Viele Herdenmanager haben meist nur wenig Zeit für das Fütterungscontrolling. Eine Checkliste gibt Hilfestellung. (c) Fritz Fleege

Herden-Management: Checkliste zur Kontrolle der Fütterung

Viele Herden-Manager haben meist nur wenig Zeit für das Fütterungscontrolling. Es muss dennoch jeden Tag durchgeführt werden. Eine Checkliste „Fütterung“ im Stall oder Büro gibt Hilfestellung.

Von Jörg Häussler, LKS mbH

Dem Fütterungsberater Jörg Häußler, Fütterungsberater bei der LKS – Landwirtschaftliche Kommunikations- und Servicegesellschaft mbH, fällt öfters auf, dass viele Herdenmanager über die Fütterung in ihrem Stall unzureichend oder gar nicht informiert sind. Dabei sichert das umfangreiche Wissen über die Fütterung im eigenen Stall nicht nur die Tiergesundheit, sondern auch ein hohes Leistungsniveau und die Wirtschaftlichkeit der tierischen Produktion.

Die Punkte sollen eine Orientierung für alle Verantwortlichen sein, die nicht selbst jeden Tag füttern. Aussagen von Herdenmanagern, wie: „Das habe ich nicht gewusst!“ oder ähnlich, sollten in der Praxis nicht vorkommen, sind aber im Alltag eines Beraters leider da.

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Fütterung effektiv unter Kontrolle

Das Fütterungscontrolling ist schon sehr zeitaufwendig und muss dennoch jeden Tag durchgeführt werden. Dabei ist nicht jede Kontrollmaßnahme jeden Tag erforderlich. Im Folgenden werden die wichtigsten Punkte zusammengefasst. Die Aufzählung könnte sicher erweitert werden und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Aber wenn Herdenmanager zukünftig einige Punkte in ihre tägliche Routine aufnehmen, wäre das ein größerer Qualitätssprung im Controlling.

Abschließend werden die Maßnahmen in einer Art Checkliste zusammengefasst und auf mindestens notwendige Zeiträume aufgeteilt und dienen als tägliche Hilfe. Die Ziel-Kennzahlen, sind Orientierung und eine betriebsspezifische Anpassung wäre sinnvoll.

Fütterungscontrolling Markus Lang
Landwirt Markus Lang aus Sehma ist sehr angetan von der Checkliste zum Fütterungscontrolling. (c) Jörg Häussler
Fütterungscontrolling
Futter unter Kontrolle: In den Beratungsbetrieben der LKS nehmen die Herdenmanager die Liste gerne an. (c) Dr. Annett Gefrom

Checkliste: Die Kontrollpunkte

1. Futtermittel und Lagerstätten

  • Einschätzung der Sensorik (Aussehen, Geruch, Schimmelnester, Temperatur),
  • Kontrolle des TS-Gehaltes der Silagen mittels Wringprobe, Mikrowelle, Heißluftfritteuse o. a.,
  • Vergleich mit Attesten,
  • Bei größeren Veränderungen der Sensorik und/oder der Molkerei-Daten (Punkt 3.) – Futtermittelproben zur Analyse ins Labor,
  • Sauberkeit der Lagerstätten,
  • Inventur der Futterbestände

2. Futtertisch-Management

  • Wurde Restfutter beräumt?
  • Optisches Bild der Rationen (Anteil zu langer Futterteile, musig, homogen),
  • ausreichend Futter vorgelegt,
  • Stimmt das Timing des Fütterns – Abstimmung mit den Melkzeiten (ist frisch gefüttert, wenn die Kühe vom Melken kommen)?
  • Verteilung der Rationen auf dem Futtertisch (volle Länge),
  • Konsistenz der Rationen (zu trocken oder zu feucht),
  • gibt es „Leck- oder Fraßlöcher“, die auf selektives Fressen hindeuten?,
  • Häufigkeit und Qualität des Futterranschiebens,
  • Kontrolle Wiederkauen (Kauschläge bei mehreren Tieren zählen),
  • Rückwaage Restfutter, ggf. zusätzlich TM – Bestimmung und Ermittlung des Faser- und Stärkegehaltes im Restfutter,
  • Exakte Futteraufnahme bestimmen – entsprechen die gefütterten Mengen den Rationsberechnungen (gefütterte Mengen minus Restfutter geteilt durch die Kuhzahl)
  • Kontrolle der Tränken auf Sauberkeit (tägliche Reinigung durch das Stallpersonal, häufige Kontrolle durch den Herdenmanager)
  • Nutzung der gelieferten Daten bei AMS und vorhandenen Sensoren in herkömmlichen Ställen (Fressdauer, Wiederkauaktivität u.a.)
  • Kontrolle Futtermischwagen auf Sauberkeit
  • Kontrolle Wiegegenauigkeit des Futtermischwagens (es treten in der Praxis immer wieder größere Mängel auf!!!):
    • Futtermischwagen leer wiegen (Überfahrwaage)
    • Ration so genau wie möglich laden
    • vollen Futtermischwagen wiegen
    • Abweichungen berechnen, ggf. Service bzw. Reparatur

3. Molkerei-Daten

  • Kontrolle der Milchmenge – des Melkdurchschnittes
  • Kontrolle Inhaltsstoffe (Fett, Eiweiß, Harnstoffgehalt, Fett – Eiweiß – Quotient [FEQ])
  • Bei größeren Abweichungen siehe Punkte 1. und 2.
  • Eutergesundheit (somatische Zellzahlen)

4. Milchleistungsprüfung (MLP)

  • Auswertungsprogramme und vorhandene Unterlagen intensiv nutzen, auswerten und Rückschlüssen ziehen
  • Kontrolle Inhaltsstoffe: Fett (einschließlich Fettmenge), Eiweiß, Harnstoffgehalt, Fett – Eiweiß – Quotient [FEQ]
  • Verdacht auf Azidose (prozentual zum Bestand)
  • Verdacht auf Energiemangel (prozentual zum Bestand)
  • Überprüfung der Persistenz (Melkdurchschnitt 2. Laktationsdrittel im Vergleich zum 1. Laktationsdrittel)
  • Kontrolle Fruchtbarkeitsdaten und Vergleich zu den betrieblichen Zielen
  • Kontrolle Eutergesundheit (somatische Zellzahl)

5. Kontrolle der Fütterung

  • Kotkonsistenz (beim täglichen Stalldurchgang beurteilen) – nach Skidmore (1990)
  • Körpertemperatur täglich bei Reprokühen bis 6. Laktationstag messen
  • Ketosetest bei Reprokühen am 2., 4. und 6. Laktationstag durchführen
  • Pansenfüll – Index (PI) im geburtsnahen Zeitraum (Vorbereiter und Reprokühe) – nach Zaaijer (2000)
  • Kontrolle Pansenkontraktionen bei den Reprokühen, zu beobachten in der linken Hungergrube, es sollte ein kräftiges Knisterrauschen wahrgenommen werden
  • Body – Condition – Score (BCS) – nach Edmonson & Metzner (1989)
  • Locomotion – Score – nach Sprecher (1997)

Checkliste Fütterungs-Controlling für die Praxis

Artikel aus Ausgabe 06/2024

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