Auszeichnung des sozialen Projektes des Landwirtschaftsbetriebes Thomsen (c) Ingo Gutsche

Landwirtschaftsbetrieb Thomsen: Bauernhof als Lernort

Menschen mit Behinderung bietet der Landwirtschaftsbetrieb Thomsen Kontakt zu Nutztieren. Das soziale Projekt wurde im Sonderwettbewerb der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Einen weiteren UN-Preis gab es für ein Blühwiesenprojekt.

Von Ingo Gutsche

Eine große Ehre ist dem in Düsedau bei Osterburg ansässigen Landwirtschaftsbetrieb Thomsen zuteil geworden. Das Unternehmen im Landkreis Stendal hat das Projekt „Lernorientiertes Modul: Leben mit der Natur und den Tieren“ ins Leben gerufen. Dieses wurde kürzlich von den Vereinten Nationen (UN) ausgezeichnet. Das Projekt bindet Menschen mit Einschränkungen ein. Die Preisvergabe erfolgte im Rahmen des UN-Sonderwettbewerbes „Soziale Natur – Natur für alle“.

Der Altmärker FDP-Bundestagsabgeordnete Dr. Marcus Faber nahm die Ehrung stellvertretend vor. Anwesend waren zudem der Bürgermeister der Einheitsgemeinde Osterburg, Nico Schulz, und der Hauptgeschäftsführers des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt, Marcus Rothbart. Die Auszeichnung als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt im Bereich Soziales mache sie sehr stolz. Das erklärte die studierte Landwirtin Constanze Thomsen, die den landwirtschaftlichen Betrieb gemeinsam mit ihrem Ehemann Jochen Thomsen führt.

Landwirtschaftsbetrieb Thomsen: Mutterkühe und Alpakas

Schwerpunkte des 1993 gegründeten Familienbetriebes sind Ackerbau und Mutterkuhhaltung. Die Milcherzeugung wurde im Februar 2017 eingestellt. Zum Tierbestand des Hofes gehören darüber hinaus einige Alpakas. Des Weiteren die einzig verbliebene Milchkuh namens Galerie, die der Eigenversorgung der Familie mit Milch dient.

Menschen mit Behinderungen gibt der Betrieb die Chance, ihre Verbundenheit mit Tieren und die Natur zu entdecken. Die Teilnehmer der Osterburger Lebenshilfe kommen seit September 2019 regelmäßig nach Düsedau. Hier werden sie entsprechend ihrem Entwicklungsstand in landwirtschaftlichen Themen unterrichtet. „Durch unser Projekt zeigen wir Möglichkeiten der Inklusion auf“, freut sich Constanze Thomsen. Dies zeige, dass der eingeschlagene Weg mit der Lebenshilfe der richtige war.

Ehrung des Blühwiesenprojektes der Familie Thomsen durch Agrarministerin Claudia Dalbert (r.) (c) LWB Thomsen

Lob von Lebenshilfe für Düsedauer Hof

Mit dem Konzept verfolge der Landwirtschaftsbetrieb Thomsen nicht nur die Förderung von Arbeitsprozessen und Arbeitstugenden. Die Teilnehmer würden auch im Beziehungsaufbau zu den Tieren mit deren besonderen Bedürfnissen der Versorgung erreichen. So jedenfalls loben die Mitarbeiter der Lebenshilfe das Düsedauer Projekt. Und: Constanze Thomsen könne sich dabei sehr gut auf den Hilfebedarf jedes einzelnen Teilnehmers einstellen.

Die Vereinten Nationen haben den Zeitraum 2011 bis 2020 als UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgerufen. Sie wollen damit dem weltweiten Rückgang der Naturvielfalt entgegenwirken. Mit der Auszeichnung vorbildlicher Projekte wird der Blick auf den Wert der Naturvielfalt und die Chancen gelenkt, die diese uns bietet. Die Modellprojekte, so auch Thomsens Konzept, zeigen gleichzeitig, wie konkrete Maßnahmen zum Erhalt biologischer Vielfalt, ihrer nachhaltigen Nutzung oder der Vermittlung praktisch aussehen können.

Weiteres Projekt der Familie Thomsen geehrt

Das ausgezeichnete Projekt ist übrigens nicht das einzige des Landwirtschaftsbetriebes Thomsen. Brüssel hat auch eine weitere Initiative der Familie als vorbildlich anerkannt. Sie trägt die Bezeichnung „Blühwiesen suchen Paten – die Blühwiesenpatenschaft als Weg zum Erhalt und Ausbau der biologischen Vielfalt“ . Partner des Landwirtschaftsbetriebes sind hier Yvonne Riesmann, Besitzerin von „MY Unverpackt – Manufaktur für Tee, Gewürze & Unverpacktes“ in Stendal, sowie Imker Rando Hanske aus Erxleben.

Diesem Projekt wurde jetzt der Titel „Ausgezeichnetes Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt“ verliehen. Die Ehrung übernahm in diesem Fall Sachsen-Anhalts Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert. Die Grünen-Politikerin besuchte dazu am Montag das Familienunternehmen in Düsedau. Das Schwerpunktthema der UN-Dekade Biologische Vielfalt für die Jahre 2019 und 2020 lautet: „Insekten schützen – gemeinsam für die Vielfalt der Natur“. Der Betrieb von Constanze und Jochen Thomsen engagiert sich darüber hinaus noch in weiteren Bereichen. So bringt er etwa im Rahmen des Projekts „Grünes Erleben – Bauernhof als Klassenzimmer“ schon seit vielen Jahren auch Schülerinnen und Schülern die Landwirtschaft nahe.

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