(c) Karsten Bär

Waldbesitzer in Not – Freistaat will helfen

Sachsens Waldbesitzer stehen weiterhin vor großen Herausforderungen. Es gilt, Schäden durch den Borkenkäfer einzugrenzen und die betroffenen Wälder zu sanieren. Vor allem Privatwaldbesitzer leiden zudem unter wirtschaftlichen Nöten. Der Freistaat unterstützt sie mit Förderung und empfiehlt, forstliche Zusammenschlüsse zu gründen.

Von Karsten Bär

Die Situation in Sachsens Wäldern ist nach wie vor angespannt. Die Schadholzmenge, vor allem bei der Baumart Fichte, ist 2020 gegenüber dem Rekordjahr 2019 zwar etwas gesunken. Sie ging von 2,2 Mio. Festmeter (fm) auf 1,8 Mio. zurück. Dennoch bleiben die Schäden durch den Borkenkäfer auf historischem Niveau. Und zugleich nehmen die Schäden bei Kiefern und Laubbäumen im Hügel- und im Tiefland zu. Hier wirken sich die weiterhin knappen Bodenwasservorräte negativ aus.

Waldbesitzer sollten jetzt wachsam sein. Darauf wiesen kürzlich gemeinsam der Staatsbetrieb Sachsenforst und der Sächsische Waldbesitzerverband bei einem Vor-Ort-Termin bei Belgern-Schildau im Forstbezirk Taura hin. Bei Temperaturen ab 15 Grad Celsius werden die Borkenkäfer aktiv.

Waldbesitzer müssen schnell frisch befallene Bäume erkennen und entfernen. Sonst greifen die Forstschädlinge auf weitere Bäume über. Die Aufarbeitung des geschädigten Holzes sei im vorigen Jahr deutlich verbessert worden, teilt Sachsenforst mit. Dies resultiert aus rascher und frühzeitiger Erkennung von Befall, dem Einsatz vieler Helfer und forstlicher Dienstleister.

Situatioin ist im Kleinprivatwald besonders schwierig

Der Waldbesitzerverband weist jedoch darauf hin, dass die Situation insbesondere im Kleinprivatwald aufgrund der gegenwärtigen Rahmenbedingungen weiterhin schwierig bleibe. Besitzer sehr kleiner Waldflächen hätten kaum Zugriff auf Forstfachkräfte und -technik, verfügten zudem nicht über forstliches Fachwissen, so Reinhard Müller-Schönau, Vorsitzender des Sächsischen Waldbesitzerverbandes. Weiterhin setzten die drastisch gesunkenen Holzpreise und die gleichzeitig deutlich gestiegenen Pflanzenpreise die Waldbesitzer unter Druck. Sachsenweit gibt es 85.000 Waldbesitzer, die über einen Anteil von 43 Prozent der gesamten Waldfläche Sachsens verfügen. Im Durchschnitt bewirtschaftet ein Waldbesitzer 2,5 ha Forstfläche. Das schließt eine Vielzahl von Kleinstflächen ein, deren Bewirtschafter bei der Beauftragung von Forstdienstleistungen allein schlechte Karten hätten, wie Müller-Schönau zu verstehen gab.


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In einem Kiefernwald stehen Landesforstpräsident Utz Hempfling (l.) und der Vorsitzende des Sächsischen Waldbesitzerverbandes, Reinhard Müller-Schönau, und gestikulieren.
Auf die nach wie vor dramatische Schadenssituation und die damit verbundenen Herausforderungen in Sachsen machten Utz Hempfling, Landesforstpräsident, und Reinhard Müller-Schönau, Vorsitzender des Sächsischen Waldbesitzerverbandes, aufmerksam. (c) Karsten Bär

Der Verband sei froh über leistungsfähige Verarbeiter, die das Holz aus sächsischen Wäldern in der Region abnehmen. Jedoch sei er auch daran interessiert, zu einer breiteren Holzabnahme zu kommen. Derzeit werde Sachsen mit Holz aus dem Ausland „überschüttet“. Einen Einschlag würden Waldbesitzer derzeit nur vornehmen, wenn dies aus forstlichen Grünen nötig sei – oder wenn Liquidität benötigt werde.

Bewirtschaftung Unterlassen ist keine Option

„Fatal“ sei es indes, die Aufarbeitung ganz zu unterlassen, wie es von einigen prominenten Stimmen gefordert werde, wie Müller-Schönau erklärte. Dies gilt für käferbefallene, wie für nicht-befallene Wälder. Aktiv bewirtschafteter Wald binde aufgrund der Kaskadeneffekte in der Holznutzung mehr CO2 als „stillgelegte“ Wälder. Die auf den Vereinbarungen des Koalitionsvertrag beruhende Entscheidung, 10 Prozent des sächsischen Staatswaldes aus der Nutzung zu nehmen, sei für den Waldbesitzerverband daher nicht nachvollziehbar. Wäre 10 Prozent der Waldfläche Deutschlands aus der Nutzung genommen, würden dadurch 8 bis 9 Mio. t CO2 weniger gespeichert, verdeutlichte Müller-Schönau.

Der Freistaat Sachsen unterstützt private und körperschaftliche Waldbesitzer wie Kommunen oder Kirchgemeinden. Landesforstpräsident Utz Hempfling verwies auf die Förderrichtlinie Wald und Forstwirtschaft, die Waldbesitzer bei der Aufarbeitung der Waldschäden und beim Waldumbau unterstützt. Für die Jahre 2021-23 stelle der Freistaat 38 Mio. Euro bereit. Die Richtlinie werde gut angenommen. 2.000 Anträge lägen bereits vor, was den Bedarf zeige und auch, dass die Bedingungen der Förderung angenommen würden, so Hempfling. Eine Einschätzung, die Müller-Schönau bestätigt. Die Richtlinie honoriere das Ergebnis, nicht die Schritte der Umsetzung. Das stärke die Eigentümerinteressen.

Sachsenforst berät Waldbesitzer kostenlos

Weiter wies Landesforstpräsident Hempfling darauf hin, dass Waldbesitzer kostenlose Beratung zur Schadensbewältigung und zur Waldbewirtschaftung durch Revierleiter von Sachsenforst in Anspruch nehmen können:

Darüber hinaus leiste Sachsenforst auch technische Hilfe bei der Schadholzaufarbeitung. Vorrang hätten dabei Forstbetriebsgemeinschaften. Hempfling riet Waldbesitzern, solche Zusammenschlüsse zu bilden und ihre Flächen gemeinschaftlich zu bewirtschaften. Dies verschaffe ihnen Vorteile bei der Nutzung von Forsttechnik, dem gebündelten Holzverkauf und der gemeinsamen Pflanzenbestellung für die Wiederaufforstung.