©Heike Mildner

Streifenweise E-Weizen

Momentan wird bei Hildebrandts in Letschin jeder Plan fünfmal am Tag geändert – je nachdem, ob es regnet oder nicht. Gerade wurden die Sonnenblumen geerntet und brachten mit 45 dt/ha die beste Sonnenblumenernte in der Betriebsgeschichte: Licht-blick in einem mageren Jahr.

Von Heike Mildner

Auf diesem Schlag ist Roggen gedrillt worden, Weizen und Gerste stehen noch an. Volles Programm im Familienbetrieb, und Maximilian Hildebrandt (22) fügt seinem Agrarwirtschaftsstudium in Neubrandenburg eine Extraportion Praxis hinzu und hilft seinem Vater bei Ernte und Aussaat.  

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Maximilian Hildebrandt bei der Getreideaussaat. ©Heike Mildner

Auf den 47 ha, die er bei unserer Stippvisite am Donnerstagnachmittag vergangener Woche beackert, standen noch bis Mitte Juli Futtererbsen. Der Aufwuchs der Ausfallerbsen hat den Boden auf natürliche und erlaubte Weise mit etwas Stickstoff angereichert. Die notwendige Portion Glyphosat sorgte für das Absterben u. a. von Vogel- und Windknöterich. Heute wird mit der Claydon Strip-Till-Sä-maschine auf diesem Schlag Weizen gedrillt. Die Hildebrandts haben sich für eine Mischung aus zwei Dritteln ’Ponticus‘ und einem Drittel ’Messino‘ entschieden. Beides sind E-Weizen, letzterer ein Grannenweizen, der etwas höher wächst als der ’Ponticus‘ und fliegende Schädlinge wie Läuse abfängt, erläutert Maximilian. Der Schlag liegt bei Genschmar in Odernähe und wird gern von Wildschweinen besucht. „Die fressen Grannenweizen aber nicht gern und meiden ihn, wenn sie können“, hat er beobachtet. Ob der Plan aufgeht, wird man nächstes Jahr sehen.  

Heute werden erstmal 300 Körner pro Quadratmeter in den Boden gebracht. Zur handelsüblichen Saatgutbeize kam die Hildebrandtsche Mischung aus luftstickstoffbindenden Bakterien, Milchsäurebakterien, Netzschwefel. Gestern hat Klaus Hildebrandt auf dem Schlag Mikronährstoffe und Bakterien gespritzt, um die Strohrotte zu fördern. Über Nacht hat es geregnet, am Vormittag war das Feld noch zu nass, jetzt ist die Sonne raus und trocknet den Boden ab: Es kann gedrillt werden. 

„Das ist wie eine Enteignung“

Maximiliam Hildebrandt

In je 33 cm Abstand wird ein schmaler Bodenstreifen mit Scheibenseche und Lockerungsscharen bearbeitet und das Saatgut streifenweise in den Boden gebracht. Auf diese bodenschonende und wassersparende Weise zu ackern, wie die Hildebrandts es seit einigen Jahren tun, wird auf diesem Schlag allerdings nach der neuen Düngeverordnung nicht mehr möglich sein. Wir befinden uns im Vogelschutzgebiet: Weder Herbizide noch Insektizide werden hier künftig erlaubt sein. „Das ist wie eine Enteignung“, sagt Maximilian. „Wir könnten hier nur noch Bio machen, aber der Markt ist gesättigt.“ Überm Feld fliegen ein paar Gänse. Auch die werden zum Problem, wenn der Weizen aufgelaufen ist und von ihnen als Herbstmahlzeit identifiziert wurde. 500–550 ährentragende Halme auf dem Quadratmeter sollten am Ende schon stehenbleiben.

Am Rande erfahren wir: Saatgänse dürfen laut neuer Brandenburgischer Jagddurchführungs-verordnung nicht mehr bejagt werden. „Warum, weiß kein Mensch, selten sind sie jedenfalls nicht“, sagt Maximilian, steigt auf den Schlepper und macht weiter. In der Regel wird die Saat in ein bis zwei Tagen angewalzt, wenn es nicht zu nass wird. Eigentlich kommt der Regen ein bisschen zu früh, aber Hildebrandts freuen sich trotzdem über jeden Tropfen.

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