Der Turm des Wasserschlosses war bis vor Kurzem der markanteste Gebäudeteil der Ruine – hier ein Foto vom Sommer des vergangenen Jahres. (c) Sylvia Kölbel

Mechelgrüner Mühle: Glück zu!

Im sächsischen Dorf Mechelgrün mit rund 600 Einwohnern hat sich der ortsansässige Heimatverein ein sehr ehrgeiziges Ziel gesetzt: Er möchte eine alte Mühle retten. Eine Mammutaufgabe.

Von Sylvia Kölbel

Die Obere Mühle in Mechelgrün, rund zehn Kilometer von Plauen entfernt, ist als einzige von ursprünglich drei Mühlen noch erhalten, allerdings in einem baulich schlechten Zustand. Eine tragende Außenmauer neigt sich bedenklich, das Dach ist undicht, Wasser dringt ein – in diesem Zustand übernahm der ortsansässige Heimatverein das Gebäude vor zwei Jahren. Geplant ist die Schaffung eines kulturellen Zentrums im Ort mit Museum, Vereins- und Veranstaltungsräumen.

Helmut Zengerling, Ortschronist und Mitglied des Mechelgrüner Heimatvereins (c) Sylvia Kölbel

Nach einer ersten Inaugenscheinnahme kamen Mühlenfachleute zu der Erkenntnis, dass die Mühlentechnik gerettet werden kann und sagten ihre Unterstützung bei dem Vorhaben zu. „Sowohl die Transmissionen als auch das Mahlwerk sind noch vollständig erhalten und beweglich“, so Helmut Zengerling vom Heimatverein. Den Bücherfund auf dem Dachboden wollen die Ehrenamtlichen einer Prüfung durch einen Fachmann unterziehen, um festzustellen, welche der Fundstücke sich für das künftige Museum eignen. Zwischen den vergilbten Buchseiten befand sich neben vierblättrigen Kleeblättern auch ein hundert Jahre alter Geldschein mit dem Aufdruck „Reichsbanknote Zehn Mark“.

Auch das Inventar unterziehen Fachleute hinsichtlich der Eignung als Ausstellungsstücke für das Museum einer Prüfung. Teil einer Dauerausstellung sollen historische landwirtschaftliche Geräte werden, die die Vereinsmitglieder schon gesichert haben.

Eines der ältesten Gebäude im Ort

Die Mühle ist dem Heimatverein wichtig, weil sie mit einer Ersterwähnung 1622 eines der wenigen noch erhaltenen historisch bedeutsamen Gebäude des Ortes ist. Zudem liegt das Objekt strategisch günstig mitten im Dorfzentrum, gegenüber der Festscheune und dem Wasserschloss. Von Letzterem ist nur noch eine Ruine übrig geblieben und der vorgelagerte Schlossteich, von dem aus einst das Rad der Oberen Mühle sein Wasser erhielt. Fernziel des Vereins wäre es, ein originalgetreues Mühlrad anzubringen. Überliefert ist, dass der letzte Besitzer die Mühle noch bis zu seinem Eintritt ins Rentenalter 1975 betrieb. In der Mühle verarbeitete er vor allem Getreide zu Schrot und Kleie für Futterzwecke. Zu dieser Zeit hatte das Mühlrad schon lange ausgedient. Nach dem Zweiten Weltkrieg trieb vornehmlich ein Elektromotor die Mühle an. Das Holzrad kam nur noch zum Einsatz, wenn der Strom ausfiel.

Mechelgrüner Mühle: Schwierige Finanzierung

Soweit, so gut, doch die Sanierung ist eine Mammutaufgabe. Der Kauf der denkmalgeschützten Mühle 2019 war der erste und vielleicht kleinste Schritt im Vergleich zu den Aufgaben, die noch vor dem Verein liegen. Denn ersten Kostenschätzungen zufolge sind mindestens 350.000 Euro für die wichtigsten Sanierungsmaßnahmen notwendig. Doch um Geld für die eigentlichen Arbeiten zu generieren, benötigt der Verein eine Planung. Diese allein kostet schon rund 20.000 Euro. Erst mit diesen Papieren in der Hand können die Vereinsmitglieder Fördermittelanträge stellen. Der Verein hofft auf Unterstützung aus dem Leader-Programm der Europäischen Union, das speziell für die Entwicklung des ländlichen Raumes konzipiert wurde. Im günstigsten Falle betragen die Zuschüsse 90 Prozent. Doch soweit ist der Verein noch nicht.

