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Landfrauen: Gemeinschaft leben

Anlässlich des Internationalen Frauentages sprachen wir mit Petra Bentkämper, der Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes.

Bauernzeitung: Frau Bentkämper, welche Bedeutung hat der Internationale Frauentag für Sie?

Bentkämper: Seit fast 100 Jahren setzt dieser Tag ein wichtiges Zeichen. Zum einen bringen wir damit die Wertschätzung für unsere Vorkämpferinnen zum Ausdruck, zum anderen tragen wir die Verantwortung, auf die heutigen Missstände hinzuweisen. Für mich steht dieser Tag vor allem dafür, um auf die noch immer vorhandene Diskriminierung von Frauen aufmerksam zu machen, auch über den Tellerrand zu schauen und den Kampf für Frauenrechte global zu sehen. So ist der Deutsche LandFrauenverband zum Beispiel in Ghana sehr aktiv, um dort die Frauen im ländlichen Raum zu stärken.


Zur Person

Petra Bentkämper Jahrgang 1961, ist seit 2019 Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes (dlv). Ihre Wurzeln hat sie im Westfälisch-Lippischen LandFrauenverband, war dort Beisitzerin und Vizepräsidentin. Seit 2015 ist sie Mitglied im Bundesvorstand des LandFrauenverbandes und seit 2019 seine Präsidentin. Petra Bentkämper wohnt in Bielefeld, ist verheiratet und hat vier Kinder. 


Wo sehen Sie in unserem Land Nachholebedarf in Sachen Gleichberechtigung?

Frauen machen 50 Prozent der Bevölkerung aus. Das spiegelt sich in der paritätischen Besetzung von Parteien oder anderen gesellschaftlichen Bereichen aber nicht wider. Vor allem auch in landwirtschaftlichen Gremien ist es unglaublich schwer, Männerdomänen zu durchbrechen. Das haben wir gerade in Westfalen erlebt, wo es nicht gelungen ist, eine Frau an die Spitze des Bauernverbandes zu wählen. Vor 20 Jahren war ich übrigens noch der Meinung, dass Frauen, die etwas können und vorankommen wollen, das auch schaffen. Doch die Erfahrungen haben gezeigt, dass dem nicht so ist. Ich bin eine glühende Verfechterin von Frauenquoten. 

Sie sind seit Juli 2019 Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes. Waren Sie seither auch in Landesverbänden oder -vereinen der ostdeutschen Bundesländer?

Eine enge Verbindung zu meinen Mitgliedern zu schaffen, ist mir sehr wichtig, egal in welcher Region Deutschlands. Im letzten Jahr habe ich anlässlich der Erntekronenüberreichung an unseren Bundespräsidenten den Landfrauenverband Havelland besucht und bin dort intensiv mit den Frauen ins Gespräch gekommen. In diesem Jahr werde ich am 6. Juni mit den Landfrauen in Sachsen-Anhalt deren 30-jähriges Gründungsjubiläum feiern und am 19. September in Erfurt beim Thüringer Landfrauentag dabei sein.

Welche Unterschiede gibt es in der Vereinsarbeit in Ost und West? 

Grundsätzlich sehe ich nicht viele Unterschiede. Doch die Landfrauenverbände in den östlichen Bundesländern haben eine jüngere Geschichte, sind anders gewachsen. Der Anspruch, dass ländlicher Raum auch lebendig bleibt, ist hier besonders ausgeprägt. Gemeinschaft leben und Traditionen bewahren, das ist für sie ein ganz wichtiges Anliegen. Ich denke da vor allem an den Wettbewerb um die schönste Erntekone, den es so in den westdeutschen Ländern nicht gibt. Hinzu kommt, dass die Abwanderung vieler Frauen nach der Wende einschneidende Spuren in der Altersstruktur hinterlassen hat. Frauen für eine ehrenamtliche Vereinsarbeit und das Landleben zu begeistern, ist daher eine besondere Herausforderung. Hilfe dafür war und ist das bundsweite Projekt „Junge Landfrauen“, das viele junge Landfrauenguppen aus der Taufe gehoben hat.

Welchen Stellenwert haben die ostdeutschen Landfrauen in der Verbandsarbeit?

