Eine Blutrote Heidelibelle im Wildpark Johannismühle in Baruth. (c) Imago Images/Star-Media

Insektenschwund offenbar größer als bisher vermutet

Forscher sammelten zehn Jahre lang in Brandenburg, Thüringen und Baden-Württemberg mehr als eine Million Insekten. Was sie nachweisen konnten, sorgt für neuen Zündstoff in der Debatte über den Artenrückgang.

Der Insektenrückgang ist offenbar weitreichender als vermutet. Auf vielen Flächen gibt es heute etwa ein Drittel weniger Insektenarten als noch vor einem Jahrzehnt. Das geht aus einer Untersuchung eines internationalen Forscherteams der Technischen Universität München (TUM) hervor. Während sich bisherige Studien entweder ausschließlich auf die Biomasse oder auf einzelne Arten bezogen, wurden nun erstmals beides gezählt. Dass tatsächlich ein Großteil aller Insekten betroffen sei, sei bisher nicht bekannt gewesen, erklärte ein Sprecher der Forscher.

Die Landwirtschaft gehört nach diesen Ergebnissen zu den Mitverursachern. Denn betroffen vom Artenschwund sind nach den Zahlen aus München vor allem Wiesen, die sich in einer stark landwirtschaftlich genutzten Umgebung befinden. Ebenso auffällig weniger Insekten wurden jedoch auch in Wald- und Schutzgebieten gefunden.

INSEKTENSCHWUND: „DA MÜSSEN WIR ALLE RAN“

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner kündigte an, die Ergebnisse der Studie genau prüfen zu wollen. In einer ersten Stellungnahme, stellte sie klar, dass es auch um die Siedlungsentwicklung, um Lichtverschmutzung in den Städten, die Versiegelung von Flächen, zugepflasterte Gärten vor Haustüren sowie den Verkehr und die Verkehrsinfrastruktur gehe. „Da müssen wir alle ran“, hob die Ministerin hervor. Erstaunt zeigte sie sich über den Insektenrückgang im Wald, zumal die ökologischen Daten für die Biodiversität in den deutschen Wäldern von Inventur zu Inventur besser geworden seien.

Zwischen 2008 und 2017 hatten die Forscher auf 300 Flächen mehr als eine Million Insekten gesammelt. Nach ihren Erkenntnisse sind viele der fast 2.700 untersuchten Arten rückläufig. Einige seltenere Arten wurden in manchen der beobachteten Regionen gar nicht mehr gefunden worden. Die Biomasse der Insekten in den untersuchten Wäldern ging seit 2008 um etwa 40 % zurück; im Grünland verringerte sich die Insektenbiomasse auf ein Drittel ihres früheren Niveaus. Der Initiator des Projekts, Prof. Wolfgang Weisser, bezeichnete den Rückgang als „erschreckend“, der so nicht erwartet worden sei.  AgE/red

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