© Sabine Rübensaat

Gemüseanbau in Mecklenburg-Vorpommern: Aaron Göpper

“Ich habe den Traum, Arbeit und Leben miteinander verschmelzen zu lassen.“ Ein echt starker Satz, der aus dem Mund dieses Mitzwanzigers, Gründers und Gärtners Aaron Göpper überrascht. Der junge Mann steht in seiner grünen Schürze inmitten jungen Gemüses. Gerade ist er dabei, die ersten Früchte seiner Arbeit stolz zu sortieren. Begründet hat er sein Gartenreich in einem Gewächshaus in der Großgemeinde Fünfseen im Herzen der Mecklenburgischen Seenplatte.

Von Ralph Schipke

30 Sorten Tomaten

Aaron Göpper
Aaron Göpper in einem seiner Gewächshäuser. © Ralph Schipke

Teile dieser Gartenbau-Anlage der ehemaligen LPG Satow-Kogel aus den 1970er-Jahren wurden zwar noch als GmbH in die Marktwirtschaft herübergerettet. Doch inzwischen waren die Glasgewächshäuser dem Abriss geweiht, da der vorherige Gärtner in den Ruhestand ging, ohne einen Nachfolger gefunden zu haben.

„Das wäre einfach verschwunden, weil keiner da war, der in dieser schönen Gegend etwas Neues starten wollte“, sagt Aaron Göpper. Deshalb griff der Wahl-Mecklenburger zu. Eigentlich wollte er mit nur 300 Quadratmetern seine gärtnerischen Ambitionen ausleben. Doch dann übernahm er fast die zehnfache Fläche. Seit diesem Frühjahr setzt Aaron Göpper genau seinen Traum so zielstrebig wie radikal um. Um ihn herum reiften in diesem Sommer 30 Sorten Tomaten, teils aus altem Saatgut. Jeweils sechs Pflanzen hat er angezogen. „So kann ich im Winter samenfestes Saatgut gewinnen“, sagt Göpper.

Die Gärtnerei sei ein Paradies für ihn. Hier müsse er nicht im Kopf trennen, ob er auf Arbeit oder in der Freizeit sei. „Dort, wo ich tagtäglich bin, soll es so toll und schön wie möglich sein“, freut sich der Mann mit blonder Strubbelmähne und Bart, seinen Lebensplatz gefunden zu haben.

Göpper, in Süddeutschland geboren, ist überzeugt, vermeintliche Nachteile von Mecklenburg-Vorpommern als Gründer in Chancen ummünzen zu können: „Hier gibt es viele Möglichkeiten und eine wunderbare Natur. Paradiesische Voraussetzungen, etwas Neues zu schaffen!“ Sein altes, neu bestelltes Gewächshaus ist der Beweis dafür. Hier züchtet er in seiner ersten Saison Kartoffeln, Paprika, Lauch, bunten und Schnittmangold, sechs Sorten Erbsen, fünf Sorten Zucchini, zig Bohnen- und Kürbissorten, Mais, Rote Bete, Spinat und wilde Salate. Auf die sei die Gastronomie ganz scharf. Dazwischen wuchsen im Sommer Blumen und Zuckermelonen für die Vermarktung in Gutshausküchen und umliegenden Landgasthöfen.

entspannt zur Gärtnerei

Nach seinem Abitur ging er auf eine Art Wanderschaft, bekam ein Buch über essbare Wildpflanzen in die Finger. „Da habe ich gecheckt, dass Löwenzahn oder Brennnessel, Sachen, die uns gratis umgeben, essbar und sogar noch gesünder sind, als biologisch angebautes Gemüse.“

So wurde sein Interesse an naturbelassenem Gartenbau geweckt. Er begann, Lebensmittel zu kochen und zu konservieren. „Eine Leidenschaft, Sachen selber zu machen, die wohl in mir steckte, war geweckt.“ In einer Berliner Gärtnerei und Hofgemeinschaft konnte Aaron erste Erfahrungen mit der Verschmelzung von Leben und Arbeiten sammeln. „Unter ganz einfachen Bedingungen haben wir 100 Menschen der Großstadt mit Gemüse versorgt“, berichtet er von seiner Begegnung mit der „solidarischen Landwirtschaft“ mit Marktverkauf und Edelgastronomie-Belieferung. Das war zwar keine Ausbildung im klassischen Sinne. „Aber ich habe sehr viel gelernt, was ich jetzt hier anwende.“

Die Förderung der Artenvielfalt liegt ihm am Herzen und ist Bestandteil seiner Art naturnahen Gärtnerns. „Wenn ich keine Spritzmittel benutze, muss ich Gegenspieler schaffen“, erklärt Göpper seine Herangehensweise. Seine Gurken hätten zwar Spinnmilben angezogen. Aber die wurden in Schach gehalten. „Es war immer jemand da, der die Schädlinge gefressen hat“, berichtet er. Bei seinen Experimenten erlebte er Irrtümer und Erfolge: „Meine Pflanzen gedeihen, Gurken und Tomaten schmecken!“

Partner in der Region

In seiner ersten Saison stimmte alles: Der ausgeruhte Boden der brachliegenden Gärtnerei und reichlich Sonne sorgten ohne Chemie in seinem Gartenreich für randvolle Gemüsekisten. Selbst die in die Jahre gekommene Bewässerung seines Glashauses leistete noch gute Dienste.

Sein reichlich herangewachsenes Gemüse vermarktet er direkt. Bereits nach kurzer Zeit beliefert er mehrere Gastronomen. Der Gärtnerei-Gründer kooperiert mit der Regionalvermarktungsinitiative Meck-Schweizer (Bauernzeitung 37/2018), die vom 50 km entfernten Gessin aus per Internet regionale Produzenten, Verarbeiter, Händler und Gastronomen vernetzt. Außerdem bringt sich der Gärtner vom Satower Eulenberg in das in Malchow gegründete Unternehmernetzwerk Seenplatte ein, wo er neue Abnehmer und Partner vor der Haustür findet.

Was er nicht frisch verkauft, wird zu Sugo (Soße) verarbeitet oder im eigenen Lehmofen mit der Restwärme vom Brotbacken getrocknet. „Schöner ist es natürlich, das Gemüse kommt frisch in den Mund“, schwärmt er und nascht eine kleine, gelbe Cocktailkugel direkt vom Strauch.

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