Landesbauernverband: Gründungsversammlung in Kyritz (c) Archiv Bauernzeitung

Alles Gute: Landesbauernverband Brandenburg wird 30

Am 22. Februar 1991, also auf den Tag genau vor 30 Jahren, schlossen sich in Kyritz der Bauernverband und der Genossenschaftsverband der LPG zum Landesbauernverband Brandenburg e. V. (LBV) zusammen. Im Gespräch mit dem ersten Präsidenten des LBV Heinz-Dieter Nieschke erfuhren wir brisante Details.

Das Gespräch führte Wolfgang Herklotz

Am 22. Februar 1991, also vor genau 30 Jahren, wurde in Kyritz der Landesbauernverband Brandenburg gegründet. Welche Erinnerung haben Sie an diesen Tag?
Zunächst eine wenig erfreuliche. Ich war auf dem Weg nach Kyritz, landete dann auf dem Berliner Ring im Stau. Ein Lastkraftwagen war in Brand geraten, was eine Vollsperrung zur Folge hatte. Als ich endlich am Versammlungsort ankam, war meine Rede bereits verlesen. Ich konnte mich nur entschuldigen und dachte mir: Das fängt ja gut an!

Sie wurden dann aber dennoch zum Präsidenten gewählt. Wie kam es?
Ich hatte mich zur Diskussion gemeldet und meine Argumente für das Zusammengehen von Genossenschaftsverband und Bauernverband noch mal frei vorgetragen. Das fand offensichtlich Zuspruch.

Wie war Ihnen bei der Bekanntgabe des Wahlergebnisses zumute? Konnten Sie sich freuen oder gab es doch erste Bedenken angesichts der immensen Aufgaben, die anstanden?
Ich hatte mich damit bereits sehr ausgiebig beschäftigt, ehe ich mich für die Kandidatur entschied. Dass dann das Ergebnis so ausfiel …. Ich habe mich gefreut, keine Frage.

Wenn Sie an Ihre aktive Zeit als Präsident des Brandenburger Landesbauernverbandes zurückdenken: Was war Ihnen damals besonders wichtig?
Mir ging es darum, die richtigen Mitstreiter zu finden. Es gab zwar reichlich kompetente Landwirte, oft an der Spitze von landwirtschaftlichen Produktivgenossenschaften. Aber viele hatten genug damit zu tun, ihren Betrieb über die Nachwende-Wirren zu bringen. Sich obendrein noch für einen Verband zu engagieren war damals nicht selbstverständlich. Es gab also viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Mein wichtigstes Argument war: Wir müssen die LPG-Zeit mit Anstand zu einem guten Ende bringen und etwas Neues aufbauen. Wir haben dazu gute Voraussetzungen, aber eines muss klar sein: Das Eigentum ist das A und O!

Zu dieser Zeit war das nicht so selbstverständlich.
Unsere Genossenschaften bewirtschafteten zwar große Flächen, die jedoch von den Mitgliedern eingebracht worden waren, oftmals unter Zwang. Nun sollten die Eigentümer wieder frei darüber entscheiden dürfen. Es war ihr gutes Recht, die Flächen und den eingebrachten Bestand an Tieren, Technik und Gebäuden zurückzubekommen. Das alles musste sauber geklärt werden, das LPG-Anpassungsgesetz gab den Rahmen dafür.

Die Umwandlung sorgte noch jahrelang für Diskussion, ja harte Auseinandersetzungen. Gab es Momente, wo Sie sich wünschten, weniger Verantwortung zu haben?
Nein, obwohl die Schlagzeilen mancher Medien für böses Blut sorgten. Immer wieder war von „roten Baronen“ die Rede war, die Landeinbringer über den Tisch gezogen hätten. Zweifellos gab es Probleme bei der Vermögensauseinandersetzung, aber solche Pauschalverurteilungen gingen an der Realität vorbei. Wir mussten uns als Verband dieser Diskussion offensiv stellen, die nicht einfach war. Aber es gelang uns immer besser, weil wir mittlerweile viele Mitstreiter im Verband und auch Verbündete hatten. Unser gemeinsames Ziel war es, die ostdeutschen Strukturen zu erhalten und wettbewerbsfähig zu machen.

Was aber auch heute noch immer umstritten ist.
Für uns war nach der Wende endlich die Gelegenheit, andere Länder westlich der Elbe zu bereisen und uns mit den Berufskollegen auszutauschen. Ich vergesse nie meine Reise nach England, wo mir ein Landwirt seine Höchstertragskonzeption erklärte. Als Insulaner habe er keine Chance, als jeden Quadratmeter Boden intensiv zu nutzen, meinte er. Und gab zu, dass er die ostdeutschen Betriebe schon beneide. „Ihr habt aufgrund der großen Flächen bessere Voraussetzungen, deshalb glaubt denen nicht, die euch kleinbäuerliche Strukturen schmackhaft machen wollen!“

Immerhin, die ostdeutsche Landwirtschaft hat sich mit ihrer Vielfalt an Betriebsformen und -größen in all den Jahren behaupten können …
… zweifellos auch ein gehöriges Verdienst berufsständischer Interessenvertretung.

Leider ist die Anzahl der Beschäftigten seit der Wende immens zurückgegangen. Die Zahl der Betriebe blieb zwar annähernd stabil, doch angesichts der katastrophalen Preise für Milch und Fleisch steigen immer mehr aus der Tierhaltung aus.
Das ist ein Dilemma, da kann man nicht drumherum reden. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass das mit Mechanismen der Marktwirtschaft zu tun hat. Überangebot drückt die Preise, da werden auch Hilferufe an die Politik kaum was bewirken. Aber diese hat eine Verantwortung dafür, die erforderlichen Rahmenbedingungen zu sichern, dass die Landwirtschaft und damit der ländliche Raum erhalten bleibt. Und darauf muss der Bauernverband sehr genau achten.

Was wünschen Sie dem Landesbauernverband für die nächsten Jahre?
Dass er weiterhin eine lebendige, streitbare Interessenvertretung bleibt. Und auf den engen Schulterschluss mit den anderen Landesbauernverbänden und dem Deutschen Bauernverband achtet. Denn Einigkeit macht stark! Eine Binsenweisheit, aber aktueller denn je!


Das vollständige Interview können Sie auf den Brandenburgseiten in der nächsten Ausgabe der Bauernzeitung lesen. Das beste Geschenk hat sich der Landesbauernverband übrigens selbst gemacht: eine neue Webseite. Herzlichen Glückwunsch!

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