Weinberg (c) Detlef Finger

Saale-Unstrut-Wein wird knapp

Nach einer dürrebedingt kleinen Weinernte im Vorjahr müssen die Winzer nun erneut bangen: Nachtfröste haben die Rebanlagen teils schwer geschädigt.

Von Detlef Finger

Die „Eisheiligen“ haben den Weinbauern an Saale und Unstrut erheblich zugesetzt. Minustemperaturen im einstelligen Bereich in Verbindung mit feuchter Luft nach Niederschlägen haben die Rebanlagen in der Nacht vom 11. auf den 12. Mai 2020 schwer getroffen. Nach Einschätzung von Winzern wurden im Einzelfall zwischen 20 bis 80 % der Rebstöcke in den Anlagen frostgeschädigt. Für die Weinlese bedeutet das im schlimmsten Falle Ausfälle von über zwei Dritteln einer normalen Ernte. Die Mehrzahl der Weinerzeuger berichtete von Schäden um 50 %.

Saale-Unstrut: Keller nur spärlich mit Wein gefüllt

Die Winzervereinigung Freyburg-Unstrut eG als größter Weinproduzent Mitteldeutschlands geht von einem durchschnittlichen Schadensmaß von 40 % aus. Die Genossenschaft rechnet mit einer eigenen Weinmosternte von noch 1,5 Millionen Liter. Das wäre weniger als im Trockenjahr 2019, in dem nur 1,8 Millionen Liter auf die Fässer kamen, und weit unter einer normalen Ernte von 2,5 Millionen Liter.


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Die Weinkeller sind wegen der vergangenen beiden mengenmäßig schlecht ausgefallenen Ernten ohnehin kaum noch gefüllt. Somit könnte es in der Vermarktung der Saale-Unstrut-Weine zu Mengenengpässen kommen. Selbst steigende Preise sind wohl nicht auszuschließen.

Saale-Unstrut: 2019 Drittkleinste WeinErnte

Im vergangenen Jahr wurde in Sachsen-Anhalt eine Weinernte von 3,0 Millionen Liter eingebracht. Das war laut dem Statistischen Landesamt die drittgeringste Erntemenge seit 2010. Das Weinjahr 2019 lag im Vergleich der vergangenen 10 Jahre um 24 % unter dem Durchschnitt der Dekade von 3,9 Millionen Liter.

Wie bereits in den Vorjahren, war allerdings fast die gesamte 2019er Ernte für die Herstellung von Qualitätsweinen geeignet. 22.655 Hektoliter (75 %; 2018: 63 %) wurden als Qualitätswein und 7.426 Hektoliter (25 %; 2018: 37 %) in der höchsten Qualitätsstufe „Prädikatswein“ erzeugt. In den letzten 10 Jahren lag der Anteil des Prädikatsweines bei rund 21 %.

Weißweinsorten überwiegen

2019 gab es mit 674 ha ertragsfähiger Rebfläche in Sachsen-Anhalt 14 ha mehr als 2018. Angebaute Rebsorten auf Ertragsflächen waren unter anderem Müller-Thurgau (109 ha), Weißburgunder (103 ha), Weißer Riesling (64 ha), Grüner Silvaner (43 ha), Bacchus (46 ha), Kerner (35 ha), Grauburgunder (35 ha) und Blauer Spätburgunder (23 ha).

Der Weinertrag von 44,6 hl/ha im Jahr 2019 verfehlte das zehnjährige Mittel von 61,2 hl/ha um 16,6 hl/ha bzw. 27 %. Der geringste Weinertrag wurde 2012 mit 38,8 hl/ha verzeichnet, der höchste im Jahr 2011 mit 81,8 hl/ha.

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