Heckrinder in naturnaher Haltung: Ganzjährig im Freien gehaltene Rinder können zur Schlachtung auch geschossen werden, wenn die zuständige Behörde eine Außnahmegenehmigung erteilt. (c) Karsten Bär

Weideschlachtung: Kugelschuss in Sachsen

Mit der Genehmigung des Kugelschusses auf der Weide zur Schlachtung von Rindern gehen Sachsens Ämter unterschiedlich um. Eine Übersicht.

Im Landkreis Bautzen wird der Kugelschuss zur Weideschlachtung nach Auskunft des Landratsamtes in Einzelfällen praktiziert. Anträge bearbeitet das Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt im lebensmittel-/fleischhygienerechtlichen und tierschutzrechtlichen Sinne. Es hat nach Auskunft des Landratsamtes bisher keinen Antrag abgelehnt. Im Jahr 2018 wurden sieben und 2019 zwei Genehmigungen erteilt. Im laufenden Jahr stellte die Behörde bislang eine Genehmigung aus. Je nach Antragstellung und den konkreten Gegebenheiten beim Antragsteller werden die Genehmigungen sowohl als Einzelfall, befristet oder unbefristet und für eine bestimmte Zahl je Kalenderjahr erteilt.

Bisher keinen Antrag gestellt

Im Bereich der Stadt Chemnitz gibt es keine Rinderhalter, die derzeit den Kugelschuss praktizieren. Bisher hat dies auch kein Halter beantragt. Eine Genehmigung würde die Behörde nur für den Einzelfall ausstellen.

Auch die Landeshauptstadt Dresden genehmigt derzeit nur für den Einzelfall. Landwirte haben den Kugelschuss bereits praktiziert. Im vergangenen Jahr hat dies jedoch kein Halter beantragt.

Im Erzgebirgskreis wurden im vergangenen Jahr elf Rinder durch Kugelschuss für die Schlachtung betäubt bzw. getötet. Anträge auf dieses Verfahren hat das Referat Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt bislang nicht ablehnen müssen. Die Entscheidung erfolgt nach genauer Abwägung der jeweiligen konkreten Bedingungen und Erfordernisse, wobei gegebenenfalls Vor-Ort-Kontrollen vorgenommen werden. Das Amt erteilt sowohl Einzelfallgenehmigungen, als auch befristete Dauergenehmigungen. Diese gelten meist für drei Jahre und bieten die Möglichkeit zur Verlängerung nach erneuter Prüfung durch die Behörde.

Im Landkreis Görlitz wurden 2019 insgesamt 23 Rinder durch Kugelschuss für die Schlachtung betäubt bzw. getötet. Die Genehmigung erhalten Antragsteller immer für den Einzelfall, aus Sicht der Behörde sind Dauergenehmigungen unzulässig. Bisher hat die Behörde einen Antrag abgelehnt, der zu kurzfristig und ohne Vorlage der entsprechenden Unterlagen eingereicht wurde.


Weideschlachtung: Kugelschuss nur für wenige Rinder

Nicht einmal 20 Personen besitzen in Sachsen-Anhalt eine Genehmigung für das Betäuben bzw. Töten von Rindern mittels Kugelschuss bei der Weideschlachtung. Diese gibt es zudem nur auf Antrag. mehr


Im Landkreis Leipzig hat in der Vergangenheit lediglich ein damaliger Rinderhalter die Erlaubnis beantragt, regelmäßig den Kugelschuss zur Weideschlachtung durchzuführen. Für die Erteilung der Erlaubnis zur regelmäßigen Nutzung müssten jedoch die jeweiligen tierschutz- und lebensmittelrechtlichen Vor- und Nachteile genau gegeneinander abgewogen werden. Die rechtlichen Anforderungen seien nicht gegeben gewesen. Praktiziert wird der Kugelschuss im Landkreis Leipzig dennoch – für Einzeltiere und zur unmittelbaren Gefahrenabwehr für Mensch und/oder Tier. Ein Rind wurde auf diese Weise 2019 zur unmittelbaren Gefahrenabwehr betäubt und geschlachtet. Die stellvertretende Leiterin des Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramtes, Fachtierärztin Dr. Claudia Preising, weist darüber hinaus darauf hin, dass die kürzlich verabschiedete Bundesratsentschließung zur Weideschlachtung ausdrücklich keine Ausweitung der Möglichkeit zum Kugelschuss fordert.