Spendenaufkommen muss weiterwachsen

Um die 20.000 Euro für die Planung aufzutreiben, gehen die Mechelgrüner verschiedene Wege. Viel verspricht sich Ortschronist Helmut Zengerling von der Internetplattform betterplace.org, die nach eigenen Angaben die größte Spendensammel-Plattform im Internet ist. Um dort überhaupt gelistet zu werden, mussten die Akteure selbst gesammelte Spenden in Höhe von 250 Euro vorweisen. Diese Hürde nahm das Projekt mühelos. 650 Euro standen nach kurzer Zeit auf der Habenseite. Das war im Dezember. Seitdem ging es doch nicht so zügig voran, wie erhofft. Helmut Zengerling hat deshalb im Internet weiter die Werbetrommel gerührt, nachdem in den letzten Wochen 13 Spenden in einer Höhe von etwas über 1.000 Euro eingegangen sind. Das erste gesteckte Nahziel liegt aber bei 5.000 Euro. Diese Summe benötigt der Verein, um die erste Rate für die Planung bezahlen zu können.

Und die kommt indes gut voran. Zengerling geht davon aus, dass schon bald erste bildliche Darstellungen der sanierten Mühle präsentiert werden können. Das Spendenaufkommen blieb, wie der Ortschronist einräumt, bisher hinter den Erwartungen zurück. Das Spendenprojekt der Mechelgrüner Mühle soll deshalb weiter wachsen. Die mit Corona verbundenen Einschränkungen sind beim Vorankommen nicht gerade hilfreich. „Es fehlen die persönlichen Kontakte“, beklagt der Vereinssprecher, der zugleich das Spendenprojekt im Internet betreut.

Um möglichst viele Menschen auf das Vorhaben aufmerksam zu machen, laufen verschiedene Aktionen parallel. Die 44 Mitglieder kümmern sich unter anderem persönlich, weitere Sponsoren und Fördermittel zu generieren. Jeder hat dafür eigene Ideen. „Robin Riedel zum Beispiel, er ist erst 16 Jahre alt, kümmert sich um die Veröffentlichung auf Instagram. Mit seinem Vater, Stefan Riedel, haben wir einen Spezialisten, der für den Internetauftritt des Vereins zuständig ist“, berichtet Helmut Zengerling.

„Glück zu“
Dieser traditionelle Müllergruß hat seinen Ursprung in einer Zeit, als die Gesellen noch auf Wanderschaft gingen. Sie sollten das Glück von Mühle zu Mühle tragen. Kamen sie an einer neuen Mühle an, so begrüßten die Lehrlinge die Müllermeister mit „Glück zu“ und baten damit um Arbeit. Der „Glückwunsch“ sollte dabei die Mühle vor Unwetter, Missernte, Bränden und sonstigen unvorhersehbaren Katastrophen beschützen. Als Abschiedsformel galt er dem Gesellen auf seiner teils unsicheren Wanderschaft. Das erklärt der Verbund aus sächsischen Mühlen und Bäckereien auf seiner Internetseite.

Entrümpeln fürs Vereinszimmer

Nicht nur das Spendensammeln gestaltet sich in Zeiten mit vielen Einschränkungen schwierig. Auch die Arbeiten vor Ort, welche die Vereinsmitglieder selbst erledigen können, kommen momentan nicht voran. Voriges Jahr nutzten die Mühlenretter die Zeit, um in Eigenleistung aufzuräumen und mit Notsicherungsmaßnahmen das Gebäude vor dem weiteren Verfall zu bewahren. Für die Notsicherung standen Spendengelder zur Verfügung.

Diese Arbeiten sind aber längst noch nicht abgeschlossen. Noch immer sind die beiden Dächer des Haupt- und des Nebengebäudes undicht. Vom Holzwurm geschädigte Bauteile muss eine Fachfirma austauschen. Bei einem weiteren Arbeitseinsatz, der sobald wie möglich erfolgen soll, stehen weiteres Entrümpeln und Reinigen auf dem Plan. „Außerdem wollen wir zwei Zimmer soweit herrichten, dass sich die Vereinsmitglieder oder auch Handwerker darin aufhalten können“, nennt Helmut Zengerling die nächsten Ziele.


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