Die Zukunft im Tank: Ein Transporter wird in Güstrow mit flüssigem CO2 in Lebensmittelqualität beladen, das aus Biomethan erzeugt wurde. (c) Catrin Hahn

BioEnergie Park Güstrow: Biogas zu Lkw-Treibstoff

Mit einer feierlichen Veranstaltung und viel Prominenz vor Ort nahm vorige Woche die größte Bio-LNG-Verflüssigungsanlage Deutschlands in der Nähe von Güstrow nun auch offiziell ihre Arbeit auf.

Von Catrin Hahn, Berlin

Mit täglich 25 t Bio-LNG und 41 t lebensmitteltauglichem CO2 hat der neue BioEnergie Park Güstrow schon im Probebetrieb eindrucksvoll bewiesen, was er leisten kann. Sein Betreiber, EnviTec Biogas, konnte daher am 31. August bei der feierlichen Eröffnungsveranstaltung zu Recht stolz auf das Erreichte sein.

Vor Geschäftspartnern, Vertretern aus der Politik, den umliegenden Landwirtschaftsbetrieben und beteiligten Baufirmen wurde an die Geschichte der im Jahr 2009 errichteten, damals deutschlandweit größten Biogasanlage erinnert. Ihr Umbau zur Bio-LNG-Anlage erfolgte im laufenden Betrieb und erforderte hohen Einsatz.

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Bio-LNG Anlage eröffnet

Olaf von Lehmden, Inhaber von EnviTec Biogas und Mastermind hinter dem Vorhaben, fand dazu folgende Worte: „Nach dem zweijährigen Umbau mit drei umfangreichen Genehmigungsanträgen und Investitionen von über 50 Millionen Euro können wir Deutschlands größte integrierte Bio-LNG Anlage mitsamt CO2-Verflüssigung nun eröffnen. Damit sind wir ab sofort Anbieter von CO2-neutralem Kraftstoff für den Schwerlastverkehr. Wir sind stolz, mit unserem innovativen Anlagenkonzept Maßstäbe für einen grüneren Transportsektor zu setzen und zu beweisen, wozu das Multitalent Biomethan in der Lage ist.“

Einweihung Bio-LNG-Anlage Güstrow
Bei der feierlichen Einweihung von Deutschlands größter integrierter Bio-LNG-Anlage Güstrow (v.l.): Jörg Fischer (CFO EnviTec Biogas), Olaf von Lehmden (CEO), Hartmut Höppner (Staatssekretär im Bundesministerium für Digitales und Verkehr) und Jürgen Tenbrink (CFO). (c) Catrin Hahn

Begehrte Innovationen

Lehmden fährt fort und betont, dass die Technologie hoffentlich auch ein Hoffnungsschimmer für jene Biogasanlagen in Deutschland sei, die in den kommenden Jahren aus der Förderung laufen. Deshalb habe EnviTec für die kommenden Jahre ein 200 Mio. € schweres Investitionsvorhaben geplant. Insgesamt sehe er inzwischen vor allem in der EU mehr Verständnis und Unterstützung für den Biogasbereich.

Staatssekretär Hartmut Höppner vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr unterstrich anschließend, dass man im Ministerium das Engagement des Anlagenbauers zu schätzen wisse. „Der Verkehr spielt bei unserem Ziel der Klimaneutralität eine große Rolle. Transport und Verkehr werden künftig sicher nicht weniger werden, daher sind klimafreundliche Treibstoffe bei der Halbierung der Treibhausgas-Emissionen, die wir in den nächsten acht Jahren vorhaben, so wichtig.“

Klimafreundliche Treibstoffe gesucht

Bei der Suche nach klimafreundlichen Antrieben und Kraftstoffen gehe man ausdrücklich technologieoffen vor, betonte der Staatssekretär. Auch das Nutzen von Rest- und Abfallstoffen – wie es in der Anlage praktiziert werde – passe zu den Zielen der Bundesregierung. Mit über 20 Jahren Erfahrung sei die EnviTec Biogas bestens geeignet für solche bahnbrechenden Vorhaben, schloss er. Große Herausforderungen bewältige man nicht mit Verzagtheit, sondern mit Offenheit, Mut und Kreativität.

Hans-Joachim Polk, Vorstandsmitglied des Biogasrat+ e. V. und des Gasnetzbetreibers VNG AG, mit dem EnviTec Biogas zusammenarbeitet, unterstrich von Lehmdens Würdigung des Biomethans: „Eine erfolgreiche Energiewende geht nur mit Biogas, Biomethan und Bio-LNG.“ Polk arbeitet übrigens auch bei dem nächsten neuen Vorhaben – einer Verflüssigungsanlage nahe Berlin – mit von Lehmden zusammen.

Stephan Ortolf, Leiter Zentralbereich Firmenkunden des Finanzpartners DZ Bank, ordnete in seinem Grußwort die Mengen des in Güstrow erzeugten Kraftstoffes ein. Zwar seien die knapp 10.000 t im Jahr zunächst nur 0,1 % der jährlich auf deutschen Straßen gefahrenen 41,7 Mrd. Lkw-Kilometer. Doch man komme damit immerhin 1.250 Mal um die Erde. Und es sei ja erst der Anfang einer neuen Technologie. Die DZ-Bank, heute schon mit 6,6 Mrd. € Investitionen in Erneuerbare-Energien-Projekte, wolle gern ihren Beitrag zur Energiewende leisten.

BioEnergie Park
Im BioEnergie Park erzeugen fünf Module Biogas, das anschließend aufbereitet und zu Flüssig-CO2 und Bio-LNG verflüssigt wird. Im Bild ein LKW des Bio-LNG-Abnehmers LIQVIS, der gerade mit Treibstoff aus dem LNG-Tank beladen wird. (c) Catrin Hahn

CO2-frei ist möglich

Silvano Calcagno, Geschäftsführer der Liqvis GmbH, einer der Hauptabnehmer des in Güstrow produzierten Bio-LNG, gab ebenfalls seiner Freude Ausdruck, Teil dieses zukunftsweisenden Projektes zu sein: „Hier wird der Beweis angetreten, dass die 100 % CO2-freie Produktion von Lkw-Treibstoff möglich ist. Leider zögern Speditionen oft noch bei der Bestellung von Fahrzeugen mit LNG-Antrieb.“ Calcagno rief Wirtschaft, Gesellschaft und Politik auf, diesen Meilenstein im Verkehrssektor ebenso zu würdigen, wie es an diesem Tag hier getan wurde.

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