Bei Landwirtschaftshelfer Lukas Sandro Havemann in der Agrarproduktion Dedelow GmbH sind die Kühe in guten Händen. (c) Heike Mildner

Fachforum zu Ausbildungsmöglichkeiten: Begehrte Helfer

In Brandenburg öffnen sich Ausbildungsbetriebe für junge Anwärter der Helferausbildung. In der Branche gibt es einen zunehmenden Bedarf an motivierten Fachkräften.

Von Meike Mieke, Bildungsverein der Landwirtschaft Brandenburg (BVLB)

Manch Auszubildender zum Land- oder Tierwirt wäre in der Helferausbildung besser aufgehoben. So das ehrliche Fazit des Fachforums „Wie kann Helferausbildung gelingen?“, das Ende November online stattfand. Der Hintergrund: Zunehmend beklagen Betriebsleiter und Ausbilder die denkbar schlechten Voraussetzungen der jungen Bewerber für einfachste praktische Tätigkeiten und für das theoretische Verständnis von Zusammenhängen im Produktionsprozess.

Gesucht: motivierte fachkräfte

Schulabgänger mit unterdurchschnittlichem Mittlerem Schulabschluss vor allem in den Kernfächern Deutsch und Mathematik entscheiden sich oft notgedrungen und elterngetrieben für einen Beruf in der Landwirtschaft. Es fehlt jedoch das Verständnis für die längst in der Moderne angekommene Branche, die motivierte Fachkräfte mit betriebswirtschaftlichen, digitalen, kommunikativen und sozialen Kompetenzen benötigt. Das belegen die Prüfungsabschlüsse des vergangenen Jahres.

Nicht zu unterschätzen sind die Auswirkungen einer „verhauenen“ Prüfung oder einer schlechten Abschlussnote auf Motivation und Psyche der jungen Berufsanwärter. Hier könnte das Instrument der Ausbildungsverlängerung nach Paragraf 8 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) greifen. Es wird selten angewendet, könnte jedoch ein Scheitern des Auszubildenden in der Abschlussprüfung durch eine verlängerte Vorbereitungszeit verhindern.

Verstärkt setzen Betriebsleiter eines Ausbildungsbetriebes zudem auf ein mindestens einwöchiges, von einem Ausbilder begleitetes Pflichtpraktikum im Betrieb. Ohne dieses Praktikum und eine positive Einschätzung durch den Ausbilder wird kein Lehrvertrag unterschrieben. Stallluft riechen und dann entscheiden ist der bewährte Einstieg in die Branche.

Wahl einer helferausbildung

Für Jugendliche mit Aufmerksamkeitsdefizit oder diagnostizierten Lernschwierigkeiten und deren Eltern ist daher die Wahl einer Helferausbildung eine gründliche Überlegung wert. Sie holt benachteiligte Menschen mit ausgeprägten Lernschwierigkeiten da ab, wo sie stehen. Betriebsleiter und Ausbilder machen die Erfahrung, dass Landwirtschaftshelfer – einmal im Betrieb angekommen – zuverlässig Aufgaben erfüllen und dem Betrieb treu bleiben. Für den maßgeblich höheren Betreuungsbedarf der Helferanwärter im Betrieb bietet die Arbeitsagentur eine Vielzahl von Förderinstrumenten für die Teilhabe der Rehabilitanden am Arbeitsleben an. Dazu zählen:

  • Zuschüsse zur Ausbildungsvergütung behinderter/schwerbehinderter Menschen,
  • die begleitete betriebliche Ausbildung,
  • die Teilhabebegleitung,
  • technische Arbeitshilfen oder
  • unterstützte Beschäftigung und
  • das persönliche Budget.

Auskünfte hierzu erteilt der Arbeitgeberservice der Bundesagentur für Arbeit. Ansprechstellen in den regionalen Arbeitsagenturen können Auskunft darüber geben, wie der Unterstützungsbedarf des Jugendlichen eingeschätzt wird.

zunehmender bedarf an landwirtschaftshelfern

Auf den zunehmenden Bedarf der Betriebsleiter und Ausbilder, Landwirtschaftshelfer auszubilden, hat die zuständige Stelle berufliche Bildung reagiert: Ab Mitte Februar 2021 können die Ausbilder die dafür notwendige rehabilitationspädagogische Zusatzausbildung (REZA) in einem von 120 auf 80 Stunden verkürzten Lehrgang in der Landwirtschaftsschule Luisenhof des Landkreises Oberhavel erwerben. Ansprechpartnerin dort ist Gudrun Glawe, telefonisch zu erreichen unter (033 01) 601 70 45.

Die Öffnung der Ausbildungsbetriebe in Brandenburg für junge Anwärter der Helferausbildung sollte jedoch nicht von dem ursächlichen Problem ablenken: dass die Landwirtschaft als moderne, technologisch fortgeschrittene, zukunftsgewandte und naturnahe Branche mit viel Innovationsgeist in den Leitungsebenen in der Phase der Berufsorientierung nicht ausreichend wahrgenommen wird. Hier möchten und müssen wir mit geeigneten Maßnahmen ansetzen.


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