Natura 2000

11.10.2017

© Heiko Rebsch

Am vergangenen Dienstag begann landesweit die öffentliche Auslegung der Unterlagen zum größten naturschutzrechtlichen Verfahren, das in Sachsen-Anhalt bislang durchgeführt wurde. In 114 Einheits- und Verbandsgemeinden können nun alle betroffenen Bürger, Bewirtschafter, Verbände usw. die Unterlagen zur Festsetzung der Natura-2000-Gebiete einsehen und innerhalb von knapp acht Wochen  bis zum 4. Dezember 2017 ihre Vorschläge, Anregungen und Einwände einreichen. Das europäische Natura-2000-Schutzgebietsnetz besteht aus über 25 000 Schutzgebieten. 298 davon befinden sich in Sachsen-Anhalt. Darunter sind 266 Fauna-Flora-Habitat(FFH)-Gebiete und 32 Vogelschutzgebiete (SPA). Durch einen Beschluss der Landesregierung vom 29. Juli 2014 wurde das Landesverwaltungsamt beauftragt, bis Ende 2018 ein öffentliches Ausweisungsverfahren für die bisher noch nicht rechtlich gesicherten Natura-2000-Gebiete durchzuführen.


Noch vor dem öffentlichen Beteiligungsverfahren erfolgte nach Angaben des Amtes eine breit angelegte Einbeziehung von Bewirtschaftern, Verbänden der Nutzergruppen, anerkannten Naturschutzvereinen sowie Landkreisen und Kommunen. Bereits in dieser Phase konnten viele Hinweise in die Erarbeitung des Verordnungsentwurfes einfließen.


„Diese dem öffentlichen Verfahren vorgelagerte Beteiligung war dabei von entscheidender Bedeutung, denn nur durch gute Informationen und Transparenz kann dieser Prozess gelingen. Uns ist es wichtig, mit den Betroffenen in den Dialog zu gehen, denn nur durch eine gemeinsame Umsetzung mit den Nutzergruppen können wir die Ziele von Natura 2000 erreichen“, erklärte der Präsident des Landesverwaltungsamtes, Thomas Pleye, am vorigen Dienstag in Halle bei der Präsentation des Verfahrens. „Das war sehr aufwendig, aber aus unserer Sicht auch fruchtbringend und zielführend.“ Pleye wies darauf hin, dass dieses vorgelagerte Beteiligungsverfahren und die frühzeitige Einbeziehung der Öffentlichkeit rechtlich nicht vorgeschrieben seien. „Wir sind aber der Auffassung, dass dies der richtige Weg ist, um eine Akzeptanz zu erreichen“, so der Präsident weiter.


Zusätzlich zu rund 180 Terminen und Erörterungsrunden vor Ort hatte das Landesverwaltungsamt frühzeitig eine Webseite und einen Facebook-Account mit Informationen zum Natura-2000-Verfahren erstellt. Die Webseite dient der Bereitstellung von relevanten Informationen zum Verfahren und informiert transparent über die einzelnen Phasen, um eine breite Beteiligung zu gewährleisten.


In Vorbereitung des am 4. Oktober begonnenen öffentlichen Beteiligungsverfahrens wurden mehr als 2 500 Karten gedruckt. Die betroffenen Gemeinden erhielten in Abhängigkeit von der Natura-2000-Kulisse in ihrem Zuständigkeitsbereich einen bis mehrere Aktenordner samt zugehörigem Kartenmaterial zur Auslegung. Alle Informationen stehen aber auch online zur Verfügung. Stellungnahmen können ebenfalls online eingereicht werden. Das Landesverwaltungsamt rät den Einwendern zur Nutzung der bereitgestellten Online-Plattform.


Nach dem 4. Dezember beginnt die Auswertung der Stellungnahmen und die Überarbeitung des Entwurfs der entsprechenden Landesverordnung. „Wir wünschen uns eine rege Beteiligung am öffentlichen Verfahren, um so auf die Belange aller Interessengruppen eingehen zu können und damit eine möglichst große Akzeptanz für dieses wichtige europäische Projekt zu erzielen. Die große Herausforderung besteht darin, die verschiedenen Interessen, die im Beteiligungsverfahren geäußert wurden, in eine ausgewogene Entscheidung und damit in die entsprechende Verordnung fließen zu lassen“, so Thomas Pleye abschließend.


Weitere Informationen unter: http://www.natura2000-lsa.de; Beteiligung am Verfahren unter: https://www.online-beteiligung.de/natura-lsa/

 

 

 

Natura 2000
Wertvolle Lebensräume mit schützenswerten Pflanzen und Tieren
Vor mehr als 20 Jahren wurde das europaweite Schutzgebietsnetz „Natura 2000“ ins Leben gerufen, um besonders wertvolle, seltene oder gefährdete Tiere und Pflanzen in ihren natürlichen Lebensräumen zu schützen. Die EU-Mitgliedstaaten verständigten sich darauf, eine bestimmte Anzahl solcher Gebiete zu melden und zu sichern. In diesen besteht das Verschlechterungsverbot. Das heißt, dort ist ein günstiger Erhaltungszustand von schützenswerten Lebensräumen sowie Tier- und Pflanzenarten zu bewahren. Die Unterschutzstellung bedeutet nicht die Aufgabe der Nutzung der Gebiete, sondern zielt auf den Erhalt naturnah bewirtschafteter und dadurch artenreicher und vielfältiger Kulturlandschaften ab. Grundlage für die Entscheidung, welche Areale als Natura-2000-Gebiete ausgewiesen werden, sind die EU-Vogelschutzrichtlinie (SPA) und die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) der EU.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        

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