Jede wendende Bodenbearbeitung fördert die Austrocknung des Bodens. Bodenverdichtungen erhöhen das Risiko von Wassererosionen, besonders nach langer Trockenheit mit anschließendem Niederschlag. Verdichtete Böden können kein Wasser aufnehmen. Außerdem zerschlagen Regentropfen, die auf der Erdoberfläche auftreffen, die Bodenteilchen in feine Partikel.

Bildergalerie: Airseeding mit Quadrocopter – Saatgutbehälter

Drohne mit Saatgut in der Luft

Bei nahezu jedem Wetter wird der Quadrocopter befüllt. 60 l fasst der Saatgutbehälter des Fluggerätes. Das Saatgut bekommt er jeweils vom Kunden. (c) Robert Baum

Quadrocopter mit offenem Saatgutgehälter

Geöffneter Saatgutgehälter am Quadrocopter. (c) Robert Baum

Drohne mit Saatgutbehälter

Der Quadrocopter wird mit Qualitätssaatgut befüllt. (c) Robert Baum

Geschlossener Saatgutbehälter

Geschlossener Saatgutbehälter. (c) Robert Baum

Airseeding unkompliziert vom Dienstleister

Zwischenfruchtbestände halten Stickstoff im System Boden-Pflanze und binden zusätzlich CO2. Daraus resultiert eine erhöhte Stickstoffverfügbarkeit im Frühjahr bei sonst gleichen Bedingungen. Dies wiederum hilft, zusätzlichen N-Dünger einzusparen und Kosten zu senken. Doch es gibt auch einige wichtige Dinge zu beachten:

  • Zwischenfrüchte dürfen keine Konkurrenz zur Hauptfrucht ausbilden Deshalb sollten sie nicht zu früh gesät werden.
  • Zu beachten ist auch der Zeitpunkt der Herbizidbehandlung in der Hauptkultur, um unerwünschte Nebenwirkungen auf die Zwischenfruchtmischung zu vermeiden.
  • Trockenheit und harte Böden reduzieren die Auflaufsicherheit.

So vielfältig die Vorteile des neuen Aussaatverfahrens sein können, so einfach will Robert Baum die Abwicklung der Dienstleistungen gestalten. Pro Hektar Zwischenfruchtaussaat berechnet er bei einer Gesamtfläche von 25 ha beispielsweise 40 € netto pro Hektar. Das Saatgut wird dabei vom Kunden gestellt.

Bestellt werden kann die Dienstleistung einfach online in seinem Firmenportal. Bei allem Smart-Farming erfolgt die Beratung aber weiterhin persönlich. Bereits einen Schritt weiter ist man in Buttelstedt beim Thüringer Lehr-, Prüf- und Versuchsgut der Landesanstalt. Feldbauleiter Andreas Kröckel setzt in diesem Jahr zum ersten Mal bei der Untersaat auf die Drohne von Robert Baum. Wir haben uns den Einsatz angesehen.