Der Maisbeulenbrand führt zu Ertragseinbußen und schränkt den Futterwert des Maises deutlich ein. (c) Sabine Rübensaat

Maisbrand: Gestresster Mais treibt Beulen

Jetzt ist genau die Situation eingetreten, die der Pilz Ustilago maydis liebt, um auf Stängeln und Kolben sein Unwesen zu treiben.

Von Prof. Dr. Olaf Steinhöfel, LfULG Köllitsch

Die Sporen des Beulenbrandpilzes (Ustilago maydis), die viele Jahre im Boden ausharren können, werden aktiv, wenn die wachsende Wirtspflanze schwächelt. Leider ist das momentan vielerorts der Fall, denn der trockengestresste Mais versucht jetzt, nach dem plötzlichen hohen Wasseraufkommen, kompensatorisch zu wachsen.

Die hohen Umgebungstemperaturen, offene Spaltöffnungen, verstärkte Zuckerakkumulation im Stängel und auf dem Weg zu den Kolben sind beste Bedingungen für den parasitären Pilz.

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Maisbrand und die Folgen

In Abhängigkeit von Befallsgrad und befallenem Pflanzenteil führt der Maisbeulenbrand zunächst zu Ertragseinbußen und Einschränkungen des Futterwertes. Je 10 % Befallsgrad sinkt der Trockenmasseertrag um bis zu 20 %. Der Kolbenanteil an der Gesamtpflanze sinkt um circa zehn Prozentpunkte. Zudem ist die weitere Abreife gestört bzw. völlig ausgebremst. Der Trockenmassegehalt der Körner ist dann oft bis acht Prozentpunkte niedriger als im parallel stehenden gesunden Kolben.

Da der Pilz insbesondere leichtverfügbare Kohlenhydrate aus Stängel und Kolben zum Wachstum nutzt, sinkt bei befallenen Pflanzen der Energie-und Trockenmassegehalt und es steigt der Faser-, Protein- und Aschegehalt. In bayerischen Verdauungsversuchen an Hammeln wurde eine Reduzierung der Energiegehalte von über 1 MJ NEL/kg TM bei Befall von mehr als 50 % nachgewiesen.

Wer genau wissen will, wie der Futterwert seiner befallenen Maispflanzen ist, sollte das im Labor untersuchen lassen. Hier empfehlen die Experten, es nasschemisch zu beauftragen. Die NIRS-Kalibrationen sind dafür oft nicht validiert.

Sekundärwirkung beachten

In nahezu allen verfügbaren Publikationen wird dem Pilz keine Toxizität bescheinigt. Dies wird auch damit untermauert, dass in Südamerika junge Beulenbrandpilze als Spezialität in der Küche verehrt werden. Weder bei Wiederkäuern noch bei Monogastern sind Vergiftungsfälle nach der Aufnahme von mit Beulenbrand befallenem Mais nachgewiesen worden.

Zum Teil wurde über eine hautreizende und auch durchfallprovozierende Wirkung sowie eine Reduzierung der Futteraufnahme bei erhöhten Befallsraten berichtet. Dabei blieb oft jedoch unklar, ob sich die Wirkung auf den Brandpilz selbst oder auf Sekundärinfektionen mit Schimmelpilzen zurückzuführen ist.

Fasst man die Empfehlungen in der Literatur vorsichtig zusammen, dann soll eine Frischverfütterung von Maisganzpflanzen mit einer Befallsrate von über 20 % vermieden werden. Silage aus stark beulenbrandgeschädigtem Silomais (> 30 % Befallsrate), sollte mangels besseren Wissens an hochtragende Tiere nur eingeschränkt (max. 0,75 kg TM/100 kg Körpermasse) und an Frischmelker möglichst gar nicht verfüttert werden. Diese Einschränkung kann durchaus aufgehoben werden, wenn eine Sekundärinfektion sicher ausgeschlossen werden kann und der gezeigte Fütterungserfolg keine unerwarteten Signale sendet. Der Anteil an der TM der Gesamtration sollte 30 % in jedem Fall nicht überschreiten.

Wann sollte man ihn ernten?

Pauschalisierte Empfehlungen zum Umgang mit befallenen Maisschlägen sind kaum sinnvoll. Eine Bekämpfung und Eingrenzung des Befalls ist nicht möglich. Inwieweit eine vorzeitige Beerntung sinnvoll ist, hängt vom Reifestadium, vom Befallsgrad und von den betrieblichen Zwängen ab. Wer unbedingt den Mais über die Milchkuh veredeln muss, der sollte milchreife Bestände nur dann beernten, wenn der Befallsdruck über 20 % steigt. Die niedrigen Trockenmassegehalte (circa 25 %) und die geringe Energiedichte provozieren sonst eine zu geringe Veredlungsleistung. Hinzu kommt noch eine verstärkte Sickersaftbildung. Bei teigreifen Beständen kann bereits bei einem Befall von über 10 % geerntet werden, da hier der Futterwertzuwachs durch die weitere Reifung geringer ausfällt als der Verlust durch die Brandpilze zunimmt.

Wer die Alternative hat, Maissilage in einer Biogasanlage zu verwerten, kann bei einem Trockenmassegehalt von über 25 % in der Gesamtpflanze auch sofort ernten, da der Verlust an Gasausbeute durch den Beulenbrandbefall größer ist als der, der durch eine vorzeitige Ernte provoziert wird. Aus phytosanitärer Sicht wird von den Experten empfohlen, bei spätestens 30 % TM zu ernten, um das Aufplatzen der Brandgallen und damit eine erhöhte Sporenlast in der Erde zu mindern.

Pilzdruck verschlechtert aerobe Silagestabilität

Der Konserviererfolg von mit Beulenbrand befallenem Silomais ist auch bei hohem Befallsdruck kaum beeinträchtigt. In Silierversuchen wurden zwar höhere Gärverluste gemessen, aber keine Gärprodukte, welche den Futterwert beeinträchtigen könnten. Bei höherem Pilzdruck verschlechtert sich aber die aerobe Stabilität der Silage. Es ist damit zu rechnen, dass die belastete Silage nur halb so lange an der Luft stabil ist wie die vergleichbare Silage ohne Beulenbrand.

Bei sehr hohem Maisbeulenbrandbefall wird deshalb der Einsatz von Siliermitteln empfohlen, welche die aerobe Stabilität der Silage fördern. Es ist generell empfehlenswert, alle Maßnahmen zu berücksichtigen, welche die spätere Erwärmung der Silage zusätzlich unterstützen. Dies heißt u.a. eher kurz häckseln (4–6 mm), intensiv verdichten, eine Silierreife von mindestens 40 Tagen einhalten, kleine Anschnittsflächen, hoher Entnahmevorschub oder möglichst im Winterhalbjahr verfüttern. Vor dem Siliermitteleinsatz sollte unbedingt der Futterwert des Siliergutes bekannt sein, um den Veredlungseffekt und damit die Preiswürdigkeit der Maßnahme bewerten zu können. Inwieweit die Pilzsporen beim Einsilieren zerstört werden, bleibt bisher ungeklärt.

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