Matthias Westerfeld in der Käsemanufaktur mit seinen ersten Produkten: Camembert Walnuß, Chili und Natur. (c) Gerd Rinas

Handgemachter Käse aus Bollewick

Mit seiner Käsemanufaktur Müritz betritt Matthias Westerfeld als Unternehmer Neuland. Seine Produkte wird der ausgebildete Landwirt und handwerkliche Milchverarbeiter erstmals auf der Grünen Woche vorstellen.

Von Gerd Rinas

Wenn am 17. Januar auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin in der Messehalle 5.2b die Ernährungswirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns ihr großes Schaufenster öffnet, wird erstmals die Käsemanufaktur Müritz aus Bollewick ihre Produkte vorstellen. Geschäftsführender Gesellschafter des Start-up ist der 39-jährige Matthias Westerfeld. 

Der gebürtige Dortmunder hat eine landwirtschaftliche Ausbildung durchlaufen, ist staatlich geprüfter Wirtschafter und Landwirt mit Ausbildungseignung. Lange schien es, als würde die Landwirtschaft sein Berufsleben prägen. „Ich habe bei einem Betriebs- und Familienhilfsdienst  in Nordrhein-Westfalen gearbeitet, später als Herdenmanager und Eigentümer von zwei Milchviehbetrieben. Allerdings waren die Aussichten in der Milchproduktion in den vergangenen Jahren nicht gut, die Wertschöpfung unbefriedigend“, bilanziert Westerfeld. Deshalb entschloss sich der durch und durch unternehmerische Landwirt, seiner beruflichen Zukunft eine neue Richtung zu geben.

Käsemanufaktur Müritz – Das Projekt beginnt

Anfang 2018 verkaufte er seine beiden Milchviehbetriebe mit 630 Kuhplätzen und begann sein Projekt „Käsemanufaktur“. „Melken und Füttern, Rohmilch in der entsprechenden Menge und Qualität zu produzieren, das hatte ich gelernt. Aber die Milch zum Konsumenten zu bringen, daraus handwerklich Produkte herzustellen, die am Markt nachgefragt werden, das war neu für mich“, so Westerfeld. Dafür setzte er sich noch einmal zweieinhalb Jahre auf die Schulbank und machte beim Verband für handwerkliche Milchverarbeitung e.V. in Wangen (Allgäu) berufsbegleitend seinen Abschluss als Fachagrarwirt für handwerkliche Milchverarbeitung.

Matthias Westereld und Henk van der Ham in der Käsemanufaktur Müritz
Auf gleicher Wellenlänge: Milchverarbeiter Matthias Westerfeld und Landwirt Henk van der Ham. (c) Gerd Rinas

 Bei der Suche nach einem Standort für seine Käsemanufaktur wurde er in Bollewick an der Müritz fündig. Dort wirtschaftet seit 2004 Landwirt Henk van der Ham. Zu seinem Milchviehbetrieb gehören mittlerweile 430 ha LF. Seine 230 melkenden Kühe kamen im vergangenen Wirtschaftsjahr auf eine Milchleistung von rund 9 000 kg pro Kuh und Jahr. Seit 2015 setzt van der Ham auf Direktvermarktung. Erst im vorigen Monat hat der Landwirt in einem Edeka-Markt im 85 Kilometer entfernten Bützow einen weiteren Rohmilchautomaten aufgestellt. „Die Nachfrage ist gut. Wir verkaufen täglich 100 Liter Milch, an den Wochenenden 150 Liter“, freut sich van der Ham, der auch Energiewirt ist: Mit seiner 600-kW-Biogasanlage versorgt er viele Häuser in Bollewick mit Wärme. 

Als Matthias Westerfeld van der Ham fragte, ob er bei ihm Milch für seine Käsemanufaktur beziehen könnte, willigte der Landwirt sofort ein. „Die Idee für eine Käserei hatte ich auch schon im Kopf. Aber so ist es auch okay“, so der Milchbauer, der sich in der Region einen guten Ruf erarbeitet hat. Van der Ham gab Westerfeld auch den Tipp, den Kontakt zu Bertold Meyer zu suchen. Der langjährige Bürgermeister von Bollewick hat viele zukunftsweisende Projekte in der Region mitangeschoben. 

Seekäse – die Steigerung von Bergkäse

So auch dieses Mal. In den „Gläsernen Landwerkstätten“ des Schlacht- und Zerlegebetriebs Thönes Natur-Verbund Müritz, gleich gegenüber der bekannten Bollewicker Feldsteinscheune, waren Gewerberäume frei. Dank großer Glaswände taghell und wie geschaffen für Westerfelds Plan, seinen Betrieb als Schaumanufaktur einzurichten. Mittlerweile ist das Werk fast vollbracht, Handwerker legten vor Weihnachten letzte Hand an die Einrichtung des Kälteraums. 

Schon Ende November hatte Matthias Westerfeld den ersten Käse hergestellt. Farmhouse-Cheddarkäse, Schnittkäse („Scheunenkäse“) und Camembert („Landkäse“) sollen künftig unter der Marke „Seekäse“ verkauft werden. „Seekäse ist die Steigerung von Bergkäse“, schmunzelt Westerfeld, der seine Produkte vor allem online und in Hofläden vermarkten will. Auf der Grünen Woche vom 16. bis 26. Januar in Berlin können Besucher seinen Camembert in drei Geschmacksrichtungen probieren. „Außer in der Mecklenburg-Vorpommern-Halle 5.2b sind wir auch auf dem Erlebnisbauernhof vertreten“, lädt Matthias Westerfeld Interessenten ein.

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