Ackerbau in Iowa

04.10.2018

Maiskolben und Sojafeld

Mais und Soja ©David Benzin

Der Bundesstaat Iowa. Hier dreht sich fast alles um eins: Landwirtschaft. Außer dieser gibt es nicht viel, für das dieser Landstrich in der Nähe der Metropole Chicago bekannt ist.

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Wir sind auf dem Weg, um uns die Landwirtschaft in den USA genauer anzusehen. Und das geht nirgendwo besser, als auf den zahlreichen Farmen, die sich hier und da inmitten der riesigen Maisfelder am Horizont abzeichnen.  Nachdem wir von einem der wenigen Highways, also den ländlichen Fernstraßen, abbiegen und einer kleineren Landstraße sowie einer Schotterpiste folgen, erreichen wir die Farm MaxAg.

Hoher Ertrag trotz Monokultur


» Bild links: Ben Blair von der MaxAg Farm. ©David Benzin

Beim Erreichen der Farm erwartet uns bereits Ben Blair. Er ist bei MaxAg für den Bereich Precision Farming verantwortlich. Die Farm wird als Unternehmenszusammenschluss von vier Familien geführt. Als Ben vor fünf Jahren anfing für das Unternehmen zu arbeiten, war er Maschinenführer. Tätigkeiten wie die Aussaat oder der Pflanzenschutz gehörten zu seinen Aufgaben. Da er sich schon damals stark für die aufkommenden Precision-Farming-Technologien interessierte und sie auf der Farm anwendete, betreut er diesen Bereich nun administrativ bei MaxAg. Auf einer Fläche von 7.200 acre, was rund 2.900 ha entspricht, werden landwirtschaftlich genutzt. Aufgeteilt ist die Fläche auf 54 Teilschläge. Es werden Körnermais und Soja angebaut. Dabei nimmt der Mais den Löwenanteil in der Fruchtfolge ein. Und das wird auch deutlich, als wir einen Blick auf die arrondierten Felder werfen. Bereits seit sechs Jahren wird auf 90 % der Flächen Mais nach Mais angebaut. Mais ist selbstverträglich, daher ist diese Anbauhäufigkeit möglich, jedoch ist der Schädlingsdruck enorm, wie Blair berichtet. Ändern werden sie an der Fruchtfolgegestaltung allerdings nichts, da dieses System in seinen Augen trotzdem funktioniert. Jedoch wurden in diesem Jahr zum ersten Mal Kartoffeln angebaut. Diese Kultur ist sehr untypisch für Iowa, aber sie soll die Fruchtfolge weiter auflockern.

Bei Mais erreicht die Farm einen durchschnittlichen Ertrag von 237 bushel per acre. Das entspricht  etwa 16 t/ha.  Gedüngt wird mittels eines Scheiben-
injektors und einem Behälter für Flüssigdünger. Ein Grubberschar zieht zuerst eine Furche, danach wird der Dünger direkt auf den Boden appliziert und sofort eingearbeitet. Zudem wird die Erde mit einem Striegel angekratzt und sofort wieder angewalzt.

Datenmanagement spart Kosten ein


Auch Softwarelösungen sind für die MaxAg-Farm kein Neuland mehr. Bereits seit drei Jahren wird ein Datenmanagement-Programm genutzt. Das System namens FieldView ermöglicht es, die gewonnenen Daten aus den Bereichen Mähdrusch, Aussaat und weiteren Arbeiten auf einer Online-Plattform zu bündeln. Die erhobenen Daten wie z. B. der Ertrag werden dann genutzt, um bei der Direktsaat Kosten für das Saatgut einzusparen. Verschiedene Zielerträge, Saatgutkosten und Marktpreise fließen auch in das Portal ein, und Ben Blair erhält so Vorschläge zu Sorte, Aussaatstärke und Weiterem. Auch Satelliten- und Klimadaten fließen in das System mit ein. So wird auf frucht­bareren Teilen des Ackers mehr Saatgut ausgebracht, auf nicht so guten Stellen weniger. Innerhalb der letzten drei Jahre konnte die Farm somit ihre Erträge um etwa 10 % steigern und zudem Kosten senken. Letzteres ist für Ben Blair weitaus wichtiger, als den Ertrag immer weiter zu steigern. Der Return-on-invest als betriebswirtschaftliche Kennzahl ist die Entscheidungsgrundlage für amerikanische Farmer. Sie sagt aus, wie viel Gewinn aus dem Umsatz erzielt wird. Uns wird klar: Diese Farm ist vor allem ein Wirtschaftsunternehmen.

