Die Stunde der Wahrheit: Der Rübenroder ist auf dem Feld (c) Heike Mildner

Zuckerrüben beenden die Ernte in Letschin

Auf dem Familienbetrieb der Hildebrandts ist Zeit für die Rübenernte. Vom anfänglichen Optimismus ist nicht mehr viel übrig: Ein Schädling scheint die Zuckerrüben befallen zu haben. Es ist der Schlusspunkt eines schwierigen Jahres.

Von Heike Mildner

Neben dem etwa 50 ha großen Acker in Sichtweite des Hofes liegen vergangenen Mittwoch drei langgestreckte Mieten mit Zuckerrüben. In ihrer Nähe riecht es leicht säuerlich-muffig und nicht unbedingt nach frisch gerodeten Rüben – „eigentlich nach Rüben, die schon ein paar Monate liegengeblieben sind“, sagt Klaus Hildebrandt und runzelt die Stirn. Die Rüben sind fast raus, und Hildebrandts Befürchtungen, die letzte Frucht der Saison betreffend, haben sich bestätigt.

Zuckerrübenernte in Letschin

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Wir stehen dort, wo bei unserem ersten Praxispartner-Besuch am 2. April Rübenpillen gelegt wurden. Ein typischer Oderbruchacker mit 45 bis 75 Bodenpunkten. Das Lohnunternehmen Daue und Partner GmbH, das damals die 117.000 Pillen auf einen Hektar in die Erde brachte, ist heute, am 23. Oktober, mit dem Rübenroden betraut. Dafür ist ein sechsreihiger Rübenroder Ropa Euro-Tiger im Einsatz.

Klaus Hildebrandt kann nur noch zusehen. Was möglich war, hat er getan. Ratlos ist er dennoch. Nach einem guten Saatauflauf war bis Mitte Juni durchaus Grund für Optimismus. Dann kam die Trockenheit, Mitte Juli waren die Blätter vergilbt und das Wachstum der Rüben stagnierte. Als es wieder zu regnen begann, trieben Blätter nach, aber die waren klein und spitz statt groß und rund: ein Hinweis auf das Syndrome Basses Richesses (SBR), zu Deutsch das Syndrom der niedrigen Zuckergehalte. Die Krankheit, die von der Schilf-Glasflügelzikade (Pentastiridius leporinus) übertragen wird, trat vor knapp 20 Jahren erstmals in Frankreich auf. Die Zikade breitet sich jedes Jahr um etwa 20 Kilometer aus, weiß man aus Frankreich. Nun hat es also höchstwahrscheinlich Hildebrandts Zuckerrüben erwischt.

Nachweis erst im Labor

Die Zuckerrüben sind durch die Trockenheit kleiner als üblich. Ihr Zuckergehalt ist auch nicht befriedigend. (c) Heike Mildner

„Wir haben Proben ins Labor geschickt. Nächste Woche wissen wir es genau“, sagt Hildebrandt. Der Schädling habe sich von Süddeutschland her ausgebreitet. Im nördlichen Oderbruch sehe es noch nicht so schlimm aus, so Hildebrandt, der als Sprecher der Zuckerrübenanbauer im Oderbruch einen guten Überblick über die rund 1.200 ha im Anbaugebiet hat. In der Region werde die Ernte bei durchschnittlich 40 t/ha liegen, bei ihm wohl eher bei 38 t/ha. Die Rüben sind durch die lange Trockenheit nicht nur kleiner, sie haben durch SBR mit 16 % auch einen geringeren Zuckergehalt.

Kleiner und zu wenig Zucker: Die Folgen der Trockenheit zeigen sich in der Rübenernte deutlich. (c) Heike Mildner

Mit der Zuckerrübe geht für Hildebrandts ein schwieriges Jahr zu Ende. „Am besten, wir vergessen dieses Jahr ganz schnell“, sagt Klaus Hildebrandt. Den Rüben wird Körnermais folgen, das ist schon gesetzt. Aber was konkret nach dem Rübenroden auf dem Schlag geschehen soll, darüber sind sich die Generationen gerade  noch uneins: Sohn Maximilian wolle den Boden lockern und grubbern. „Alte Schule“, schmunzelt Klaus Hildebrandt. Er würde eher auf die Selbstheilungskräfte des Bodens setzen und ihn bis zum Frühjahr in Ruhe lassen. Wer die besseren Argumente hatte, werden wir bei unserem nächsten Besuch erfahren. Und auch, wie der Weizen, der bei unserem vorletzten Besuch (Bauernzeitung 40/2019) gedrillt wurde und bei 25–30 cm durchfeuchtetem Boden gleichmäßig aufgelaufen ist, den Vogelzug überstanden hat.

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