Im Hofladen der Dörnthaler Ölmühle verkauft Inhaberin Christl Braun kalt gepresstes Leinöl sowie andere Öle und regionale Produkte. (c) Sabine Rübensaat

Kassler, Klitscher, Kaltgepresstes

Ein Blick auf die Speisekarte der Braunmühle im erzgebirgischen Dörnthal macht Appetit auf regionale Gerichte mit kuriosen Namen.

Von Wolfgang Herklotz

Probiere ich den Buttermilchgetzen oder lieber den Müllerlatsch? Ich kann mich nicht entscheiden und brauche Hilfe. Beim ersten Gericht, klärt mich Gunter Braun auf, handelt es sich um eine Spezialität aus dem Erzgebirge, die schon seit vielen Generationen auf dem Speiseplan steht. „Weil sie überaus schmackhaft ist und auch sehr Hungrige sattmacht!“

Doch die Zubereitung, erfahre ich, ist gar nicht so einfach. Denn die gekochten und geriebenen Kartoffeln werden mit Buttermilch zu einer schlotzigen (Fachbegriff für Kenner!) Masse verrührt und mit Salz, Kümmel und etwas Knoblauch gewürzt, ehe sie in den Backofen geschoben werden. Wenn sie richtig knusprig braun sind, werden sie entnommen und wahlweise mit Speck, Apfelmus oder Heidelbeeren serviert.

Die Kunst besteht darin, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, wenn der Getzen aus dem Ofen muss, verrät Braun. „Es kann passieren, dass er zu kross wird oder zusammensackt. So etwas bieten wir aber unseren Gästen natürlich nicht an.“ Da habe ich keine Bedenken, entscheide mich dann aber doch lieber für den Müllerlatsch. Hinter dieser saloppen Bezeichnung verbirgt sich Kassler im Klitscherteigmantel mit Sauerkraut. Als Klitscher werden im Erzgebirge die in Leinöl gebratenen Kartoffelpuffer bezeichnet.

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Geschichte reicht bis ins Mittelalter

Diese harmonieren ganz wunderbar mit dem gepökelten Schweinefleisch, stelle ich sofort fest, und nehme auch den dazu gereichten Salat mit Gurken und Tomaten dankbar an. „Gute Entscheidung“, meint Gunter Braun, „der Müllerlatsch ist auch mein persönlicher Favorit!“ Das will schon etwas heißen, schließlich ist Braun Inhaber der gleichnamigen Mühle in Dörnthal, einem Ortsteil der Stadt Olbernhau im Erzgebirgskreis.

Wir sitzen am Holzbackofen, der eine behagliche Wärme ausstrahlt und in den ein weiteres Blech mit Buttermilchgetzen geschoben wird. Die Mühle wurde schon von Großvater Gustav Braun betrieben, erfahren wir. Doch die Geschichte reicht weit bis ins Mittelalter zu-rück, weil bereits im Januar 1559 ein gewisser Valentin Erler das Gut mitsamt Mühle für 850 Gulden er-warb. Sie blieb jedoch lange Zeit ungenutzt und wurde schließlich nach dem Bau einer neuen Mühle abgerissen.

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