Nur ein geringer Teil des in Sachsen erzeugten Schlachtviehs wird auch hier geschlachtet. Symbolbild (c) IMAGO / Gottfried Czepluch

Schlachtkapazitäten: Ohne Umweg an den Haken

Für mehr Schlachtkapazitäten im Land soll Sachsen auch auf dezentrale Lösungen setzen. Das hat der Landtag einstimmig gefordert. Der Minister wertet das als Rückenwind.

Von Karsten Bär

Der Landtag hat die Staatsregierung aufgefordert, sich für mehr Schlachtstätten in Sachsen einzusetzen. Der von den Koalitionsfraktionen eingebrachte Antrag „Regionale und hofnahe Schlachtung in Sachsen stärken“ wurde vom Plenum einstimmig angenommen. Die Staatsregierung wird darin ersucht, Konzepte und Vorhaben zu fördern, die einen Lückenschluss in der gesamten Wertschöpfungskette der „umwelt- und tierwohlgerechten Fleischproduktion im Freistaat“ zum Ziel haben.

Darüber hinaus soll der Freistaat unter anderem die praxisorientierte Forschung zum Ausbau regionaler und mobiler Viehschlachtung unterstützen, Investitionen und Ersatzanschaffungen für die Schlachtung fördern, die rechtlichen Grundlagen für regionale und hofnahe Schlachtung in Form eines Handlungsleitfadens aufbereiten und sich auf Bundesebene für rechtliche Erleichterungen für die Weideschlachtung einsetzen.

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Tierleid reduzieren

Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Grüne) bezeichnete den Antrag als „Rückenwind für eines meiner Kernanliegen: Landwirtschaft, Tierhaltung und Verarbeitung nachhaltiger zu machen und die regionale Wertschöpfung deutlich auszubauen.“ Kurze Wege bei der Schlachtung seien ein Beitrag, Tierleid zu reduzieren und CO2-Emmissionen zu verringern sowie mehr Wertschöpfung vor Ort zu schaffen und unabhängiger von Preisschwankungen auf dem Weltmarkt zu werden.

In Sachsen gibt es 379 Schlacht- und 68 Zerlegungsbetriebe, die gemäß Verordnung (EG) Nr. 853/2004 zugelassen sind. Das geht aus der Stellungnahme der Staatsregierung auf den Antrag hervor.

Zugleich verweist das federführende Landwirtschaftsministerium auf den Umstand, dass ein großer Teil der in Sachsen erzeugten Schweine und Rinder außerhalb des Landes geschlachtet wird. So würden zum Teil auch Schweine zur Lohnschlachtung nach Hof oder Bayreuth gebracht und anschließend regional in Sachsen verarbeitet und vermarktet.

Auch der Großteil sächsischer Rinder wird nicht in Sachsen geschlachtet, sondern meist im Schlachthof Altenburg. „Dadurch werden längere Tiertransportwege erforderlich und Wertschöpfungspotenzial geht verloren“, heißt es in der Stellungnahme des Ministeriums. Es hält daher die Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen im Land für ausbaufähig. Doch auch als Produktionsstandort für die Fleischerzeugung sieht das Ministerium für Sachsen noch Potenziale. Denn der Selbstversorgungsgrad mit tierischen Produkten sei eher gering. Er betrage für Rind 60 %, für Schwein 45 %, für Schaf 21 % und für Geflügel 41 %.

Sachsen: Abbau der Schlachtkapazitäten

Zwar hat der Abbau der Schlachtkapazitäten in der Vergangenheit, etwa die Schließung des letzten großen sächsischen Schlachthofes in Chemnitz 2011, offenkundig nicht zu einer Reduzierung der Schlachtschweineproduktion geführt (Grafik). Doch die Transportwege wurden länger und insbesondere regionale Vermarktungsmodelle wie das Programm „Sachsenglück“ sahen sich mit zunehmendem Aufwand konfrontiert.

Die Einstellung der Schweineschlachtung im Vion-Standort Altenburg Anfang 2020 und Stockungen bei der Abnahme infolge der Coronapandemie gaben im vorigen Jahr für den Sächsischen Landesbauernverband (SLB) und die Sächsische Fleischerinnung den letzten Anstoß, ernsthaft über den Aufbau eines regionalen Schlachthofes nachzudenken. Mit dem Auftreten der Afrikanischen Schweinpest (ASP) bei Wildschweinen in Sachsen und dem eklatanten Mangel von Schlachtkapazitäten für Schweine aus der Sperrzone II („gefährdetes Gebiet“) bekam das Ansinnen noch einmal deutlich mehr Brisanz.


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Mehrwert-Initiative: Anschaffung von mobilen Schlachteinrichtungen ausgewählt

Die Pläne für eine neue regionale Schlachtstätte unterstützt auch das Landwirtschaftsministerium. In das Förderprogramm Mehrwert-Initiative „Nachhaltig aus der Krise“ wurde eigens der Fördergegenstand „Konzeption und modellhafte Umsetzung zur Viehschlachtung zur Stärkung der regionalen Vermarktungskette für Vieh und Fleisch“ aufgenommen. Unter den eingereichten und für die Förderung ausgewählten Projekten befindet sich auch das vom SLB eingereichte Projekt einer Machbarkeitsstudie zur Erweiterung der Dienstleistungsschlachtkapazitäten in Sachsen, die Grundlage für den Aufbau eines regionalen Schlachthofes sein soll. Die Sächsische Aufbaubank hat den eingereichten Förderantrag des SLB zum 12. Oktober bewilligt. Gemeinsam mit den beteiligten Partnern will der SLB bis Ende September 2022 die Machbarkeitsstudie erstellen.

Des Weiteren wurden im Rahmen der Mehrwert-Initiative Projekte zur Errichtung von kleineren Schlachtstätten sowie zur Anschaffung von mobilen Schlachteinrichtungen ausgewählt. Gleiches gilt für das Projekt der Universität Leipzig „Entwicklung eines innovativen, modellbasierten Konzeptes zur tierschutz- und lebensmittelhygienisch konformen mobilen Schlachtung im Sinne der Regionalität“. Ziel dieses Vorhabens ist es, modellhaft den Ablauf einer mobilen Schlachtung abzubilden und ein in der breiten Praxis anwendbares Konzept zu erarbeiten.


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