Kommentar zum Heft 11/2019

Als Miteigentümer ins Aus gedrängt

Liebe Leserinnen und Leser,

stellen Sie sich vor, Sie leben in einer Stadt, wie drei Viertel aller Deutschen. Sie haben noch nie Kontakt zur Landwirtschaft gehabt. Alles, was Sie darüber wissen, stammt aus der Schule und den Medien. Sind die Bauern in Ihren Augen die Guten, die Sie mit sicheren, umwelt- und tiergerechten Lebensmitteln versorgen? Womöglich haben Sie andere Bilder im Kopf? Als Konsument kennen Sie einerseits die glücklichen Tiere auf der grünen Weide und blühende Landschaften von den Lebensmittelverpackungen und aus der Werbung. Zeitschriften und Sendungen, die das idyllische Landleben thematisieren, festigen Ihren Wunsch nach der heilen Agrarwelt. Sendungen wie „Bauer sucht Frau“ ergänzen das Bild vom „schlauen“ Bauern. Oder vielleicht verbinden Sie mit Landwirtschaft gequälte Tiere, nitratverseuchtes Wasser, glyphosatbelastete Lebensmittel, Massentierhaltung und Monokulturen statt vielfältiger Ökosysteme? Die Agrarprodukte sind eine Gefahr für Ihre Gesundheit und eine Bedrohung für die Umwelt!

Wir Landwirte wissen, dass beide Bilder nicht die alltägliche Landwirtschaft darstellen. Trotzdem ist unser Ansehen ruiniert. Der landwirtschaftsferne Bürger kann nichts für diesen Eindruck. Nur wer sich aktiv mit der Landwirtschaft auseinandersetzt, sich bewusst informiert, kann auch ein objektives Bild von unserer Branche haben. Hinzu kommt, dass für viele Journalisten schlechte Nachrichten gute Nachrichten sind. Die Medienlandschaft lebt von negativen Schlagzeilen. Geliefert werden diese, sehr professionell aufbereitet, insbesondere von Umwelt- und Tierschutzorganisationen, deren Geschäftsmodell auf möglichst vielen zahlenden Mitgliedern beruht und die deshalb reißerische Medienkampagnen als Werbungskosten verbuchen.

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Denn wo kommen die Filme auf Youtube und die Bilder in den Zeitungen her, die Tierleid oder erodierte Böden zeigen? Viele wurden sicher bei den sogenannten Schwarzen Schafen gemacht, bei denen, die sich nicht an Recht und Gesetz halten. Deshalb ist jedes „Schwarze Schaf“ eines zu viel, und die rechtschaffenen Landwirte sollten sich strikt von ihnen distanzieren. Doch auch Recht und Gesetz helfen uns Landwirten nicht bei der Herausforderung, unser Ansehen zu verbessern, denn die vorgeschriebenen Standards sind nicht mehr genug. Mit dem Überfluss an Lebensmitteln heutzutage erweitern sich die Ansprüche der Gesellschaft an die Landwirtschaft.

Die Diskussionen und Entscheidungen um die Risikothemen wie Gentechnik, Glyphosat oder die sogenannte Massentierhaltung werden nicht mehr faktenbasiert geführt, sondern sind emotionsgetrieben. Deshalb muss sich unsere Produktionsweise ändern. Womöglich sollten wir selber auch mehr auf unseren Bauch hören. Wenn jemand das Gefühl hat, dass Fotos, Videos oder Berichte von seiner Arbeit besser nicht an die Öffentlichkeit gelangen, dann sollte er sein eigenes Handeln überdenken und etwas ändern.

Die Agrarbranche muss ihre Werte und Erfolge effektiv, das heißt hauptsächlich in Bewegtbildern, kommunizieren, um ihr Ansehen zu verbessern. Dazu sind Geld, gute, wahre Geschichten und Kommunikationsexperten nötig. Da der einzelne Landwirt das nicht leisten kann, wurde auf der diesjährigen DLG-Wintertagung in Hannover eine konzertierte Aktion aller Agrarverbände von Funktionären, Wissenschaftlern, Landwirten und Agrarbloggern gefordert. Wenn alle mit ihren Möglichkeiten am Image der Landwirtschaft arbeiten, besteht Hoffnung, dass die junge Agrargeneration einen besseren Stand in der Gesellschaft hat. Mehr dazu ab Seite 44.

Herzlichst Ihr Klaus Meyer

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