Sechs Weiderinder durch Kugelschuss getötet

Die Stadt Leipzig erteilt befristete Dauergenehmigungen zum Kugelschuss. Die Zahl der durch Kugelschuss betäubten bzw. getöteten und anschließend geschlachteten Rinder betrug im vergangenen Jahr 31.

Auch im Landkreis Meißen praktizieren Rinderhalter den Kugelschuss. So wurden im vergangenen Jahr sechs Weiderinder nach veterinärrechtlicher Genehmigung durch Kugelschuss getötet. Bei den erteilten Genehmigungen  handelt es sich teils um Einzelfallentscheidungen für einzelne Tiere, teils um zeitlich befristete Bescheide für Rinder einer Herde, in denen die Notwendigkeit dieser Methode von vornherein zu erwarten. Bislang mussten das Amt keine Anträge abgelehnen. Laut Amtstierarzt konnte man, so sie vorlagen, hindernde Faktoren im Vorfeld ausgeräumen.  Bei offensichtlichen Hinderungsgründen, wenn etwa keine ganzjährige Weidehaltung vorliegt, hätten die Halter nach Aufklärung durch das Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt erst gar keinen Antrag gestellt.

Im Landkreis Mittelsachsen wenden einige wenige Rinderhalter den Kugelschuss auf der Weide  an. Im vergangenen Jahr haben diese Halter etwa 50 Rinder geschossen und auf der Weide geschlachtet. Schussgenehmigungen erteilt die Behörde sowohl einzeltierbezogen befristet und unbefristet .


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Ein Betrieb hat im Landkreis Nordsachsen unter Beachtung aller dafür erforderlichen Bedingungen die Genehmigung für den Kugelschuss zur Weideschlachtung erhalten. 2019 tötete der Betrieb auf diese Weise acht Tiere, die er in seiner zugelassenen Schlachtstätte verarbeitetete und im Zuge der Direktvermarktung vermarktete, wie die Leiterin des nordsächsischen Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramtes (LüVa), Amtstierärztin Dr. Barbara Lemm, erklärt.  Weitere Betriebe im Landkreis Nordsachsen haben keine diesbezüglichen Anträge gestellt.

Dauergenehmigung mit Widerrufsvorbehalt erteilt

Zehn Halter haben im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge im Jahr 2019 bei insgesamt 35 Rindern den Kugelschuss angewandt, um die Tiere zu schlachten.  Beantragen muss der Halter dies bei der unteren Jagdbehörde und beim Referat Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt. Bei Vorliegen der notwendigen Voraussetzungen erteilen die Behörden eine Genehmigung mit Widerrufsvorbehalt. Die Tierhalter müssen die Daten der Weideschüsse, zum sachkundigen Jäger und die Daten der Schlachtrinder an das Referat Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt melden. Werden Verstöße festgestellt, wird die Genehmigung widerrufen. Bislang lehnte die Behörde nur Anträge ab, weil Antragsteller keinen sachkundigen Jäger benannt hatten. Die Antragsteller besserten in diesem Fall nach und benannten den sachkundigen Jäger nach.

Im Landkreis Zwickau wenden Rinderhalter vereinzelt den Kugelschuss zur Weideschlachtung an. Situationsbedingt werden sowohl Dauergenehmigungen als auch Einzelgenehmigungen erteilt. Versagungsgründe für die Erteilung der Ausnahmegenehmigung lagen bisher nicht vor.

kb


Quelle: Die Angaben resultieren aus einer Anfrage der Bauernzeitung an alle Landkreise und kreisfreien Städte des Freistaates Sachsen. Für den Vogtlandkreis liegen zum Zeitpunkt noch keine Antworten vor.


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