Verladen im Wismarer Hafen: Von hier aus gehen 100.000 t Rüben auf die Reise in die Schweiz. (c) Gerd Rinas

Zuckerrüben für die Schweiz: 130.000 Tonnen auf dem Gleis

Landwirte des Güstrower Anbauerverbandes in der Region Wismar exportieren zusammen mit einem Agrarlogistikunternehmer per Bahn 130.000 Tonnen Zuckerrüben in das Alpenland.

Von Gerd Rinas

„Bald sind wir durch“, sagt Michael Pahlow Anfang Dezember. In der Stimme des Landwirts schwingt Erleichterung mit. Seit Anfang Oktober ist der Vorsitzende des Güstrower Rübenanbauerverbandes mit Logistikunternehmer Hans Georg Bothe in besonderer Mission unterwegs: Die beiden managen den Export von 130.000 t Rüben aus Mecklenburg in die Schweiz.

Eingespieltes Team

Was in einen Satz passt, ist in Wirklichkeit Sisyphusarbeit: „Rübenroden, -verladen, Transport zum Zwischenlager im Wismarer Hafen und zum Bahnhof von Lalendorf bei Güstrow, Verladen in die Waggons – alles muss bis ins Kleinste aufeinander abgestimmt sein“, erläutert Michael Pahlow. „Wenn es irgendwo klemmt, kommt die ganze Kette ins Stocken“, ergänzt Hans-Georg Bothe. Die beiden sind mittlerweile ein eingespieltes Team.

Von ihrer Arbeit profitieren seit drei Jahren vor allem Anbauer im Umkreis von 30 km um Wismar und aus der Region Güs trow. „Der Preis, den wir mit den Exportrüben erzielen, ist etwas niedriger als der, den Nordzucker für unsere Vertragsrüben zahlt. Der Export lohnt sich aber trotzdem. Der Rübenanbau war in den letzten drei Jahren wirtschaftlicher als der Anbau von Getreide und Raps“, lässt Pahlow durchblicken.

200 Anbauer profitieren

Der Erlös für die Exportr üben hängt maßgeblich von den Transportkosten zum Verladepunkt ab. „Die Anfuhr müssen die Anbauer bezahlen“, erläutert Pahlow. Aus diesem Grund ist die Zahl von 21 Lieferanten überschaubar. Indirekt profitieren aber alle 204 Mitglieder des Anbauerverbandes von der zusätzlichen Rübenvermarktung.

„Seit der Schließung der Güstrower Zuckerfabrik im Februar 2008 hat sich der Rübenanbau in Mecklenburg auf etwa 7.000 ha mehr als halbiert. Um die Anbaustruktur, vor allem die Logistik für das Roden, Verladen und den Transport zur Fabrik zu halten, ist ein Mindestanbau Voraussetzung“, so Pahlow. Der Rübenexport in die Schweiz von mehr als 1.500 ha LF sei dafür ein Glücksfall.

In Gang gekommen ist das Geschäft vor drei Jahren eher zufällig. Bei einem Treffen mit Landwirten aus Österreich erfuhr der Güstrower Verbandschef von deren Rübenlieferungen in die Schweiz. Landwirte dort hatten ihren Anbau wegen rückläufiger Preise und zunehmender Pflanzenkrankheiten stark reduziert.


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Michael Pahlow nahm Kontakt zur Schweizer Zucker AG in Aarberg auf. Dort zeigte man sich interessiert an dem Angebot aus Mecklenburg. „Wir sollten die Verladung und den Transport nach Wismar beziehungsweise Lalendorf bezahlen. Die Schweizer wollten die Rüben im Waggon kaufen, den landesüblichen Preis in Euro zahlen und das Währungsrisiko absichern. Das Angebot passte“, erinnert sich Pahlow.

Mit Hans-Georg Bothe holte der Verbandschef einen ebenso erfahrenen wie rübenbesessenen Spediteur an Bord. „Hans-Georg ist zwar schon über 80, hat aber Rübensaft im Blut“, lacht Pahlow. Als er von dem Plan erzählte, verschob Bothe seinen Ruhestand und gründete stattdessen mit einem Lohnunternehmer aus Warsow eine gemeinsame Firma für das Rübenlegen, -roden und -verladen.

gern längerfristige partnerschaft

Seit dem Start der Kampagne im Oktober ist der Niedersachse Bothe in Mecklenburg unterwegs und dirigiert Rübenmäuse und -transporter von einem Rübenlager zum nächsten. „Alles läuft wie am Schnürchen, Respekt dafür“, lobt Michael Pahlow, der sich ehrenamtlich für das Projekt engagiert und selbst keine Rüben in die Schweiz liefert: Sein Betrieb in Zülow ist zu weit vom Wismarer Hafen entfernt. „Die Transportkosten würden den Gewinn auffressen“, bedauert der Landwirt.

Bis 2021 sichern Jahresverträge den Export ab. Im neuen Jahr wollen Anbauer und Verarbeiter in der Schweiz über die Zukunft des Zuckerrübenanbaus entscheiden. „Wir würden die Partnerschaft gern längerfristig entwickeln“, sagt Michael Pahlow.

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