Betriebsspiegel

MaxAg

» Lage: nahe Maxwell, Iowa

» Klima: gemäßigt warm, 840 mm Jahresniederschlag, 9,9 °C im Jahresmittel

» Anbaukulturen: Körnermais, Soja, Kartoffeln (testweise) Ackerfläche: 7.200 acre (ent-spricht rund 2.900 ha)

» Maschinenausstattung: Selbstfahrspritze, 2 Mähdrescher, Direktsaatmaschine und Düngeausbringtechnik, Traktoren


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Eine Familie, zwei Farmen


» Bild links: Vor den Hochsilos: Sohn Tyler Lively; Doug Lively und seine Frau Nancy (v.l.). ©David Benzin

Etwas weiter im Zentrum von Iowa liegt die Farm von Familie Lively. Doug und Nancy Lively bewirtschaften am Rande der Stadt State Center ihren Familienbetrieb mit ca. 900 acre (rund 360 ha) Ackerfläche. Zudem werden im Westen des Bundesstaats weitere 160 acres von der Familie bewirtschaftet. Dieser Teil der Farm gehört Nancy Lively. Im Anbau befinden sich ebenfalls Soja und Mais. Die Fruchtfolge gestaltet sich allerdings abwechslungsreicher. Ein Fruchtwechsel der beiden Kulturen erfolgt jährlich, sodass der Boden mehr Gelegenheit hat, sich vom humuszehrenden Mais zu erholen. Auf dem kleineren Teil der Farm wird jedoch Mais nach Mais angebaut. Die Aussaat von Soja und Mais erfolgt amerikatypisch im Direktsaatverfahren. Ein großer Teil der Fläche befindet sich im Eigenbesitz, erklärt Doug Lively. Bei Bodenpreisen von umgerechnet 17.000 bis 22.000 €/ha ist das ein klarer Vorteil für Familie Lively. Denn die Pachtpreise sind mit 600 bis 800 €/ha kaum erschwinglich. Etwa 15 % der Flächen pachten sie dennoch dazu. Die Lage der einzelnen Schläge ist zerstreut, da es schwierig ist, arrondierte Flächen zu bekommen.

Sohn Tyler ist derzeit mit seinem Landwirtschaftsstudium beschäftigt. Danach wird er in die Familienfarm mit einsteigen. Vater Doug Lively begann seine berufliche Laufbahn im Gegensatz dazu nicht auf dem Traktor. Er war in jungen Jahren Trucker und fuhr große Lkw quer durchs Land. In den 1990er-Jahren hatte er die Möglichkeit, eine Farm zu kaufen, die er auch nutzte. Mit der Landwirtschaft war er aber schon immer verbunden. Heute ist sie die Leidenschaft der Livelys.

Lange Nutzungsdauer und Spezialmaschinen

» Bild rechts: Auf dem Hof der Lively Farm steht Großtechnik bereit –vom Pick-up Truck bis hin zum John Deere 8R-Traktor. ©David Benzin

Die Maschinen werden genutzt, so lange es geht. Das können dann auch 25 Jahre sein. Es wird aber auch in neue Maschinen investiert sowie in Spezialtechnik. Die Ausbringung von Kalk erfolgt z. B. mit einem selbstfahrenden Kalkstreuer.   Vor allem der geringere Kraftstoffverbrauch im Vergleich zu einem Traktor ist ein Grund für diese Investition gewesen. Der Streuer fasst 20 t Kalk und kann diesen auf einer Breite von 18 m verteilen. Auch Familie Lively versucht, die Kosten auf der Farm gering zu halten, dies geschieht jedoch auf einer anderen Ebene – nicht durch viel Datennutzung, sondern durch die hohe Auslastung der Technik. Familie Lively zeichnet aber noch etwas anderes aus – sie haben ein eigenes Traktorpulling-Team. Mit ihrem 10.000 PS starken „Bank Robber“, der seine Kraft aus vier V8-Motoren holt, nehmen sie erfolgreich an Pulling-Events in mehreren Bundesstaaten teil. Seit 2011 konnten sie bereits 42 Titel holen. Wow! Respekt, Familie Lively.

Betriebsspiegel

Lively Farm

» Lage: State Center, Iowa

» Klima: gemäßigt warm, 840 mm Jahresniederschlag, 9,9 °C im Jahresmittel

» Anbaukulturen: Mais, Soja Ackerfläche: insgesamt 1.300 acre (entspricht rund 500 ha)

» Maschinenausstattung: 2 Traktoren, Truck, Mähdrescher, Kalkstreuer, Sätechnik, Überladewagen


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