Durch Quer- und Längsrillen des neuartigen Stallbodens wird Harn schnell abgeleitet.

Neuer Stallboden – weniger Emissionen?

Ein neuer Stallboden könnte demnächst klimaschädliche Ammoniakemissionen in Milchviehställen deutlich mindern. Das lassen erste Ergebnisse eines Forschungsprojekts in der Gut Dummerstorf GmbH erwarten. 

Von Gerd Rinas

Dr. Holger Brandt
Dr. Holger Brandt

Dort wurden in einem Boxenlaufstall für 360 Milchkühe ein nach Angaben des Herstellers besonders emissionsmindernder Stallboden und ein speziell entwickelte Schieberentmistung eingebaut. „Damit der Gülleschieber funktioniert, muss der Untergrund planbefestigt sein. Dazu haben wir zunächst eine Betonsohle in den vier Laufgängen gegossen. Auf den planbefestigten Stallboden wurde eine Kunststoffplatte aufgeklebt. Auf diese wurde dann der neue Fussboden aufgeschraubt“, berichtete Dr. Holger Brandt, Geschäftsführer des Gutes Dummerstorf.

Die Bauarbeiten begannen im Mai 2018 und wurden Mitte November bei laufendem Betrieb abgeschlossen. Planung und Bauleitung wurden von der Hochbauabteilung der Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern ausgeführt. Das Gut Dummerstorf ist ein Tochterunternehmen der Landgesellschaft MV. 

Wie funktioniert der neue Stallboden?

David Janke erklärt neuen Stallboden
Der Schieber reinigt den Fussboden mit einer Lippe und Zähnen aus Kunststoff.

Der neue Stallboden besteht aus speziell profilierten Kunststoffelementen. Viele kleine Querrillen und Längsrillen an den Rändern sorgen dafür, dass der Harn der Milchkühe rasch abtransportiert wird. „Wir gehen davon aus, dass die schnelle Trennung von Kot und Harn durch das besondere Profil des Fußbodens und das spezielle Schiebersystem die Ammoniakemmission in geschlossenen Stallsystemen stark reduzieren. Dieses Wirkprinzip macht sich der neu entwickelte Fussbodenbelag zunutze“, erläutert Betriebsleiter Lucas Pieper. 

Nach dem subjektiven Geruchsempfinden von Mitarbeitern und Besuchern weist das Raumklima in dem etwa 100 m langen Stall mit dem neuen Stallboden deutlich weniger Ammoniak auf als in Ställen mit herkömmlichem Boden.


„Im März beginnen wir mit zwölfmonatigen Stallklimamessungen, die genauen Aufschluss über die Ammoniakemissionen bringen sollen. Wir versprechen uns von dem neuen System eine deutliche Minderung“

David Janke vom Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) in Potsdam-Bornim

David Janke
David Janke

Das Institut arbeitet seit mehreren Jahren mit dem Gut Dummerstorf als Praxispartner zusammen. „Wir haben hier schon viele Klimadaten zur Optimierung der Haltungsbedingungen von Milchrindern und Minderung klimaschädlicher Emissionen in Milchviehställen gemessen. Damit verfügen wir über Referenzdaten, die wir nach Abschluss der jetzt beginnenden Messungen zur Beurteilung des neuen Fußbodens nutzen können“, so Janke. 

Auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Tiere wirkt sich der neue Stallboden nach Beobachtungen in den vergangenen Monaten offenbar positiv aus.


„Die Tiere fühlen sich wohl. Der neue Stallboden ist trittsicher und vergleichsweise trocken. Das ist gut für die Klauengesundheit.“

Lucas Pieper


In der Praxis wird der neuartige Stallboden seit zwei Jahren bisher von zwei Herstellern angeboten. „Mit 110 bis 170 €/m2 ist es im Vergleich zu herkömmlichen planbefestigten Fussböden in Milchviehställen noch relativ teuer“, so David Janke. Das könnte sich aber ändern, wenn die Untersuchungen in Dummerstorf tatsächlich geringere Emissionen nachweisen und die Nachfrage von Milchviehhaltern nach dem neuen Fußboden steigt.

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