Wölfe im Wildpark Schorfheide. (c) Sabine Rübensaat

Wolf: Mehr Beachtung für Leid der Weidetiere

Tierärztekammer und Bauernverband in M-V kritisieren die Wolfspolitik der Landesregierung. Zum Schutz der Weidetiere bestehe erheblicher Handlungsbedarf. Sonst seien sie „nur der Anfang der unerwünschten Nahrungssuche von Wölfen“, heißt es in einem Brief der Tierärzte an Agrarminister Till Backhaus.

Die Landestierärztekammer Mecklenburg-Vorpommern hat die Politik der Landesregierung zur Wiederansiedlung der Wölfe kritisiert. Der Zielkonflikt zwischen Arten- und Tierschutz sei nur unzureichend bearbeitet, heißt es in einem Schreiben an Agrar- und Umweltminister Till Backhaus, das der Redaktion vorliegt. Sogenannte Problemwölfe seien nur der Anfang des Konflikts zwischen Weidetierhaltung und unkontrollierter Ausbreitung der Wölfe. Schmerzen, Leiden und Schäden der Tiere auf der Weide müssten mehr beachtet werden. Tötungen und Verletzungen von Weidetieren würden nur „sehr restriktiv und intransparent“ veröffentlicht und ermittelt. Sogenannte Hilfen für den Weidezaunbau, Entschädigungen und Herdenschutzhunde seien zwar „gut gemeint, allerdings nicht lösungsorientiert“, so die Tierärzte.


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Anders als in den Karpaten sei die Haltung von Herdenschutzhunden aus Sicherheitsgründen für Menschen in MV „nicht unproblematisch“. Es bestehe „erheblicher Handlungsbedarf“ zum Schutz der Weidetiere. Dazu gehöre, „Problemwölfe“ schnellstmöglich zu identifizieren und zu entnehmen. Sonst seien Weidetiere „nur der Anfang der unerwünschten Nahrungssuche von Wölfen“, warnten die Tierärzte.

Zahl der Rissvorfälle steigt an

Angesichts stark steigender Zahlen von Nutztierrissen hatte der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern in der vorigen Woche ein Umdenken im Wolfsmanagement gefordert. Im 1. Quartal 2020 sind in Mecklenburg-Vorpommern 21 Rissvorfälle registriert worden, bei denen ein Wolf als Verursacher festgestellt oder nicht ausgeschlossen werden konnte. Dabei wurden 94 Nutztiere getötet und 21 Nutztiere verletzt. Im Vergleich zum 1. Quartal 2019 (12 Rissvorfälle mit 51 getöteten Nutztieren) ist das ein deutlicher Anstieg. „Diese Entwicklung muss sowohl für die Tiere als auch für die Weidetierhalter endlich ein Ende haben“, sagt Dr. Manfred Leberecht, Vizepräsident des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern.

Die aktuellen Fälle zeigten, dass der Wolf die Weidetierhalter zunehmend vor existenzbedrohende Herausforderungen stellt. Sie müssen Jahr für Jahr tote und zerfleischte Tiere bergen, die zum Teil trotz wolfssicher eingezäunter Weiden gerissen werden. Aktuell leben acht Wolfsrudel, zwei Paare sowie mehrere Einzeltiere in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Wolfsrudel besteht meist aus drei bis elf Tieren – den Eltern und den Nachkommen der letzten zwei Jahre.

Wolfsmanagementplan zehn Jahre alt

Es sei höchste Zeit, den inzwischen zehn Jahre alten Managementplan in Mecklenburg-Vorpommern an die veränderten Bedingungen im Land anzupassen, so Leberecht. Längst gehe es nicht mehr nur um finanzielle Ausgleichszahlungen im Schadensfall und die Förderung von Präventionsmaßnahmen wie Zäunen, sondern um ein aktives und konsequentes Management des Wolfsbestandes. „Wir müssen dafür sorgen, dass Landwirte ihre Tiere tiergerecht, gesund und unversehrt auf der Weide halten können. Ist das nicht gewährleistet, muss eine gezielte Entnahme des Wolfes möglich sein.“

Jagdrecht mit mehr Handlungsoptionen

In den Gesprächen zu einem neuen Wolfsmanagementplan wird sich der Bauernverband für einen zumutbaren Herdenschutz unter  Berücksichtigung der Weidetierart, der Haltungsform und des jeweiligen Schutzgutes einsetzen. „Wir plädieren außerdem dafür, den Wolf ins Jagdrecht zu übernehmen“, so Leberecht.  Das würde mehr Handlungsoptionen eröffnen, um Konflikte zwischen Weidetierhaltung und Wolf zu mildern, den Artenschutz jedoch nicht in Frage stellen. „Das Land muss endlich rechtssicher gestaltend tätig werden“, fordert Dr. Manfred Leberecht. Die bisherigen Maßnahmen bezeichnet er als „unzureichend“. ri

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