Wie von Geisterhand

10.06.2015

© WERKBILDER

Mit der elektronischen Deichsel kann die Flächenproduktivität eines Fahrers verdoppelt werden.

Bildergalerie: Wie von Geisterhand

Im vergangenen Jahr hat der Fahrzeughersteller Daimler den Future Truck 2025 auf einem gesperrten Autobahnabschnitt bei Magdeburg fahren lassen. Laut Daimler war es „die weltweit erste autonome Lkw-Fahrt“. Dieses Jahr hat Daimler im US-Bundesstaat Nevada die Zulassung für zwei Lkw bekommen, die autonom auf den Straßen fahren dürfen. Wenn man das liest, scheint es auch nicht abwegig, dass demnächst autonom fahrende Traktoren über die Felder ackern, denn die müssen nicht überholende Autos, die Straße überquerende Fußgänger, einen drohenden Stau oder einen Verkehrsunfall berücksichtigen.

Es ist noch gar nicht lange her, dass die ersten GPS-Spurführungssysteme mit Lichtbalken, den sogenannten Mäusekinos, auf den Markt kamen. Dabei musste man noch selber lenken. Die Systeme entwickelten sich weiter über die Lenkhilfen, bei denen das Fahrzeug selbstständig parallel zur letzten Spur fährt und der Fahrer nur noch den Wendevorgang am Feldende durchführen muss, bis hin zu den vollautomatischen RTK-Systemen, bei denen dank Vorgewendemanagement der Fahrer hauptsächlich eine überwachende Funktion hat. Sie sind in größeren Betrieben heute schon häufig im Einsatz, da man durch die deutliche Verringerung der Überlappungen vor allem Betriebsmittel, Arbeitszeit und Maschinenkosten einspart. Besonders bei Tätigkeiten mit großer Arbeitsbreite wie Spritzen, Düngen, Mähdrusch und Bodenbearbeitung sind die Effekte groß. Gleichzeitig wird der Fahrer entlastet.

Die Maschinen nehmen den Fahrern immer mehr Aufgaben ab. Bei der Getreideernte z. B. verbessert das Synchronlauf-System Machine Sync von John Deere die Erntelogistik. Der Fahrer eines Gespannes mit Überladewagen sieht den Füllstand des Korntanks bei den verschiedenen Mähdreschern, die sich auf dem Feld befinden. Er kann dann zu dem Mähdrescher, bei dem der Füllstand des Korntanks am höchsten ist, fahren. Dort übernimmt der Fahrer des Mähdreschers per Knopfdruck die Kontrolle über die Fahrgeschwindigkeit und Lenkung des Traktor-Anhängergespanns, wodurch eine reibungslose Entladung während der Fahrt bei gleichbleibender Erntegeschwindigkeit möglich ist.

Einen Schritt weiter geht das amerikanische Unternehmen Kinze mit mehreren autonomen Überladewagengespannen für mehrere Mähdrescher auf einem Feld. Der Fahrer eines vollen Mähdreschers fordert einen Überladewagen an. Daraufhin fährt das sich am nächsten befindende Gespann zum Mähdrescher, und der automatische Überladevorgang kann beginnen. Anschließend geht es autonom weiter zum am Feldrand stehenden Lkw. Das System wurde letzten Herbst erfolgreich getestet.

Die Landmaschinenkonzerne arbeiten am autonomen Traktor. Die elektronische Deichsel GuideConnect von Fendt z. B. ist ein Zwischenschritt auf dem Weg zur vollautonomen Landmaschine. Dabei werden zwei Traktoren über RTK-GPS-Satellitennavigation und Funk (WLAN und Bluetooth) zu einer Einheit verbunden, sodass eines der beiden Fahrzeuge unbemannt den gleichen Arbeitsprozess erledigen kann. Da ein Fahrer in einem der beiden Traktoren sitzt, hat er die Kontrolle über das unbemannte Fahrzeug, solange es sich in seinem Sichtfeld befindet. Das System verdoppelt die Arbeitsbreite pro Fahrer und Stunde. Potenzial zur Verringerung von Bodenverdichtungen besteht, wenn zwei kleinere Traktoren oder Erntemaschinen die Arbeit von einem großen Fahrzeug übernehmen. Anders als ein vollautonomes Fahrzeug, das normalerweise auf teure Sensoren und komplizierte Algorithmen angewiesen ist, könnte dank der elektronischen Deichsel der autonome Traktor, der dem Führungsfahrzeug mit Fahrer in der Parallelspur folgt, in ferner Zukunft in Europa Realität werden.

