Vogelgrippe

18.02.2013

 

 

Seit mehr

als drei Jahren hat es in Deutschland keinen Fall der sogenannten Vogelgrippe

mehr gegeben. Bis der Virus H5N1 nun in einem Brandenburger Entenmast-Betrieb

gefunden wurde. Bei Seelow im Oderbruch liegt das Unternehmen, im Rahmen einer

Routinekontrolle war dort eine weniger gefährliche, "nicht hoch pathogene

Variante" nachgewiesen worden, teilte das Friedrich-Loeffler-Institut auf

der Ostseeinsel Riems mit.

Die Tiere

des Unternehmens hatten keine Symptome gezeigt, doch hatte das Landeslabor

Berlin-Brandenburg im Rahmen einer Kontrolle die Infektion der Enten mit dem

Influenza- A-Virus nachgewiesen. Der Befund wurde dann am Freitagabend vom

Referenzlabor, dem Friedrich-Löffler-Institut, bestätigt. Es handele sich um

H5N1, aber nicht um die hochansteckende Variante des Virus, so das Institut.

Vogelgrippe gilt als gefährlich, da der Erreger von Tieren auch auf

Menschen übertragen werden und für diese tödlich sein kann. Wie verbreitet die

Krankheit genau ist, ist unklar. Eine Metastudie zu dem Thema

kam zu dem Ergebnis, dass in ärmeren Regionen ein bis zwei Prozent der Menschen

Kontakt mit dem Virus haben, ohne dass es zu gehäuften Krankheitsfällen kommt.

In den Jahren 2005 und 2006 kam es zu einer weltweiten Ausbreitung von H5N1 mit

mehreren Todesfällen.

Keine Gefahr

für Menschen

Für Menschen

sei der gefundene Erreger ungefährlich, sagte der Amtstierarzt von

Märkisch-Oderland. Auch das Bundeslandwirtschaftsministerium versicherte, für

die Bevölkerung bestehe keine Gefahr.

  • Das Experiment
  • Viren
  • Übertragbarkeit
  • Veröffentlichungsprozess

Das Experiment

Mit ihren Experimenten wollten Wissenschaftler um Ron

Fouchier herausfinden, ob das Vogelgrippe-Virus H5N1 das Potenzial hat,

eine Pandemie wie das Schweinegrippe-Virus H1N1 auszulösen. Die Studie

stellten die Forscher in Auszügen auf der Influenza-Konferenz in Malta im

September 2011 vor.

Die Wissenschaftler verwendeten für ihre Arbeit einen

Stamm, dem sie drei gezielte Mutationen verpassten, die dem Virus

ermöglichen sollten, sich auch in Säugetieren zu reproduzieren. Frettchen,

die mit dem mutierten Virus infiziert wurden, starben. Eine Übertragung unter

den Tieren erfolgte zunächst nicht. Die Forscher isolierten daraufhin die

Virus-Varianten der erkrankten Tiere und infizierten damit gesunde Tiere.

Sobald diese ebenfalls erkrankten, wiederholten die Forscher das Prozedere.

Zehn Wiederholungen waren erforderlich, dann war das

Virus von allein fähig, gesunde Tiere in anderen Käfigen zu infizieren – ohne

Körperkontakt zwischen ihnen, allein über Tröpfchen-Infektion durch

die Luft. Insgesamt fünf Mutationen sind laut den

Wissenschaftlern erforderlich, damit ein tödliches Virus wie das

Vogelgrippe-Virus H5N1 so ansteckend wird wie das Schweinegrippe-Virus H1N1.

Im Gegensatz zu Fouchier, manipulierten Forscher um Yoshihiro

Kawaoka den Vogelgrippe-Erreger gezielt. Sie nahmen das Oberflächenprotein

Hämagglutinin H5 des Virus und schleusten ihn in das für Menschen hoch

ansteckende Schweinegrippevirus H1N1. In Frettchen übertrug sich der neue Keim

leicht, tötete die Tiere jedoch nicht. Allerdings konnte der Erreger mit

aktuellen Impfstoffen und antiviralen Mitteln bekämpft werden

Viren

Das Schweinegrippe-Virus

(H1N1) löste im Jahr 2009 eine weltweite Pandemie aus. Doch obwohl das

Virus hoch ansteckend war, war es nur für wenige tödlich: Nur einer

unter zehntausend Infizierten starb an dem Virus.

Bei dem Virus der Vogelgrippe

(H5N1) war das genau umgekehrt: Das Virus war nicht von Mensch zu Mensch

übertragbar, weshalb nur wenige mit dem Krankheitserreger infiziert wurden.

Eine Infektion endete jedoch in mehr als der Hälfte der Fälle tödlich.

Eine Kombination der

beiden Viren galt bislang sowohl in der Natur als auch im Labor als unwahrscheinlich.

