Allein in Krümmel (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) mussten im vergangenen Dezember etwa 29000 Legehennen wegen der Vogelgrippe (H5N8) tierschutzgerecht getötet werden. Symbolbild Copyright Imago

Geflügelpest: Über 500.000 Tiere gekeult

Die Geflügelpest verbreitet unter Tierhaltern in Norddeutschland Angst und Schrecken. Allein in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern wurden seit dem vorigen Herbst über 580.000 Tiere notgetötet.

Von Gerd Rinas

Die Geflügelpest fordert in Norddeutschland immer neue Opfer. Den jüngsten Ausbruch meldete gestern der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Betroffen ist eine Kleinsthaltung in Wredenhagen bei Röbel. 30 Hühner und fünf Gänse wurden getötet. Im Beobachtungsgebiet im Umkreis von zehn Kilometern um den Ausbruchsort ist für Geflügel Stallpflicht angeordnet. Davon betroffen sind laut Landkreis 410 Betriebe mit rund 550.000 Tieren. Erst in der vorigen Woche gab es in Mecklenburg-Vorpommern zwei Geflügelpestausbrüche: In einer Putenhaltung mit 19.700 Tieren in Grammendorf, Landkreis Vorpommern-Rügen und in einer Geflügel-Mastelterntierhaltung mit 45.000 Tieren in Jörnstorf, Landkreis Rostock. Um die Seuche einzudämmen, wurden beide Bestände gekeult. „Die Lage ist dramatisch. Es ist kaum auszudenken, welche Folgen eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus hätte“, warnte Mecklenburg-Vorpommerns Agrar- und Umweltminister Till Backhaus.

MV: Bisher 3,4 Mio. Euro Entschädigung

Von den ostdeutschen Bundesländern ist Mecklenburg-Vorpommern aufgrund seiner Nähe zu den Vogelzugrouten und seiner vielen Gewässer vom Geflügelpestrisiko besonders betroffen. Seit vorigem Herbst ist nach Angaben aus dem Schweriner Landwirtschaftsministerium in 14 Haltungen Geflügelpest festgestellt worden. Seitdem wurden etwa 230.000 Tiere notgetötet. Die Tierseuchenkasse MV entschädigte die Halter bisher mit rund 3,4 Mio. Euro. „Das Geld kommt aus unseren Rücklagen. Ein Tierhalter, der seinen Bestand bei uns gemeldet hat, hat einen Anspruch darauf. Die Zahlungen haben aber ein Loch in unsere Kasse gerissen“, räumt Dr. Monika Walter, Geschäftsführerin der Tierseuchenkasse MV ein. Nebeneffekt des Pestgeschehens: Wie schon bei den Seuchenzügen zuvor hat „eine größere Anzahl“ von Geflügelhaltern ihre Tiere bei der Tierseuchenkasse nachgemeldet.

Mitteldeutschland: Vor allem Puten

Verluste durch die Geflügelpest gab es bei insgesamt vier Ausbrüchen auch in Sachsen-Anhalt (20.000 Puten), Sachsen (9.000 Gänse) und Thüringen (etwa 100 Hühner und Enten). Genauso oft brach die Seuche in Brandenburg aus, davon dreimal in Putenhaltungen. 59.000 Tiere wurden notgetötet. In Schleswig-Holstein wurde bei 434 Wildvögeln Geflügelpest nachgewiesen – in keinem anderen Bundesland waren es mehr (MV etwa 50 Tiere). Dagegen blieben die Verluste bei sechs Ausbrüchen in Nutzgeflügelbeständen – alle 2020 – mit unter 10.000 Tieren deutlich unter denen in Mecklenburg-Vorpommern.

Niedersachsen: Auswirkungen „katastrophal“

Ganz anders in Niedersachsen. In dem Küstenland wurden seit dem vorigen Herbst 27 Geflügelpestausbrüche festgestellt und über 350.000 Tiere gekeult. Vor allem in der Weser-Ems-Region seien die Auswirkungen der Pest „katastrophal“, schätzt die Landwirtschaftskammer ein. Mehr als zwanzigmal brach die Krankheit in Putenmastbetrieben in den Landkreisen Oldenburg, Cloppenburg, Vechta und Cuxhafen aus. Seit zwei Wochen wurden hier keine neuen Fälle gemeldet. Das Risiko, dass sich das Geflügelpestvirus in Wasservogelpopulationen ausbreitet und in Geflügelhaltungen eingetragen wird, schätzt das Friedrich-Loeffler-Institut dennoch unvermindert hoch ein. „Besserung ist erst in Sicht, wenn es deutlich wärmer, sonniger und trockener wird“, sagt Sprecherin Elke Reinking.


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