Das Fendt-Xpert-DynAgri-System vom niederländischen Unternehmen Probotic ist eine Zusatzausrüstung für Traktoren der Fendt-Vario-Serie. Es greift tief in die bestehende Traktorelektronik ein und ist mit verschiedensten Sensoren ausgerüstet, damit der Traktor autonom fahren und sicher arbeiten kann. Das System Autonomous Fendt Xpert-orchards für Obstbaubetriebe fährt vorher abgefahrene und gespeicherte Routen autonom ab.

Es verwendet eine einfach zu bedienende, patentierte Lernund Wiedergabetechnik. Um das System zu programmieren, drückt man die Teach-Taste und beginnt die Arbeit, z. B. Mähen und Spritzen. Das System speichert jede Aktion (Lenkung, Beschleunigung, Mähen, Spritzen) mehrmals pro Sekunde. Das System soll Hunderte von Routen speichern können. Zum Starten des autonomen Fahrens fährt man anschließend zum Startpunkt und drückt den „Go“-Knopf. Das Fahrzeug fährt die gleiche Route nun mit den gleichen Aktionen ab.

Beim System Autonomous Fendt Xpertagriculture wird zum Programmieren ebenfalls die Teach-Taste gedrückt. Zum Erfassen der Feldgrenze wird nun der Schlag einmal umrundet. Danach werden die Hauptarbeitsrichtung (AB-Linie), die Arbeitsbreite und die Größe des Vorgewendes sowie die dort notwendigen Aktionen wie Dreipunkthydraulik senken oder heben bzw. Zapfwelle ein- und ausschalten eingegeben. Das System führt anschließend automatisch alle Arbeitsschritte durch. Nach Unternehmensangaben laufen derzeit verschiedenste Fendt-Modelle wie 209P Vario, 516 Vario und 936 Vario mit dem System.

Vor zwei Jahren haben wir den autonomen Traktorprototyp Spirit vorgestellt. Terry Anderson aus North Dakota wollte damals schon mit seiner Firma Autonome Tractor Corporation (ATC) 25 Stück produzieren. Das spartanisch aufgebaute Gefährt hatte weder eine Kabine, noch ein Getriebe oder Räder, sondern einen dieselelektrischen Antrieb mit Kettenlaufwerk. Das sollte die Kosten für den 400 PS starken autonomen Traktor niedrig halten. Der Spirit scheint nicht ganz den Bedürfnissen der Farmer entsprochen zu haben, denn nun präsentiert Anderson mit Autodrive einen Bausatz, der es möglich machen soll, Standardschlepper autonom fahren zu lassen. Die Navigation im Gelände erfolgt wie beim Spirit auch nicht durch GPS-Signale, sondern durch ein eigenes LRNS-System, das bis auf wenige Zentimeter genau sein soll. Das System kommt aus dem Militärbereich und arbeitet mit Laser- und Funkstationen am Feldrand. Zusammen mit der Software Fieldsmart sollen alle Feldarbeiten möglich sein. Ein Sicherheitspaket mit verschiedensten Sensoren lässt den Traktor bei unbekannten Hindernissen und Problemen sofort stoppen und benachrichtigt den Landwirt per SMS. Wie bei den Fendt-Xpert-Produkten müssen die mit Autodrive-Bausatz ausgerüsteten Traktoren für den autonomen Einsatz erst angelernt werden. Farmer in den USA sollen die Beta-Version des Bausatzes für 30 000 $ erwerben können.

Termine

Keine Veranstaltungen
Zu Ihrer Auswahl konnten leider keine Veranstaltungen gefunden werden.

ANZEIGE

ANZEIGE

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr