Zuckerrüben

07.12.2012


 

 

 

Weniger ist mehr: „Wir haben in dieser Kampagne so wenig Besatz wie noch nie. Das sind wirklich Super-Werte!“, freute sich Holger Wiesner, Betriebsleiter der Zuckerfabrik Brottewitz, als vergangene Woche die Hofkommission in dem südbrandenburgischen Südzucker-Werk zusammenkam. Lediglich 2,2 % Erdbesatz weisen die gelieferten Zuckerrüben bisher im Durchschnitt auf. Mit einem Kopfanteil von durchschnittlich rund 2,8 % summiert sich der Gesamtbesatz auf gerade einmal 5,05 %. Ähnliche Werte seien auch im Zeitzer Südzuckerwerk zu verzeichnen, konnte Thomas Rothe, Geschäftsführer des Verbandes Sächsisch-Thüringischer Zuckerrübenanbauer (VSTZ) berichten. Damit liegen die beiden ostdeutschen Fabriken im Vergleich aller deutschen Südzucker-Werke deutlich an der Spitze – in anderen Regionen wird mit einem Besatz von bis zu 9 % gerechnet. Woran es liegt, zeigte ein Blick auf die Wetterkarte. „Unsere Anbauregion hatte in den vergangenen Monaten überwiegend ein starkes Niederschlagsdefizit“, erklärte Rothe. In Nord- wie in Süddeutschland hingegen fiel mehr Regen als gewöhnlich.


 

Mit innerer Qualität zufrieden


Erfreuliche Werte auch bei den Zuckergehalten: Mit Stand von Ende November lag hier Zeitz mit einem Durchschnittsgehalt von 18,9 % an der Spitze aller Südzucker-Werke. Mit 18,53 % belegte Brottewitz einen guten Platz im Mittelfeld. Hinsichtlich der Gehalte an Amino-Stickstoff, Kalium und Natrium erreicht man günstige Werte. Der Standardmelasseverlust liegt bei rund 1,3 %. „Mit der inneren Qualität sind wir zufrieden“, so der Verbandsgeschäftsführer.

Nach teils schwierigen Witterungsbedingungen im Jahresverlauf – die Aussaat erfolgte im Frühjahr bei großer Trockenheit, in der Aufgangsphase gab es Nachtfröste und im August ließ starke Hitze die Rüben leiden – nahm die Ernte im September einen guten Verlauf. Verluste müssen vor allem Thüringer und Sachsen-Anhalter Betriebe aufgrund des Feldmausbefalls hinnehmen. Rothe rechnet in betroffenen Betrieben mit ein bis zwei Tonnen Verlust pro ­Hektar infolge von Mäusefraß an den Rüben; in Einzelfällen, in denen jede fünfte Rüben beschädigt ist, mit bis zu 5 t. Dennoch liegt insgesamt gesehen der Ertrag auf gutem Niveau: Mit knapp über 69 dt/ha liegt er  im Brottewitzer Einzugsgebiet knapp unter den prognostizierten 70 dt/ha. In Zeitz rechnet man mit 66 dt/ha. Bislang sind gut zwei Drittel der Rübenmenge verarbeitet. Die Kampagne wird in Zeitz voraussichtlich am 31. Dezember, in Brottewitz am 2. Januar beendet.

Gute Erträge und hoher Zuckergehalt haben jedoch auch eine Kehrseite: Die Südzucker AG hat für diese Kampagne nur eine Menge, die 15 % der Quotenrübenmenge entspricht, als Industrierüben freigegeben. Alles, was darüber hinaus geliefert wird, wird als Zusatz-Industrierüben (Industrierüben Z) deutlich ungünstiger vergütet. Für die Rübenanbauer stellt sich die Frage, ob Mengen betriebsindividuell in das kommende Jahr übertragen werden sollen, oder ob  man es in Kauf nimmt, überschüssige Rübenmengen in diesem Jahr geringer vergütet zu bekommen. Der Verband gibt hierzu keine Empfehlung ab. Jeder Betrieb müsse für sich selbst ausrechnen, was für ihn günstiger sei. In der Regel stehen die Betriebe Übertragungen jedoch skeptisch gegenüber. Dass es zu einer generellen Übertragung seitens der Südzucker AG kommen könnte, sei möglich, so Thomas Rothe. Er rechne jedoch allenfalls damit, dass dies, wenn überhaupt, in einem sehr geringen Umfang geschehen würde.


Anbaufläche sinkt kommendes Jahr


Für das kommende Jahr hat Südzucker bereits angekündigt, wegen der zunehmend schwierigen Verwertung von Nichtquotenzucker nur noch eine Menge entsprechend 5 % der Quotenrüben als Industrierüben abzunehmen. Dies müssen die Landwirte bei ihrer Anbauplanung für Zuckerrüben einkalkulieren. Eine Reduzierung der Anbaufläche sei damit sehr wahrscheinlich, erwartet Rothe. In diesem Jahr wuchsen im Verbandsgebiet Zuckerrüben auf 29.294 ha, davon 13.857 ha in Sachsen, 8.601 in Thüringen, 6.319 in den südlichen Landkreisen Sachsen-Anhalts und 517 ha in Südbrandenburg.

Trotz insgesamt guter Qualitäten der Rüben gibt es durchaus auch Grund zur Kritik: Einzelne Partien seien stark mit Unkraut verunreinigt, das aufwändig ausgelesen werden müsse, um die Verarbeitung nicht zu beeinträchtigen, machte Werner Stohr, Leiter der Rübenabteilung in Brottewitz aufmerksam. Teilweise übersteige der Anteil an Unkrautrüben das Maß des Akzeptablen, was künftig auch zum Zurückweisen entsprechender Lieferungen führen könne. 

 

Karsten Bär

 

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