Waldbewirtschaftung

29.10.2018

© Archiv

Mehr als bislang sollen in Thüringen wieder Pferde bei der Waldarbeit zum Einsatz kommen. Für 2018 und 2019 stellt das Land dafür jeweils 80.000 € bereit, wenn Pferderücker im Landesforst arbeiten. Unterstützt wird damit der höhere Aufwand, den der Pferdeeinsatz mit sich bringt. „Für den Waldbesitzer ergeben sich Mehraufwendungen bei der Holzernte von etwa acht bis neun Euro je Festmeter“, sagt Dr. Horst Sproßmann, der Sprecher von ThüringenForst. Dennoch will das Land mehr Pferde einsetzen und stellt zunächst in begrenztem Umfang Mittel fürs Holzrücken mit Pferden bereit. Ziel ist es, „ zu aktuellen ökonomischen und ökologischen Erkenntnissen im Zusammenhang mit dem Pferdeeinsatz zu gelangen“ – heißt es jedenfalls aus dem Agrarministerium. 

 

Zugewinn: Gutes Image

 

Forstleute und Umweltverbände wissen längst, dass der Pferdeeinsatz durchaus seine Vorteile hat. Die Vierbeiner schonen nicht nur die Waldbodenstruktur und die Bäume, die den Wald verjüngen sollen. Auch die CO2-Bilanz ist günstiger. Ebenso könnten Kleinstmengen – wie gerade jetzt beim Aufarbeiten des Schadholzes – durch Pferde kostengünstig und flexibel aus dem Wald geholt werden. 

 

Doch es steht nicht nur die eigentliche Arbeit mit den Vierbeinern im Fokus, es geht inzwischen auch ums Image. Hochmechanisierte Holzernteverfahren haben unbestritten zwar Vorteile. „Sie werden von einem Teil der Öffentlichkeit dennoch kritisch bewertet“, weiß man im Fachministe­rium. Mit dem Pferd hingegen seien „positive Emotionen verknüpft, die zu einem guten Image der Waldbewirtschaftung beitragen können“. 

 

Für Holzrücker Jens Nattermann – er ist Vorstandsmitglied der Interessengemeinschaft Zugpferde Thüringen e.V. (IGZ) – ist die aktuelle Entwicklung mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. „Es ist ein Signal in die richtige Richtung“, sagt der Fuhrmann, der sich seit Jahren dafür einsetzt, dass die Zunft der Fuhrmänner erhalten bleibt. „Und für Holzrücker ist das ein wichtiges Zubrot, um die Existenz zu sichern.“ 

 

Die Zahl der Betriebe ist überschaubar. Weniger als eine Handvoll Pferderücker arbeiten in Thüringen noch hauptberuflich, das Gros des Pferdeeinsatzes erfolgt im Nebenerwerb. Und so bewegen sich derzeit die mit Pferden gerückten Holzmengen im Jahr im niedrigen einstelligen  Prozentbereich. „ThüringenForst rückt aktuell etwa 10.000 bis 12.000 Festmeter Holz mit Pferden“, sagt Sproßmann.

 

Von Seiten des Landes kann man sich durchaus vorstellen, die Pferdearbeit noch auszubauen. Doch neben der Finanzierung des Mehraufwandes „setzt dies allerdings voraus, dass ausreichend Unternehmer bereit sind, diese gefahrgeneigte, zeitintensive und körperlich anspruchsvolle Tätigkeit auszuüben“, so das Ministe­rium. Und hinzu gehöre natürlich auch, weitere Rückepferde auszubilden und die Pflege und Unterhaltung der Tiere an 365 Tagen im Jahr zu gewährleisten. Das weiß man auch bei ThüringenForst. „Das Angebot an Forstdienstleistern, die Pferderückung anbieten, ist derzeit im Freistaat begrenzt. Insofern sind Ausschreibungen der Forstämter zur Pferderückung leider nicht beboten worden“, bedauert Sproßmann. Dennoch versuche man weiter, die zur Verfügung gestellten Finanzmittel des Jahres 2018 sachgerecht einzusetzen. Pferde waren u.a. im Siegelbachmoor des Forstamtes Finsterbergen im Einsatz. Durchforstungsmaßnahmen sind auch noch auf dem Ettersberg im Forstamt Bad Berka geplant. Rund 50 % der diesjährigen Finanzmittel sind bislang gebunden.

 

Pferd und Technik

 

Längst geht es heute nicht mehr um die Frage: Technik oder Pferd, sondern um die geschickte Kombination der Technik – wie Harvester oder Forwarder – mit der Pferdearbeit. Um das zu realisieren, wünscht sich auch Nattermann noch mehr Holzrücker. Kritisch betrachtet er, dass es in der Branche auch schon einige – wenn auch wenige – „schwarze Schafe“ gab, die Aufträge erhielten, es aber nicht schafften, diese zu erfüllen „Das geht gar nicht – wir können uns nicht kaputt machen lassen, was mühsam aufgebaut wurde.“ 30 bis 40 Festmeter Holz müsse ein Fuhrmann mit seinem Pferd am Tag schon schaffen, um eingesetzt werden zu können. Deshalb hat die IGZ die Entwicklung und auch die Fuhrleute   genau im Blick. „Mal schnell ein Pferd angeschafft, plus ein bisschen Abenteuerlust und dann Geld im Wald verdienen wollen – so läuft das nicht“, weiß Nattermann, der seit 30 Jahren hauptamtlich mit Pferden bei der Holz­ernte im Einsatz ist. „Wer das nicht leisten kann oder will, braucht gar nicht erst anzufangen. Der Forst braucht verlässliche Partner.“ 

 

Vor Jahren schob der Fuhrmann aus Springstille mit der Gemeinde die erste Landesmeisterschaft im Holzrücken mit Pferden an, die 2010 in seinem Heimatdorf stattfand. Inzwischen werden solche Wettbewerbe auch von ThüringenForst tatkräftig unterstützt.   Sie haben mit dazu beigetragen, die Waldarbeit mit Pferden wieder stärker in den Fokus zu rücken. 

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