Im Frühjahr fielen viele Mitarbeiter aus, weil sie daheim ihre Kinder betreuen mussten. ©Sabine Rübensaat

Coronavirus: Alle Schulen im Kreis Hildburghausen dicht

Im Südthüringer Landkreis Hildburghausen breitet sich das Coronavirus rasant aus. Ab Mittwoch sind alle Schulen und Kindergärten dicht. Für Landwirtschaftsbetriebe und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist das eine schwierige Situation.  

Von Birgitt Schunk

Allein bis Dienstagmittag vermeldete das Landratsamt des Kreises Hildburghausen 70 neue Infektionen mit dem Coronavirus. Das bedeutete eine Inzidenz von 483 Fällen je 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Mittlerweile stieg dieser Wert laut Robert Koch-Institut auf 526,9 an. Aktuell ist das der mit Abstand höchste Wert in Deutschland. Und entschieden zu viel für die ländlich geprägte Region in Südthüringen – ab Mittwoch (25. November) gilt deshalb ein regionaler Lockdown. Und das bedeutet unter anderem, dass alle Schulen und Kindergärten schließen.  

Mittagessen fällt aus

Als im Frühjahr bundesweit das öffentliche Leben heruntergefahren wurde, berichteten viele Landwirtschaftsbetriebe in Thüringen von Personalproblemen, weil es keine Kinderbetreuung gab. „Zum Glück haben wir im Stall keine Mitarbeiter mit kleinen Kindern“, sagt Silvio Reimann, Geschäftsführer der Milch-Land GmbH Veilsdorf im Kreis Hildburghausen. In den beiden Anlagen stehen rund 1.880 Milchkühe. Bislang läuft die Arbeit. Dennoch ist der Lockdown erneut ein Schlag ins Kontor.

Die Küche des Betriebes, die neben der Mitarbeiterversorgung auch täglich für Besucher, Kindergärten und Schulen kocht, musste ohnehin zum Monatsanfang wegen bundesweit verschärfter Corona-Regeln runterfahren. Kurzarbeit ist seither angesagt. Lediglich Essen, das abgeholt oder geliefert wird, konnte im November noch angeboten werden. Jetzt allerdings fällt auch noch das Mittagessen für die Kinder und Schüler weg. Schon beim ersten Lockdown im Frühjahr fehlte alleine in der Küche ein monatlicher Umsatz von 35.000 bis 40.000 Euro. „Corona-Hilfe bekamen wir aber nicht“, sagt Reimann. Bis zu 650 Portionen bringt die Küche des Agrarbetriebes an guten Tagen auf den Tisch.

Coronavirus fordert heraus

In den Agrarbetrieben sind vielerorts Frauen tätig – klappt die Notbetreuung der Kinder nicht, könnte es schwierig werden. ©Birgitt Schunk

In den zurückliegenden Monaten forderte das Coronavirus immer wieder aufs Neue heraus, etwa wenn Mitarbeiter von Auflagen betroffen waren. Weil die Landwirtschaft als systemrelevant gilt,  gab es Ausnahmegenehmigungen „So konnten Mitarbeiter, die ohne Kontakt zu anderen Kollegen alleine arbeiten und keine Symptome zeigten, bei einer Quarantäne-Anordnung weiter im  Betrieb tätig sein“, berichtet Reimann. „Wir hoffen nur, dass alles gut geht – Augen zu und durch.“ Er bricht eine Lanze für seine Mannschaft. „Wenn in Einzelfällen eine Mutti daheim bleiben muss, haben sich unsere Leute im Betrieb immer zu helfen gewusst und alles abgesichert.“

Keine Reserven beim Personal

Auch im Zuchtzentrum Gleichamberg eG hofft man, dass alles glimpflich abgeht. Wenn Mitarbeiter in Anbetracht der hohen Infektionszahlen selbst am Coronavirus erkranken würden oder in Quarantäne müssten, gebe es keinen Plan B. „Wir haben keine Personalreserven“, sagt Vorstandschef Roland Günther. Zwei Melker aus Polen sind schon länger im Betrieb im Einsatz. Aus dem Nachbarland könnten theoretisch im Ernstfall weitere Arbeitskräfte organsiert werden. „Aber ob die ausgerechnet jetzt in den Corona-Hotspot kommen würden, ist mehr als fraglich.“ Schon zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr hatte der Betrieb den Mitarbeitern für die Notbetreuung ihrer Kinder Bescheinigungen ausgereicht, dass sie in einem landwirtschaftlichen Unternehmen arbeiten. „Jetzt habe ich noch mal Beschäftigungsnachweise ausgereicht“, sagt Günther. Er setzt darauf, dass die von Landkreis und Kultusministerium angekündigte Notbetreuung auch sofort funktioniert.

Oma und Opa sind im Dorf

In der  Landwirtschaftlichen Erzeugung  und Vermarktung (LEV) „Zu den Gleichbergen“ Römhild eG sind in den Ställen ebenso keine Mitarbeiter mit Kindern beschäftigt, die betreut werden müssen. In der Direktvermarktung allerdings schon. Eine Kollegin aus dem Büro kann im Homeoffice arbeiten. „Es soll eine Notbetreuung geben – ob dies nur in den Kindergärten oder auch in den Schulen greift, wissen wir noch nicht. Bislang haben wir alle Infos nur aus den Medien und nicht von den Einrichtungen selbst“, sagt Udo Schubert, der Vorstandsvorsitzende. „Wir können nur von einem Tag zum anderen schauen und müssen abwarten, was jetzt auf uns zukommt.“ Gut sei, dass sich in vielen Familien auf den Dörfern noch die Großeltern um die Enkel kümmern könnten.

Der Beitrag wurde am 25. November, 7.00 Uhr, aktualisiert.

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