Sie sind die größten Frauenverbände im Osten Deutschlands und von großer Wichtigkeit. Ich schätze ihr Engagement sehr. Sie sind aktiv, überparteilich, unkonventionell unterwegs, leisten eine hervorragende Arbeit und sind mit einer Vielzahl von Projekten in der Öffentlichkeit präsent. Sie öffnen ihre Höfe und Gärten, sorgen für gesundes Frühstück in Kindergärten, kümmern sich um Weiterbildung und Qualifizierung um nur einige Beispiel zu nennen. Und ich halte es für richtig und wichtig, dass Projekte gefördert werden. Denn allein aus Mitgliedsbeiträgen ist die Vereinsarbeit nicht zu stemmen, da die Mitgliederzahlen unter dem Bundesdurchschnitt liegen. Zudem begrüßen wir als Deutscher LandFrauenverband das kürzlich verabschiedete Gesetz zur Errichtung der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt. Von dieser Stiftung erwarten wir eine Stärkung vor allem für strukturschwache und ländliche Regionen.


„Frauen für eine ehrenamtliche Vereinsarbeit und das Landleben zu begeistern, ist eine besondere Herausforderung.“

Petra Bentkämper

Dennoch – auf Veranstaltungen habe ich manchmal das Gefühl, dass die ostdeutschen Landfrauen zwar anwesend sind, aber nicht kraftvoll genug in Erscheinung treten.

Das habe ich so noch nicht beobachtet. In der aktiven Verbandsund Vereinsarbeit sehe ich einen vielfältigen Erfahrungsaustausch zwischen Ost und West, und ich freue mich, dass sich Landfrauen über Grenzen hinweg vernetzen und sich austauschen. Beim diesjährigen Bäuerinnenforum der Internationalen Grünen Woche haben sich die ostdeutschen Landfrauen stark in der Diskussion beteiligt. Auch bei unserer im vergangenen Jahr gestarteten LandFrauen-Studie werden wir sie bei den anstehenden Einzelinterviews einbinden und befragen.

Die Landwirtschaft steht gesellschaftlich in der Kritik. Was können Landfrauen tun, um den Konflikt zu entschärfen?

Sie tun dafür allein schon auf regionaler Ebene tagtäglich eine ganze Menge. Ich denke da zum Beispiel an Hofläden, Gästezimmer oder Aktionen wie „pumps@bauernhof“ oder „Landwirtschaft für kleine Hände“, wo es einen regen und engen Austausch zwischen Erzeugern und Verbrauchern gibt. Und auf politischer Ebene braucht es eine partnerschaftliche Interessenverteilung, die noch nicht überall gegeben ist. „Lasst uns nicht übereinander, sondern miteinander reden“ darf keine Phrase sein, sondern muss gelebt werden. Und Frauen müssen in diesem Prozess mit in der ersten Reihe stehen und Flagge zeigen. Und wir lassen nicht locker, das zu erreichen. 

Woraus schöpfen Sie persönlich Kraft für Ihren Job?

Ich bin sehr viel unterwegs und da ist es für mich jedes Mal ein Hochgefühl, nach Hause zu fahren und bei der Familie zu sein. Das gibt unendlich viel Kraft.

Wie werden Sie den Frauentag verbingen, gibt es einen Kaffeeklatsch mit Landfrauen oder ein Wochenende mit Ihren drei Töchtern?

Weder noch. Mein Mann und ich haben seit Langem ein Wochenende mit Freunden im Sauerland geplant. Allesamt sind Landwirte. Ich freue mich auf das jährliche Treffen. Der Austausch und das Miteinander sind mir sehr wichtig.

Das Gespräch führte Bärbel Arlt

Extrawissen
Der Deutsche LandFrauenverband wurde am 20. Oktober 1948 gegründet und vertritt die Interessen aller Frauen die auf dem Lande leben. Sein Ziel ist, die Lebensqualität, die Arbeitsbedingungen und die gesellschaftliche Teilhabe im ländlichen Raum zu verbessern. Ihm gehören aktuell 500.000 Mitglieder, 12.000 Ortsvereine, 22 Landesverbände an. In Ostdeutschland sind es 6.100 Mitglieder, 306 Ortsvereine und sechs Landesverbände. 

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