HD Forest Germany ist eine Tochtergesellschaft der HedeDanmark a/s, einem dänischen Unternehmen mit über 150 Jahren Erfahrung in der Waldbewirtschaftung und Landschaftspflege. (c) HD Forest Germany

Interview HD Forest Germany: Beratung von Waldbesitzern

Die Tochtergesellschaft eines dänischen Unternehmens hat sich in Brandenburg der Beratung von Waldbesitzern verschrieben.

Von Wolfgang Herklotz

Ihr Unternehmen, die HD Forest Germany, gehört zu den Ausstellern, die erstmals auf Brandenburgs Landwirtschaftsausstellung in Paaren präsent waren. Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?

Martin Bösselmann: Durchaus, denn es war unser Anliegen, mit Waldbesitzern ins Gespräch zu kommen und Kontakte zu knüpfen. Die Ausstellung in Paaren bot dafür einen guten Rahmen. Bei unseren Gesprächen konnten wir eine große Aufgeschlossenheit, ja Neugier feststellen. Es ging dabei vor allem um solche Themen wie die Auswahl geeigneter Baumarten, den Klimaschutz und die Förderung für Baumpflanzungen.

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Beratung: Nachhaltige Nutzung von natürlichen Ressourcen

Woraus resultiert das Interesse Ihres in Dänemark angesiedelten Unternehmens an Brandenburg?

Unsere Hauptgesellschaft, die Heidegesellschaft, ist schon seit vielen Jahren in Nordostdeutschland aktiv, primär im Holzhandel. Wir haben festgestellt, dass sich die Forstverwaltung in Brandenburg aus der Betreuung des Privatwaldes zurückzieht. Deshalb nutzen wir die Chance, unsere Erfahrungen zur Verfügung zu stellen. Der Fokus liegt dabei auf der nachhaltigen Nutzung von natürlichen Ressourcen. Dass es daran ein Interesse in Brandenburg gibt, zeigte eine von uns vorher erstellte Analyse.

Martin Bösselmann
Abteilungsleiter und Regionsverantwortlicher des in Eberswalde ansässigen Teams (c) HD Forest Germany

Diese Beratung hat aber doch sicherlich ihren Preis?

Natürlich. Unsere übergeordnete Stiftung „Hedeselskabet“ reinvestiert einen Teil des Gewinnes in Forschung und Entwicklung zur nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen, um unseren Kunden neueste Technologien und Erkenntnisse zur Verfügung stellen zu können. Unsere Stiftung arbeitet auch im Garten- und Landschaftsbau und Naturschutz, auch hier entwickeln wir neue Technologien und Leistungen.

Begeben Sie sich dadurch nicht in Konkurrenz zu hiesigen Anbietern, aber auch Verbänden?

Wir konkurrieren mit anderen Anbietern, aber das belebt ja bekanntlich das Geschäft. Wenn dem Waldbesitzer eine größere Auswahl an Angeboten zur Verfügung steht, kann er sich für die beste Offerte entscheiden. Mit Verbänden wie dem Waldbauernverband oder dem Waldbesitzerverband konkurrieren wir aber nicht. Es handelt sich dabei um Interessenvertretungen, mit denen es gemeinsame Schnittmengen gibt, so bei der nachhaltigen Nutzung von Holz und einer an den Klimawandel angepassten Waldnutzung. Ich sehe, dass es künftig sogar zu einer Kooperation kommen kann.

Wo liegt der Fokus bei Ihren Angeboten?

Uns geht es um eine sehr individuelle Beratung. Um eine intensive, langfristige Beziehung aufbau0en zu können, wollen wir zunächst herausfinden, welche Ansätze der Waldbesitzer hat. Um welche Forstflächen in seinem Eigentum handelt es sich? Was hat er damit vor? Wenn das klar ist, erarbeiten wir dann eine maßgeschneiderte Konzeption. Es wird ein Wirtschaftsplan für das Jahr aufgestellt, welche Maßnahmen innerhalb eines bestimmten Budgets möglich sind. Wir geben das aber nicht einfach vor, sondern stimmen uns mit dem Waldbesitzer ab, was zu tun ist. Unsere Devise dabei: Waldbesitz muss Spaß machen!

Waldumbau: Die Kiefer hat ihre Berechtigung

Was raten Sie Waldbesitzern, deren Flächen in Schutzgebieten liegen?

Stephan Fischer Ansprechpartner für alle Themen rund um die Waldbewirtschaftung unter HD Forest Germany (c) HD Forest Germany

Stephan Fischer: Wir betreuen einige Kunden mit Eigentum in Naturschutzgebieten. Dort gibt es klare Regeln für die Waldbewirtschaftung. Schwieriger wird es, wenn es sich um an Brüssel gemeldete FFH-Gebiete oder FFH-Lebensraumtypen handelt. Allgemein gilt, dass sich deren Zustand nicht verschlechtern darf. Aber was heißt das? Wir raten deshalb immer, als Erstes die Untere Naturschutzbehörde zu konsultieren und Informationen einzuholen, beispielsweise über die dort vorkommenden „Lebensraumtypen“.

Eine maschinelle Bodenbearbeitung und flächiges Befahren der Böden ist generell nicht zulässig, ebensowenig eine in den Mineralboden eingreifende Verwundung. Pflanzungen sind somit genehmigungs- und gegebenenfalls ausgleichspflichtig. Außerdem dürfen in FFH-Lebensraumtypen nur standortheimische Baumarten zum Einsatz kommen.

Die Roteiche gehört nicht dazu, obwohl sie mit der zunehmenden Trockenheit gut zurecht kommt. Wenn die Besonderheiten des jeweiligen Reviers klar sind, können wir dann ein individuelles Beratungsangebot erarbeiten.

Brandenburg gibt Anreize für einen Waldumbau, hin zu vitaleren Mischbeständen. Unterstützen Sie das?

Natürlich, wenn es hilft, die Risiken zu mindern. Wir geben aber zu bedenken, dass eine Förderung immer mit bestimmten Anforderungen verbunden ist. Deshalb muss sich der Waldbesitzer vorher genau überlegen, worauf er sich langfristig einlässt. Es sind immer auch die örtlichen Gegebenheiten zu beachten. Die Kiefer aus märkischen Wäldern generell zu verdammen ist der falsche Weg, denn sie hat ihre Berechtigung.

Wie viele Waldbesitzer konnten Sie bisher beraten?

Wir sind noch im Stadium der Akquise, die wir erst im November vergangenen Jahres gestartet haben. Es gibt aber bereits Vereinbarungen mit mehreren Waldbesitzern in den Landkreisen Ostprignitz-Ruppin, Barnim und Märkisch-Oderland, demnächst auch der Uckermark. Es sind auch Waldbesitzer mit kleinen Eigentumsflächen darunter, aber in der Regel umfassen diese 20 Hektar und mehr. Unsere Betreuung erstreckt sich bislang auf Flächen von insgesamt rund 700 Hektar. Unser Ziel ist es, bis 2030 mit fünf bis sechs Förstern und einer Gesamtfläche von 15.000 bis 20.000 Hektar im Land aktiv zu sein.

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