Übertragbarkeit

Frettchen gelten in

der Virologie und in der Influenza-Forschung als Modellorganismen, weil

ihr Immunsystem ähnlich auf Erreger reagiert wie das des Menschen. Ob sich die

Ergebnisse der Studie direkt auf den Menschen übertragen lassen, weiß niemand.

"Frettchen sind keine

Menschen", sagt Peter Palese, ein Influenza-Experte am Mount Sinai Medical

Center in New York City, dem New Scientist.

"H5N1 kursierte eine lange Zeit und mutierte währenddessen nicht in eine

Form, in der es von Mensch zu Mensch übertragbar gewesen wäre."

Weitere Forscher kritisieren

im Science Insider, dass das Vogelgrippevirus H5N1 keine Pandemie

unter Menschen auslösen kann, weil sich das Virus in einem menschlichen Wirt

nicht reproduzieren kann.

Andere Forscher halten es

jedoch nicht für ausgeschlossen, dass sich das Virus an den Mensch anpassen

könnte, indem es einen Zwischenwirt findet, der sowohl menschliche Viren

als auch das Vogelgrippevirus beherbergen könnten. So ein Zwischenwirt könnten

etwa ein Schwein sein.

Veröffentlichungsprozess

Wissenschaftliche

Veröffentlichungen werden der Fachwelt und der Öffentlichkeit erst zugänglich, wenn sie in

einem entsprechenden Fachmagazin veröffentlicht sind. Angedacht ist, dass die

Forscher darin – neben den Ergebnissen – offenlegen, wie sie ihre

Experimente durchgeführt haben – und zwar so detailliert, dass andere Forscher

die Experimente wiederholen können.

Für eine Veröffentlichung

müssen Wissenschaftler zunächst die Studie so verfassen, dass sie den Veröffentlichungsauflagen

des jeweiligen Fachmagazins entspricht. Nach der Einreichung wird die

Studie (anonymisiert) an andere Wissenschaftler weitergereicht, die Experten

auf dem untersuchten Themengebiet sind. Sie sollen beurteilen, ob die Studie

plausibel ist oder auszubessernde Mängel aufweist.

Erst wenn diese sogenannten Reviewer

mit der Studie einverstanden sind, kann diese veröffentlicht werden.

Sowohl die Studie von Ron

Fouchier als auch die von Yoshihiro Kawaoka wurden zur Veröffentlichung

zugelassen, schreibt das Magazin Science Insider. Das amerikanischen Gremium

für Biosicherheit (NSABB) hat die Ergebnisse begutachtet und empfiehlt, sie

nicht in voller Länge zu veröffentlichen. Es erwägt nun außerdem ein Moratorium für ähnliche Fälle.

Das NSABB wurde bisher in Einzelfällen von Wissenschaftlern oder Magazinen

darum gebeten, Studien zu begutachten, die mögliche Interessenskonflikte

beinhalten könnten.

Das

Bundesland richtete trotzdem ein Krisenzentrum ein, das die Seuchenbekämpfung

koordiniert. Der betroffene Betrieb wurde abgesperrt und im Umkreis von einem

Kilometer wurde eine Sperrzone eingerichtet. Sie gilt 21 Tage, das ist nach

Angaben der Weltgesundheitsorganisation die Inkubationszeit des Virus.

Geflügel und

Eier aus dieser Zone dürfen in dieser Zeit nicht verkauft werden, Tierhalter

müssen Katzen im Haus lassen und Hunde anleinen, Wildvögel dürfen dort nicht

gejagt werden. Tierzüchter und Halter in der Region wurden aufgefordert,

eventuelle Krankheitssymptome sofort zu melden.

14.500 Enten

getötet

In der Region

würden jetzt alle Geflügelmast-Betriebe, die Kontakt zu dem Unternehmen mit dem

Vogelgrippe-Fall hatten, epidemiologisch untersucht, sagte der Sprecher des

Landkreises. Insgesamt seien dort etwa 40 Betriebe ansässig. Die Einwohner

erhielten Merkblätter mit Anweisungen, wie sie sich innerhalb des Sperrkreises

zu verhalten haben.

Ob ein Tier

erkrankt ist, lasse sich beispielsweise an einer anomalen Kopfhaltung, Ausfluss

an Augen und Schnabel, der Verweigerung von Futter, Niesen oder an einem

stumpfen Federkleid erkennen, hieß es. Sollte jemand so etwas beobachten, sei

umgehend das zuständige Veterinäramt zu informieren.

Am Samstag

wurde damit begonnen, die 14.500 Enten des Betriebes zu töten und den Betrieb

zu desinfizieren. Die Aktion laufe unter Aufsicht von Tierärzten, sagte der

Landrat für den Landkreis Märkisch-Oderland, Gernot Schmidt. PI

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