Treffen in Markee: Erzbischof Heiner Koch (mit Erntekranz) mit Vertretern des Bauernstandes: u. a. Gastgeber Sabrina und Thomas Große Rüschkamp und LandFrau Antje Schulze (l. daneben), Landtagsabgeordneter und SPD-Agrarsprecher Johannes Funke (r. daneben). (c) Fritz Fleege

Erntedank mit Erzbischof

Kurz vor Erntedank kam der Erzbischof des Bistums Berlin, Heiner Koch, nach Markee ins Havelland, um sich ein Bild von moderner Landwirtschaft zu machen und den Dialog mit der Kirche zu befördern.

Von Jutta Heise

Erst einmal wurde es symbolisch: Gemeinsam mit der gastgebenden Familie Große Rüschkamp, aus dem Westfälischen stammend, nun in Markee mit einem 1.500-ha-Betrieb ansässig, brachte Erzbischof Heiner Koch Saat von Winterweizen aus, wie unsere Altvordern von Hand. Den Bibelfesten unter den knapp zwei Dutzend Landwirten, Kommunalpolitikern und Vertretern von bäuerlichen Organisationen fällt das Gleichnis vom Sämann aus dem Evangelium ein. Auf vierfach unterschiedlichen Boden lässt dieser Samenkörner niederfallen. Dreimal gehen sie nicht auf, doch auf guter Erde gesät, bringen sie Ertrag, hundertfach … Übersetzt: Fällt das Wort Gottes auf fruchtbaren Boden und wird es auch verstanden, dann bringt es Segen, Gewinn, handfest und spirituell.

Erzbischof Heiner Koch bei der Aussaat per Hand. (c) Fritz Fleege

Zurück in der Gegenwart erläutert Landwirt Große Rüschkamp an einer modernen Gerätekombination dem Gast, wie zeitgemäße Technik ressourcenschonende Präzisionslandwirtschaft ermöglicht.

Städter haben kein Verhältnis zur landwirtschaft

Beim Talk kurz vor Erntedank auf dem Wirtschaftshof dann eine Standortbestimmung für den geistlichen Hirten, der für ein Erzbistum von 32.000 km2 – Berlin, weite Teile Brandenburgs und Vorpommern umfassend – an der Spitze von 400.000 Katholiken steht: Im Havelland wirtschaften 350 Betriebe, davon etwa die Hälfte im Haupterwerb, mit 1.600 Beschäftigten, zumeist auf schwachen Böden zwischen 45 und 20 Bodenpunkten, bei geringen Niederschlägen, getoppt durch das dritte Dürrejahr in Folge. 30 % der bewirtschafteten Fläche sind Grünland. Mit naturgegebenen Konditionen wisse der Landwirt umzugehen, doch stellten sie unter den derzeitigen politischen Rahmenbedingungen eine besondere Herausforderung dar, so Peter Kaim, ehemals Praxispartner der Bauernzeitung und seit 28 Jahren im Landkreis wirtschaftend. Insbesondere die milchviehhaltenden Betriebe, es sind noch 25, hätten bei einem seit Jahren niedrigen Milchpreis zu kämpfen. Mehr und mehr geben den Produktionszweig auf.

Ohne Technik geht es heute nicht mehr: Thomas Große Rüschkamp erklärt Heiner Koch den modernen Ackerbau.
Ohne Technik geht es heute nicht mehr: Thomas Große Rüschkamp erklärt Heiner Koch den modernen Ackerbau. (c) Fritz Fleege

Nächster Punkt: Zwar wachse die Nachfrage nach Lebensmitteln aus der Region, doch, so die einhellige Meinung, bevorzuge sie die Masse der Verbraucher lediglich in Umfragen, nicht aber bei der Entscheidung vor dem Supermarktregal.

Familie Große Rüschkamp hält mit Erzbischof Heiner Koch einen Erntekranz, hinter ihnen steht ein Mähdrescher.
Vor Erntedank: Familie Große Rüschkamp und Erzbischof Heiner Koch (M.) mit einem Erntekranz. (c) Fritz Fleege

Weiter: Mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz der Agrarwirtschaft – ein Dauerbrenner. Dass während der Corona Krise öffentlich nicht auch mal den Landwirten gedankt werde, die zuverlässig für Lebensmittelsicherheit sorgten, sei befremdlich. Auch müssten Bauern ständig „wie im Hamsterrad“ sich und ihre Wirtschaftsweise insbesondere in Gegenden erklären, in die Städter ziehen, die oft ein distanziertes oder unrealistisches Verhältnis zur Landwirtschaft hätten. Landwirte bringen Biodiversität voran: Dafür stehen in der Runde Peter Kaim und Thomas Große Rüschkamp, die engagiert an Naturschutzprojekten mitarbeiten, so an der Renaturierung von Söllen.

Ressourcenbewusster Umgang

Schließlich wandte sich Walburga Kaim, Mutter von vier Kindern, mit der Bitte an alle, angesichts der Verschwendung von Ressourcen insbesondere der jungen Generation den Wert von Lebensmitteln noch überzeugender bewusst zu machen. Resümierend äußerte Johannes Funke, MdL, Sprecher für Agrar- und Religionspolitik sowie ländliche Räume der SPD Fraktion im brandenburgischen Landtag, der das Treffen in Markee vermittelt hatte, die Hoffnung: Möge der Gast (der sich zu einem ähnlichen Gedankenaustausch bereits mit Vertretern von Bauernverbänden u. a. in Vorpommern getroffen hatte) einen frischen Input für seine Predigt zum Erntedank 2020 von diesem Abend mitnehmen. Der Erzbischof seinerseits zeigte sich volksnah und als guter Zuhörer ohne Berührungsängste, wofür er bekannt ist, hielt sich im Sachdetail zwar zurück, versicherte aber, die Sorgen der Bauern bei seiner nächsten Begegnung mit Ministerin Klöckner anzusprechen. Darauf gab es ein Erntebier: Prosit – es möge nützen!


Brandenburg: Ernte mit Bischof

Mähdrescher fahren und mit Landwirten ins Gespräch kommen: Dr. Christian Stäblein, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz war während der Ernte zu Gast bei Landesbauernpräsident Henrik Wendorff in Worin. mehr

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