Start-ups auf dem Land

06.11.2018

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Junges Land Logo ©Bauernzeitung

Haben innovative Ideen in der Dorfidylle  eine Zukunft und wie attraktiv ist das Land für junge Gründer? Fragen, die auf der Fachtagung „Durchstarten im ländlichen Raum – Chancen für Start-ups“ beim Forum ländlicher Raum – Netzwerk Brandenburg von Projektleitern, Regionalmanagern und Wirtschaftsförderern vorgestellt und kontrovers diskutiert wurden.

 

Dabei wurde deutlich, dass Start-up-Ideen im ländlichen Raum durchaus auf fruchtbaren Boden fallen. Das liegt einmal an den Förderprogrammen, die u. a. von der Landesinvestitionsbank und der Wirtschaftsförderung des Landes Brandenburg für Existenzgründer angeboten werden. Zum anderen sind auch in den einzelnen Regionen selbst Strategien für die Anwerbung und Ansiedlung von Gründungsbetrieben vorhanden – wenn auch mit unterschiedlichen Herangehensweisen. „Neben Gründungen, die aus Hochschulen und Wissenschaft sowie gewerblichen- und Handwerksbetrieben heraus resultieren, zeigt sich seit Jahren ein zunehmender Trend von Gründungen Kreativschaffender auf dem Land und von unkonventionellen Vorhaben mit neuartigen Ideen“, sagt Dorothea Angel vom Forum ländlicher Raum am Seddiner See.

 

Es gilt, Hürden zu überwinden

Aber so einfach, wie es klingt, ist es dann doch nicht. Denn finanzielle Hilfen und auch Beratungsangebote allein reichen nicht aus, um Start-ups aufs Land zu ziehen. Hürden sind vor allem fehlende Infrastruktur und dabei besonders die digitale. Hinzu kommen die schwierigere Fachkräfteakquise, fehlende Erzieher, Lehrer, Ärzte. Dabei bleibt der Speckgürtel großer Städte wie Berlin jedoch mal ausgeklammert., wie das Beispiel Uckermark zeigt:

 

Die Region mit ihrer traumhaften Landschaft zieht zwar Touristen in ihren Bann, doch junge Gründer stehen nicht unbedingt Schlange. Was tun? Der Landkreis setzt, auch wenn es die Willkommensagentur nicht mehr gibt, weiter auf eine ausgeprägte Willkommenskultur, wirbt mit Entschleunigung, will abgewanderte Jugendliche als potenzielle Gründer zurückholen. Regionale Berufsbildungsangebote sollen stärker in den Fokus gerückt und Bildungsangebote für Neuzugewanderte koordiniert werden. Sehr wichtig sei es auch, so Landkreis-Amtsleiterin Britt Stordeur, dass junge Menschen nicht mehr in der Arbeitslosigkeit münden. Hoffnungsschimmer am uckermärkischen Horizont sind viele Anfragen möglicher Existenzgründer aus Polen dank grenzüberschreitender Marketingaktivitäten.

 

Anders die Lausitz – die setzt vor allem auf Studenten. Immerhin gibt es 230.000 Studenten in der Region in nahezu allen Fachrichtungen. So kooperieren Unternehmen eng mit der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus. Und in Nähe der Hochschule entsteht ein Gründerzentrum. Zudem sollen mit Start-up-Meetings gestandene Unternehmen mit den jungen Wilden zusammengebracht werden, so Michael Schulz, Geschäftsführer der Wirtschaftsinitiative Lausitz. Und ein Existenzgründerwettbewerb habe seit 2004 über 1.000 Arbeitsplätze geschaffen.

 

„Verdien Dein Geld am Arsch der Welt“

Mit dem Slogan „Verdien Dein Geld am Arsch der Welt“ spricht das Projekt „Lokalhelden Gründerwerkstätten“ des Vereins Wertewandel ganz klar junge Gründer an. Die Zielgruppe ist zwischen 18 und 35 Jahren alt und ihr soll die Selbstständigkeit im ostdeutschen ländlichen Raum schmackhaft gemacht werden. „Sie müssen noch keine fertige Idee haben, keine großartige Unternehmensbiografie, aber den Willen, auf dem Land zu leben und dort etwas Eigenständiges gründen zu wollen“, so Martin Kuder, Vorstandsvorsitzender des Vereins Wertewandel. Dabei setzt die Gründerwerkstatt ausschließlich auf kleine Orte fernab der Metropolen und gezielt auf zeitgeistgerechte Themen wie ländlicher Tourismus, Ökoagrarmanagement, erneuerbare Energien, Nachhaltigkeit, Naturschutz, Regional- und Dorfentwicklung. Aktuell gefördert werden 31 Projekte zwischen Rügen und Thüringen. Finanziert werden die Lokalhelden von der Schweizer Drosos Stiftung. Die jungen Gründer bekommen ein Stipendium, werden beraten, gecoacht und ausgebildet. Sehr wichtig für die Umsetzung und den Erfolg der Projekte seien, so Martin Kuder, vor allem aber auch Netzwerke und die Akzeptanz bei der heimischen Bevölkerung.

 

Deutschlands Start-up-Szene

»Die meisten Start-ups gibt es in Nordrhein-Westfalen (19 %), gefolgt von Berlin (15,8 %) Baden-Württemberg (12,6) und Bayern (12,3). Die neuen Bundesländer machen mit 10,5 % einen relativ kleinen Anteil aus.

»Die meisten dieser jungen Unternehmen arbeiten in der Informations- und Kommunikationstechnologie (31,6 %), gefolgt von der Nahrungsmittelbranche/Konsumgüter (8,5 %), Medizin- und Gesundheitswesen sowie Automobile/Logistik/Verkehr (5,2 %).

»Gründer arbeiten im Schnitt 56 Stunden pro Woche. Ihre Mitarbeiterzahl hat sich im Vergleich zu 2017 erhöht und beträgt nun durchschnittlich 12,3 Personen.

»80,4 % der Start-ups haben sich teilweise aus eigenen Ersparnissen finanziert. Rund jedes dritte Start-up finanzierte sich durch staatliche Fördermittel (35,2 %) bzw. Kapital von Familie oder Freunden (31,3 %).

»Die Internet-Geschwindigkeit spielt für 62 % der DSM-Start-ups eine entscheidende Rolle bei der Standortwahl. Für über 90 % hat die neue Datenschutzgrundverordnung GVO Einfluss auf die Geschäftstätigkeit.

»Der DSM 2018 repräsentiert 1.550 Start-ups, 3.763 Gründerinnen und Gründer, 17.647 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ist damit die repräsentativste Studie zu Start-ups in Deutschland.

 

Infos: deutscherstartupmonitor.de

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