Bioethanolanlage der Verbio Bioethanol GmbH in Zörbig im Landkreis Anhalt-Bitterfeld (c) Detlef Finger

Deutlicher Produktionsrückgang bei Bioethanol

Die Erzeugung von Bioethanol ist in Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr erstmals seit zehn Jahren unter 400.000 t gefallen. Trotzdem bleibt das Land bundesweit „Marktführer“.

Von Detlef Finger

Die Erzeugung von Bioethanol ist in Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Mit einer Produktionsmenge von 330.347 t wurden von dem nachhaltigen Treibstoff 21 % weniger hergestellt als 2018. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt fiel die Produktion damit erstmals seit zehn Jahren unter die Marke von 400.000 t Bioethanol. Die marktbeherrschende Stellung Sachsen-Anhalts innerhalb Deutschlands blieb davon gleichwohl unberührt: 62 % der gesamtdeutschen Bioethanolerzeugung entfielen 2019 auf das Bundesland. Bundesweit wurden im Vorjahr 533.897 t Bioethanol produziert.

Drei große Bioethanolwerke im Land

Von den größten Bioethanolwerken in Deutschland stehen gleich drei in Sachsen-Anhalt. Dazu zählt das im Jahr 2005 in Betrieb genommene Werk der CropEnergies Bioethanol GmbH in Zeitz im Burgenlandkreis. Mit einer Jahreskapazität von 315.000 t Bioethanol ist es zugleich das größte seiner Art in der Bundesrepublik. Dort können jährlich mehr als 750.000 t Getreide und Zuckersirupe aus bis zu einer Million Tonnen Zuckerrüben verarbeiten werden. Die GmbH ist ein Unternehmen der CropEnergies AG, die zur Südzucker-Gruppe gehört.

Das Werk der CropEnergies Bioethanol GmbH am Standort Zeitz gehötz zu den größten in Europa. (c) Martin Jehnichen

Des Weiteren zählt dazu das Bioethanolwerk der Nordzucker AG in Klein Wanzleben im Landkreis Börde mit einer Kapazität von 100.000 t pro Jahr. Dieses nahm im Jahr 2007 seine Produktion auf. Bioethanol wird hier während der Rübenkampagne aus Rohsaft, einem Zwischenprodukt der Zuckergewinnung, aus der benachbarten Zuckerfabrik des Nordzucker-Konzerns hergestellt. Außerhalb der Kampagne kommen Dicksaft und Melasse aus verschiedenen Standorten zum Einsatz.

Hinzu kommt die Anlage der zur Verbio Vereinigte BioEnergie AG gehörenden Verbio Zörbig GmbH in Zörbig im Landkreis Anhalt-Bitterfeld mit einer Jahreskapazität von aktuell etwa 60.000 t. Letztere nahm im September 2004 als erster Standort in Deutschland die Produktion von Bioethanol aus Getreide für den Einsatz in Kraftstoffen auf.

Bioethanol wird hauptsächlich als Kraftstoffbeimengung eingesetzt. Es ist damit von der generellen Preis- und Nachfragesituation am Kraftstoffmarkt abhängig. Es ist aber auch in der Lebensmittel-, Chemie- und Pharmaindustrie gefragt. Da Bioethanol auch als Grundstoff für Desinfektionsmittel verwendet wird, sollten Produktion und Absatz im Jahr 2020 aufgrund der Coronapandemie gegenüber 2019 steigen.

Auch weniger Biodiesel erzeugt

Vom zweiten großen Biotreibstoff, dem Biodiesel, wurden in Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr 520.991 t produziert. Das waren 2,7 % weniger als 2018. Hier lag der Anteil des Bundeslandes an der Gesamtproduktion in Deutschland von 3,58 Mio.t lediglich bei rund 15 %. Im Gegensatz zur Bioethanolherstellung stieg die Gesamterzeugung von Biodiesel 2019 in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 239.006 t oder sieben Prozent.

Die Verbio Vereinigte BioEnergie AG ist auch bei der Biodieselherstellung groß im Geschäft. Bereits im Oktober 2001 nahm sie in Bitterfeld (Sachsen-Anhalt) ihre erste Biodieselanlage in Betrieb. Das konzernunabhängige Unternehmen hat einen weiteren Standort in Schwedt im Land Brandenburg, wo Bioethanol und Biodiesel erzeugt werden. Die Gesamtproduktion von Verbio an beiden Biokraftstoffen lag im Geschäftsjahr 2019/20 bei 796.411 t (2018/19: 721.126 t). Am deutschen Biokraftstoffmarkt deckt das Unternehmen damit nach eigenen Angaben ca. 30 % des Biodiesels und Bioethanols ab.

Registrieren Sie sich für unseren kostenlosen Newsletter. Ihre Vorteile im Überblick:

  • Geschichten und Insights zu Fachbeiträgen
  • Aktuelle Nachrichten
  • Tipps zu den neusten Veranstaltungen

Bauernzeitung. Aktuell. Regional. Praxisnah.

Registrieren