Ernte der Lavendelblüten in See bei Niesky. (c) Agrargenossenschaft See

Violette Felder: Lavendelanbau in der Oberlausitz

Die Agrargenossenschaft See erprobt Lavendelanbau in der Oberlausitz. Die Bekanntmachung der Produkte war bis jetzt durch Corona nur bedingt möglich, trotzdem blickt man optimistisch in die Zukunft.

Von Karsten Bär

Hier weht ein Hauch Südfrankreich über der Oberlausitz: Nur ein paar Minuten Fußweg vom Verwaltungssitz der Agrargenossenschaft See bei Niesky entfernt, wächst auf zwei Hektar Fläche in langen Reihen Lavendel. Im Sommer zweifellos ein reizender Anblick. Doch vor allem soll die Pflanze mit dem aus ihr gewonnenen Öl für den Betrieb zu einem wirtschaftlichen Standbein werden. Gemeinsam mit Partnern von der HTW Dresden und aus deren Umfeld untersucht die Genossenschaft in einem EIP-Agri-Projekt, ob Lavendelanbau in der Oberlausitz unter den Vorzeichen des Klimawandels und häufigeren Dürrephasen eine lohnenswerte Alternative sein könnte.

ernte mit handgeführten geräten

Zwar spielt im Projekt auch das Thema Bewässerung eine Rolle. Doch dies nur in der Jugendentwicklung kurz nach dem Pflanzen, denn Lavendel kommt mit Trockenheit gut zurecht. „Wir sind im zweiten Anbaujahr“, erzählt Andreas Graf. „Das Ertragshoch ist ab dem vierten, fünften Jahr zu erwarten.“

Geerntet wurde bisher drei Mal. „Voriges Jahr zwei Mal mit wenig Ertrag, in diesem Jahr einmal viel“, so der Vorstandsvorsitzende. Immerhin zwei Tonnen Ertrag wurden eingefahren. Ein zweiter Schnitt war in diesem Jahr wegen des kühlen Augusts nicht möglich. Geerntet wurde mit einem handgeführten Gerät, das auch im Kräuteranbau Verwendung findet. „Im nächsten Jahr, wenn die Pflanzen größer sind, wird das nicht mehr reichen“, meint Graf. Dann brauche man andere Lösungen.

Lavendelanbau: absatz sicherstellen

Aus den Blüten wird mithilfe einer gemieteten mobilen Destillationsanlage Lavendelöl und -wasser gewonnen. Verkauft wird es abgefüllt in Flaschen als Duftöl überwiegend in Direktvermarktung. „Das ist gut angelaufen, und wir wollen das mit dem Aufbau eines Onlineshops auch noch weiter ausbauen“, sagt der Betriebschef. Allerdings hinderte Corona bisher daran, das Produkt in der Öffentlichkeit bekannter zu machen. So hatte sich die Agrargenossenschaft See auf der inzwischen abgesagten Grünen Woche präsentieren wollen.

Noch ist es zu früh, die Wirtschaftlichkeit des Lavendelanbaus zu bewerten. „Auf dem Papier ist es sehr lukrativ“, gibt der Betriebsleiter zu verstehen. „Aber es muss auch erstmal verkauft werden.“ Um den Absatz bei wachsender Erntemenge sicherzustellen, werden auch größere Abnehmer und Verarbeiter, etwa Seifen- und Kosmetikhersteller, benötigt. Bei denen hofft der Betrieb, mit dem Merkmal Regionalität punkten zu können. Die Qualität des Lausitzer Lavendelöls ist laut Laboranalysen hoch. „Aber aus jeder Sorte gewinnt man ein anderes Öl“, erklärt er. Man müsse mit potenziellen Abnehmern klären, welche speziellen Anforderungen diese haben und gemeinsam Konzepte entwickeln.


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Vorerst noch nicht gelungen ist es der Agrargenossenschaft, echtem Lavendelhonig zu erzeugen. Vier Völker hatte sich der Betrieb zu diesem Zweck angeschafft. Doch die Analysen ihres Honigs ergaben, dass die Bienen ihren Nektar in diesem Jahr hauptsächlich in Blüten anderer Pflanzen sammelten. Das, hofft Andreas Graf, wird sich im nächsten Jahr ändern.


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