Milcherzeuger steigern fast jedes Jahr die Leistung.Trotzdem wirft die Milchproduktion in vielen Betrieben keinen Gewinn ab, weil die Erzeugerpreise schon seit Jahren stagnieren. (c) Gerd Rinas

Kühe haben wieder mehr Milch gegeben

Zuchtfortschritt und verbesserte Haltungsbedingungen wirken sich sowohl auf die Milchleistung als auch auf das Wohlbefinden der Tiere aus. Das bestätigen die Ergebnisse der Milchleistungsprüfung 2020 in Mecklenburg-Vorpommern.

Trotz oder gerade wegen der schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen haben die Milchproduzenten im Milchkontroll- und Rinderzuchtverband MV (MRV) die Leistung ihrer Kühe 2020 erneut gesteigert. Wie Dr. Jan Körte, Geschäftsführer für Milchkontrolle und -güte bei der RinderAllianz GmbH, im Gespräch mit der Bauernzeitung bestätigte, stieg die Milchleistung gegenüber 2019 um 233 auf durchschnittlich 10.083 kg Milch.

Milchleistungsprüfung 2020: Ausgefeiltes Management

Die Inhaltsstoffe erreichten mit 4,03 Prozent Fett und 3,46 Prozent Eiweiß etwa das Niveau des Vorjahres. Seit 1991 erhöhte sich die Milchleistung im Land um durchschnittlich 5.408 kg pro Kuh. Im bundesweiten Ranking nehmen die Milchbauern in MV mit ihrer Pro-Kuh-Leistung Platz zwei hinter Sachsen (10.103 kg Milch/Kuh) und vor Sachsen-Anhalt (10.030 kg Milch/Kuh) ein.

Ursachen für die seit Jahren anhaltende Leistungsentwicklung sind laut Körte vor allem der Zuchtfortschritt und das ausgefeilte Herdenmanagement in immer mehr Betrieben. „Das gilt umso mehr, wenn man die Trockenheit und die komplizierten Futterbedingungen 2019 und zum Teil auch 2020 berücksichtigt“, so Körte. Positiv wirkten sich ebenfalls der zunehmende Kuhkomfort und die verbesserten Haltungsbedingungen in zahlreichen Betrieben aus.

Porträt Dr. Jan Körte
Dr. Jan Körte ist seit Jahresbeginn als Geschäftsführer beim Milchkontroll- und Rinderzuchtverband MV verantwortlich für Milchkontrolle und -güte. (c) Gerd Rinas

Genomische Bullen sorgen für Schub

Eine große Rolle spiele der Einsatz genomischer Bullen in der Zucht. „In Mecklenburg-Vorpommern werden schon etwa 80 Prozent aller Besamungen mit genomischen Bullen vorgenommen. In Sachsen-Anhalt, ebenfalls Zuchtgebiet der RinderAllianz, beträgt der Anteil etwa 60 Prozent. „Vor allem die Züchter in der Altmark haben lange Zeit töchtergeprüfte Bullen für die Besamung favorisiert. Mittlerweile sind aber auch diese genomisch vorselektiert. Die Differenz zwischen töchtergeprüften und genomischen Bullen hat sich stark verringert“, erläuterte Körte.

In Mecklenburg-Vorpommern nehme der Anteil der Besamungen mit töchtergeprüften Bullen in letzter Zeit leicht zu, würde das Niveau genomischer Besamungen aber nicht mehr überschreiten, so der Rinderexperte, der in Klevenow bei Grimmen aufwuchs und an der Kieler Christian-Albrechts-Universität 2008 sein Landwirtschaftsstudium erfolgreich abschloss.

Positiv haben sich im Milchkontrolljahr 2020 die Kriterien Gesamt-, Lebens- und Lebenstagsleistung entwickelt. Dagegen blieben die Fortschritte in der Nutzungsdauer überschaubar. Bei der Lebensleistung beträgt der Zuwachs zum Vorjahr im Mittel 394 Milch-kg, bei den 25 Prozent der besten Milchviehbetriebe im MRV sogar 538 Milch-kg.

Im vorigen Jahr waren noch 147.017 Kühe aus 392 Betrieben in der Milchleistungsprüfung. Gegenüber 2019 nahmen die MLP-Kühe um 4.923 ab. Die Zahl der Mitgliedsbetriebe im Milchkontroll- und Rinderzuchtverband ging 2020 gegenüber 2019 von 386 auf 359 zurück. „Der Trend hält leider an. Es verabschieden sich nicht nur Familienbetriebe ohne Hofnachfolger aus der Milchproduktion, sondern auch GmbH und Mehrfamilienbetriebe mit 300 bis 500 Kühen“, bedauerte Körte. Die Zahl der Unternehmen, die lediglich aus der Milchkontrolle ausstiegen, sei dagegen sehr gering. Die Kontrolldichte sei mit etwa 90 Prozent nach wie vor sehr hoch.

Weniger Betriebe, größere Herden

Ebenso ungebrochen wie der Trend zu weniger Betrieben sei der Milchleistungsprüfung 2020 nach die Entwicklung zu steigenden Herdengrößen. Die geringste Zahl von Kühen pro Betrieb verzeichnet die Statistik mit 196 Tieren im Jahr 2000. Laut Angaben aus dem Dezember 2019 stieg die durchschnittliche Größe der Milchkuhherden pro Betrieb auf 400 Tiere. Damit nähert sie sich langsam dem Niveau früherer Jahre an. Zum Vergleich: Mit 469 Kühen pro Betrieb weist die Statistik für 1990 den größten Kuhbestand pro Betrieb in den vergangenen 30 Jahren aus.


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