Zeesbootregatten wie hier auf dem Bodstedter Bodden am Darß sind immer wieder ein farbenfroher Blickfang. (c) Cordula Walter

Zeesboote auf dem Bodden: Der letzte Törn

Mit großer Leidenschaft hat Martin Rurik mehrere Zeesboote aufgebaut und beim Segeln über den Bodstedter Bodden sein Wissen auf humorvolle Weise weitergegeben. Doch damit ist es – zum Leidwesen unzähliger Passagiere – jetzt vorbei.

Von Wolfgang Herklotz

Sanft gleitet „Martha“ durch das Wasser, kleine Wellen glucksen gegen den Rumpf. Wir verlassen den Hafen von Wieck und nehmen Kurs auf den Bodstedter Bodden. Nachdem er den Dieselmotor abgestellt hat, setzt Martin Rurik die braunen Segel mit dem Kürzel FZ 104, Klassifizierungszeichen für Zeesboote. Erst stellt er das Hauptsegel gegen den leicht von Südwest wehenden Wind, darauf das Vor- oder Focksegel.

Dann nimmt der bärtige, wetterfest gekleidete Mann seinen Platz im hinteren Teil des Boots, dem „Steuerloch“, ein und blinzelt in die Sonne. Diese spielt an diesem Spätsommertag noch einmal alle Trümpfe aus. Auch Rurik, Jahrgang 1979, ist gut drauf, weiß das Dutzend Passagiere auf seinem Boot zu unterhalten. Er mag es, mit ihnen zu „snacken“, sein Wissen an den Mann zu bringen, ohne zu belehren.

Martin Rurik spricht ein moderates, wohlklingendes Plattdeutsch, gibt es Nachfragen, werden diese humorvoll beantwortet. Wir absolvieren einen Schnellkurs in Sachen Segeln, lernen zwischen Backbord und Steuerbord zu unterscheiden, ebenso zwischen Luv und Lee, also der dem Wind zugewandten beziehungsweise abgewandten Seite. Vor allem aber erfahren wir, was das Besondere des Zeesbootes ausmacht. Der Name geht auf die „Zeese“ zurück, wie die Fischer früher ihr Fanggeschirr nannten, das quer mit dem Boot gezogen wurde.

„Aber was macht das Eigentliche am Zeesbootsegeln aus?“, fragt Rurik nach. Woher sollen wir Landratten das denn wissen? „Es bedeutet, schräg gegen den Wind zu segeln“, klärt uns der Skipper auf und deutet mit einer Handbewegung an, wie sich das Boot dabei neigen kann. „Dann nimmst du richtig Fahrt auf, bis zu neun Knoten und mehr.“ Was etwa 17 Stundenkilometern entspricht. Doch was geschieht, wenn plötzlich ein Unwetter aufzieht? Unser Skipper gibt die Geschichte von der Wasserhose zum Besten, die plötzlich mal nur wenige Meter neben ihm auftauchte. Dramatik pur? „Nö“, beschwichtigt Rurik. „War aber ´ne ziemlich nasse Angelegenheit!“

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Zeesboote auf dem Bodden: Frühe Leidenschaft für Boote

Eine Seefahrt, die ist (nicht immer) lustig, eine Seefahrt, die ist lang! Nun, unser Törn mit ihm währt nur anderthalb Stunden und kommt uns ohnehin äußerst kurzweilig vor. Als wir wieder im Hafen anlegen, lädt Rurik zur „Krötenwanderung“ ein. Scheine landen in seinem Brustbeutel, von den Passagieren gern entrichtet, denn die informative, gesellige Passage über den Bodden ist zweifellos ihr Geld wert. Unzählige Male war der Skipper in den vergangenen Jahren mit seinen Gästen unterwegs, unzählige Male wiederholte sich das Ritual.

Doch nun ist Schluss. Unwiderruflich, versichert Rurik. „Es trägt sich nicht mehr“, begründet er mit knappen Worten. Corona, der Krieg gegen die Ukraine, aber auch manch irrwitzige Entscheidung der Politik hätten die Menschen mehr als verunsichert. Die Konsequenz: weniger Besucher in der Region, die umso mehr ihr Geld zurückhielten. Rurik spricht das aus, ohne verbittert zu wirken. Dabei hätte er allen Grund dazu! Frühzeitig schon war sein Interesse an Booten geweckt worden. Sein Vater habe ihm mal ein kleines Spielzeugboot aus Rinde geschenkt, erinnert sich der 44-Jährige. „Mit dem war ich stundenlang in den Prielen unterwegs, als Kapitän, Steuermann und was noch alles. Meist kam ich klitschnass nach Hause.“

Rurik ging bei einem Bootsbauer in die Lehre, lernte es, Eichenplanken im Wasserdampf zu formen und zum Rumpf zusammenzusetzen. Dabei waren Geschick und Schnelligkeit gefragt, denn die nach dem Erhitzen biegsamen Hölzer gehen schnell wieder in ihre Ausgangslage zurück, wenn sie abkühlen. „Man kann da schon die eine oder andere Überraschung erleben“, erinnert sich Rurik schmunzelnd und erzählt, dass mal die als Arretierung an den Planken angebrachten Zwingen mit lautem Geräusch abfielen: „Stück für Stück, wie beim Domino!“

Das erwartet Sie weiter in diesem Artikel der Ausgabe 42/2023 Seite 50-51:

  • Handwerkskunst Zeesboot
  • Aufträge bis zum Mittelmeer
  • Tradition lebt weiter
Ausgabe 42/23
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