Vor allem Wildschweine gelten als Überträger der Afrikanischen Schweinepest (ASP). (c) Sabine Rübensaat

Immer mehr ASP-Fälle in Westpolen

Im Westen von Polen, nur 80 Kilometer von der Lausitz entfernt, wurde bei verendeten Wildschweinen Afrikanische Schweinepest festgestellt. Das Risiko steigt: Nach nur sechs Tagen sind 20 Infektionen bestätigt.

Die Zahl nachgewiesener Fälle von Afrikanischer Schweinepest (ASP) in der an Deutschland angrenzenden Woiwodschaft Lubuskie (Lebus) steigt drastisch an. Die Oberste Veterinärbehörde Polens bestätigte die Krankheit am Dienstag bei 18 weiteren Tieren, die am Wochenende an neun Stellen in der Nähe zum ersten Fall entdeckt wurden. Alle Tiere hatten sich innerhalb des kontaminierten Gebiets und der ausgewiesenen Pufferzone befunden. Die Gesamtzahl der dort an der ASP verendeten Wildschweine ist damit seit Donnerstag voriger Woche auf 20 gestiegen.

Um das Auffinden möglicherweise weiterer erkrankter Tiere zu beschleunigen, ist Medienberichten zufolge auch die polnische Armee mit Sucheinheiten in dem Infektionsgebiet unterstützend tätig.

Afrikanische Schweinepest im Landkreis Nowosolski

Polens oberste Veterinärbehörde hatte am Dienstag einen zweiten Fall von Afrikanischer Schweinepest (ASP) bei einem Wildschwein im Landkreis Nowosolski in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kreis Wschowski bestätigt, wo am Freitag voriger Woche erstmals im Westen des Landes die Seuche nachgewiesen wurde.

Besondere Brisanz erhalten beide Fälle durch den Sprung, den die Krankheit damit in Richtung Deutschland gemacht hat: Zwischen dem bisherigen Seuchengebiet und der neuen Zone liegen rund 250 km. Zudem ist der neue Seuchenherd gerade noch 80 km von der deutsch-polnischen Grenze entfernt.

Fundort weiträumig eingezäunt

Laut Veterinärbehörde wurde das Gebiet um den ersten Fund in den letzten Tagen auf einer Länge von 36 km eingezäunt, um eine weitere Verschleppung des Virus zu unterbinden. Aktuell werde das Areal intensiv durchsucht, um weitere tote Tiere zu finden. Parallel habe man mit der Einzäunung der zweiten Zone im Nachbarkreis begonnen.

Bei einem am Donnerstag voriger Woche in der westpolnischen Woiwodschaft Lubuskie tot aufgefundenen Wildschwein war die Afrikanische Schweinepest diagnostiziert worden. Der polnische Veterinärdienst informierte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) einen Tag später, nachdem der Befund vorlag. Der Fundort liegt im Kreis Wschowski, östlich von Zielona Gora und etwa 80 Kilometer entfernt von der Grenze zu Brandenburg, in Höhe der Lausitz.

Sprunginfektion über Lebensmittel vermutet

Das BMEL steht nach eigenen Angaben im ständigem Austausch mit den polnischen Behörden und der EU-Kommission. Es weist darauf hin , dass es seit fünf Jahren ein Seuchengeschehen im Osten von Polen gibt. Bisher lagen die Ausbrüche jedoch ungefähr 250 km von dem jetzigen Fall entfernt. Brandenburgs Landestierarzt Stephan Nickisch vermutete am Freitag im rbb als Ursache für den jüngsten Fall eine Sprunginfektion, die über Lebensmittel erfolgt sein könnte. Bereits am Freitag habe es eine telefonische Abstimmung des BMEL mit allen Bundesländern über die neue Lage gegeben, berichtete der Veterinär.

Der ASP-Fund in Wschowski hat sowohl in Deutschland als auch in Polen für Aufsehen gesorgt, da das Virus damit einen gewaltigen Sprung vom bisherigen Seuchengebiet in Richtung Westen vollzogen hat. Während deutsche Fachleute nun die Gefahr einer Einschleppung deutlich steigen sehen, sind polnische Branchenvertreter auch deshalb besorgt, weil das infizierte Tier in unmittelbarer Nähe zu einem der Zentren der dortigen Schweineerzeugung gefunden worden ist.

Bisher kein ASP-Fall in Deutschland

Das Bundesministerium weist erneut auf die strikte Einhaltung von Biosicherheitsmaßnahmen in den schweinehaltenden Betrieben hin und auf die Vorgaben der Schweinehaltungshygieneverordnung. Zudem werden die Jagdausübungsberechtigten aufgefordert, verendet aufgefundene Wildschweine den jeweils zuständigen Behörden anzuzeigen, um eine entsprechende Untersuchung sicherzustellen.

Biosicherheit mit der ASP-Risikoampel prüfen

Schweinehalter in Deutschland, vor allem in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, werden aufgerufen, die Biosicherheit ihres Betriebes ständig zu überprüfen. Für einen grundlegenden Check kann die kostenlose ASP-Risikoampel der Universität Vechta genutzt werden. https://kurzelinks.de/jix1 red mit AgE (aktualisiert: 20/11/19)

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