Leinkuchen als Proteinquelle gewinnt im Biobereich an Bedeutung. (c) Ulrike Weller

Proteinfutter: Leinkuchen für Bioschweine

Im Rahmen eines EIP-Projektes wurde die Eignung von hofeigenem Leinkuchen als Proteinfutter untersucht. Kann er eine Alternative zu Soja sein oder braucht er die Kombination mit anderen Eiweißpflanzen?

Von Claudia Dolsdorf, LVAT

Die wichtigsten eiweißliefernden Futterpflanzen für die Bioschweinehaltung in Deutschland sind Erbsen, Lupinen, Ackerbohnen, Raps, Sonnenblumen und Lein. Auch der Sojaanbau hat in letzter Zeit Aufwind erfahren, steckt aber noch in den Kinderschuhen. Deshalb ist ein Import in großen Mengen noch notwendig. Aber geringe Mengen am internationalen Sojamarkt lassen die Preise steigen.

Der Anbau von Erbsen und Lupinen ist auch in Brandenburg zunehmend eine Herausforderung. Verstärkt auftretende Frühsommertrockenheit führte gebietsweise zu Ernteausfällen. Durch die starken jährlichen Schwankungen im Ertrag und Verfügbarkeiten der gängigen Eiweißfutterpflanzen ist es sinnvoll, über weitere Alternativen nachzudenken und mit versuchsweisem Anbau und Einsatz zu beginnen.

Sonnenblumen- und Leinkuchen

Sonnenblumen- und Leinkuchen, als Produkte aus der Ölgewinnung, sind zunehmend im Biobereich von Bedeutung. In einem EIP-Projekt* wurde daher der Einsatz von Leinkuchen im Bioschweinefutter auf mögliche positive Mast- und Schlachtleistung geprüft und ob eine Reduktion des Sojaeinsatzes möglich ist.

Verglichen wurden drei Konzepte, die Leinkuchen in gleichen Anteilen enthalten (entsprechend der geltenden Restriktionsvorgaben). Erbsen, Lupinen und Raps sind je nach Verfügbarkeiten ergänzend in die Rationen gemischt worden. Angepasst an den sich verändernden Nährstoffbedarf der Tiere je Haltungsabschnitt fand generell eine Fütterung in Phasen statt:


  • Ferkelfutter bis 30 kg Lebendmasse (LM);
  • Vormastfutter bis 70/80 kg LM;
  • Endmastfutter bis 130 kg LM, womit der Komponenteneinsatz in den Phasen variiert.

Leinkuchen

Die Prüfung fand über einen längeren Zeitraum statt (die drei Rationen wurden also nicht zur selben Zeit geprüft). Dennoch wurden alle Futtervarianten unter gleichen Bedingungen erprobt: gleiche Haltung nach Ökostandard, Fütterungstechnik, Rassenkreuzung, Alter und Anlieferung. Eine Kontrollgruppe sollte das erreichbare Leistungsniveau der verwendeten Tiergenetik unter praxisüblichen konventionellen Bedingungen erfassen (Tab. 1).

Das Ziel war, in der Endmast auf Soja zu verzichten und über den Leinkuchen den Eiweißgehalt und das notwendige Aminosäuremuster in die Ration zu bekommen. Standortangepasst wurde in der Endmast viel Roggen eingesetzt.

Weizen als hochwertige Getreidekomponente spielte dafür vermehrt im Ferkelfutter eine Rolle. Triticale und Hafer sind als Füllkomponente zu sehen und könnten auch bei ähnlichem Nährstoffgehalt durch andere Getreidekomponenten ausgetauscht werden. Für Variante 2 waren durch Ernteausfall weder Lupinen noch Erbsen verfügbar. Entsprechende Defizite in der Bedarfsdeckung sind über einen erhöhten Sojaanteil in allen drei Phasen ausgeglichen. Gemessen am konventionellen Niveau lagen die Zunahmen der Varianten 1–3 um 200 g niedriger, die Verfettung war um 0,3–0,5 cm höher und der Fleischansatz lag um 0,5–0,9 % niedriger (Tab. 2).

Rationsvarianten und Ergebnisse

Der höhere Sojaeinsatz in der Variante 2 hat sich nur im Wachstum bezahlt gemacht, die Schlachtleistung wurde durch eine höhere Verfettung verringert. Die Aufzuchtergebnisse waren zufriedenstellend. Vergleichend hat Variante 1 einen zur Hälfte reduzierten Sojaanteil im Vormastfutter als im Ferkelfutter und Vormastfutter. Mit den besten Mastleistungen ist sie zu empfehlen. Das Minderniveau in der Aufzucht ist durch die Fütterung nicht erklärbar. Als zweitbeste Variante ist Ration 3 mit vielen einheimischen Leguminosen zu empfehlen.

FAZIT

Mit viel betriebseigenem Futter lassen sich akzeptable Leistungen in der Bioschweinemast erzielen. Leinkuchen kann daher eine gute Alternative zu Soja sein, sorgt aber nur in Kombination mit anderen Eiweißpflanzen für eine ausreichende Nährstoffversorgung. Als alleiniger Eiweißlieferant ist er nicht geeignet. Sein Wert ist mit dem des Sonnenblumenkuchens vergleichbar. Beide Produkte aus der Ölgewinnung liefern gute Eiweißmengen und können zugleich bestimmte Energiedefizite ausgleichen.


* EIP-Projekt „Optimierung der ökologischen Schweine-/Sauenhaltung in Brandenburg durch Innovation im Bereich Haltung und Fütterung“


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