Uckermärker auf einer Mob-Grazing-Weide von Gut Temmen. © Sabine Rübensaat

Mob-Grazing in der Praxis: Kein Futter-Stress für Kühe

Im Wechsel mit dem Ackerbau nutzt das Gut Temmen in der Uckermark einen Großteil seiner Flächen für die ganzjährig auf den Futterflächen lebenden Mutterkühe und Mastrinder. Man legt Wert auf einen achtsamen Umgang mit den Tieren und den Flächen. Mit Erfolg wird seit vier Jahren Mob-Grazing eingeführt. Ruven Hener hat unsere Fragen zum neuen Weideverfahren beantwortet.

Die Fragen stellte Klaus Meyer

Bauernzeitung: Herr Hener, wenn man im Internet den Begriff Mob-Grazing sucht, findet man unterschiedliche Definitionen. Wie definieren Sie Mob-Grazing?
Ruven Hener: Es ist Teil unseres Weidesystems. Kurz gesagt heißt Mob-Grazing für mich, eine gewisse Anzahl an Tieren kurze Zeit mit einer relativ hohen Besatzdichte auf eine Fläche zu stellen, um die Tiere nur einen Teil des Futters aufnehmen zu lassen. Der restliche Teil wird niedergetrampelt und bleibt als Mulchschicht bodenbedeckend zurück. Mob-Grazing fängt bei einer Besatzdichte von 100.000 Kilogramm Lebendgewicht pro Hektar an. Das entspricht bei unseren Tieren circa 100 Kühe plus Absetzer pro Hektar. Kurze Zeit heißt, nach 6 bis 24 Stunden, je nach Jahreszeit, wird den Tieren eine neue Fläche zur Verfügung gestellt.


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Praxis-Talk #10: Summt das Feld, klingelt die Kasse

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Wie sind Sie auf die Idee gekommen, zu Mob-Grazing zu wechseln?
Wir haben gemerkt, dass unsere Art der Beweidung nicht so gut ist für die Flächen und den Futterbestand. Also haben wir angefangen, die Parzellen zu verkleinern, um das Selektieren zu verringern beziehungsweise den Flächen mehr Erholungszeit zu geben. Wenn die Tiere auf einer großen Fläche sehr lange weiden, dann ziehen sie immer wieder über die ganze Fläche und selektieren sehr stark. Besonders die leckeren Pflanzen haben keine Erholungszeit, und die nicht so schmackhaften werden nicht beachtet. Das geht so weit, dass irgendwann die leckeren Sachen so sehr verbissen werden, dass sie darunter leiden und Schäden davontragen. Erst dann wenden sich die Kühe auch den anderen Pflanzen zu. Dann ist es für die leckeren Gräser und Kräuter aber zu spät und Lücken entstehen im Bestand. Die Stellen werden dann unter anderem von Ampfer und Brennnesseln besetzt. Nach den Rindern muss also Weidepflege betrieben werden, Nachmähen oder Mulchen.

Ruven Hener vom Gut Temmen auf einer Luzerne-Weide

Ruven Hener ist stellvertretender Leiter des Rinderbereichs. Ihm ist ein respektvoller, achtsamer Umgang mit den Tieren und den Flächen wichtig. Für ihn ist Low-Stress-Stockmannship Grundvoraussetzung für den Umgang mit den Tieren und außerdem testet er seit mehreren Jahren Mob Grazing auf den Flächen im Betriebsteil Stegelitz. © Sabine Rübensaat

Ruven Hener vom Gut Temmen am Zaun einer Weide mit Mob-Grazing

Mitarbeiterfreundlich: Über einen automatischen Zaunöffner, bei dem man die Öffnungszeit einstellen kann, wird spät abends oder früh morgens die neue Parzelle für die Tiere freigegeben. © Sabine Rübensaat

Wir reden jetzt aber von der Weide und nicht von Ackerfutter?
Von beidem.

Beim frisch etablierten Luzernegras kann ich mir nicht vorstellen, dass die Tiere viele Pflanzen haben, die sie nicht fressen.
Doch, es laufen auch viele Beikräuter auf. Insbesondere Luzerne mag nicht stark verbissen werden. Dann kommt es schnell zu lückigen Flächen.

Wie lange wird so eine Luzernefläche genutzt?
Da wir einen Zaun drum herumbauen müssen, versuchen wir eine Nutzung von drei bis maximal fünf Jahren hinzubekommen. Durch das Verkleinern der Parzellen hat die Selektion ein Stück abgenommen, die Ruhebeziehungsweise Rastzeit des Bestandes zugenommen und dadurch der starke Verbiss von einzelnen Pflanzen abgenommen.

Wie ging es weiter?
Das war schon ein Schritt in die richtige Richtung. 2017 kam die Initialzündung durch Greg Judy. Der amerikanische Mob-Grazing-Experte hielt ein Seminar auf unserem Hof und hat uns das Weideverfahren erklärt. Danach war klar: Wir probieren Mob-Grazing aus.

Wie erfolgt die Beweidung beim Mob-Grazing?
Im sehr zeitigen Frühjahr versuchen wir, eine sehr schnelle, großflächige Beweidung zu machen. Die Tiere sind 12 bis 24 Stunden auf einer etwas größeren Fläche. So ziehen die Rinder einmal über alle Futterflächen in einem sehr schnellen Umtrieb, und die Kühe fressen einfach nur die sehr frühen Gräser heraus und lassen die Luzerne und die späten Gräser stehen. Nach dieser sehr frühen, schnellen Beweidung sind wir wieder am Anfang. Die Luzerne und die etwas späteren Gräser haben bis dahin einen gewissen Aufwuchs gebildet. Ab da führen wir ein sehr striktes Mob-Grazing durch, bei dem die Tiere nur das obere Drittel abfressen und den Rest niedertrampeln. So bekommen wir eine Mulchauflage, die den Boden beschattet und die Feuchtigkeit im Boden hält. Je nachdem, wie die Witterung war und was hinsichtlich Regen in Zukunft absehbar ist, weiden wir dann den zweiten Aufwuchs auch noch einmal schnell und lassen den Futterrest heruntertrampeln, oder aber wir lassen den Bestand ganz abweiden. Der niedergetrampelte Futterrest ist eigentlich der „Vorrat“ für die Dürre. Der Gedanke dahinter ist, dass man durch die Mulchschicht einen Wasser- und Nährstoffpuffer aufbaut, der dann in der Dürrezeit trotzdem einen Bestand wachsen lässt.

Vergleich einer Umtriebsweide (links) und einer Mob-Grazing-Weide (rechts) von Gut Temmen

Die Versuchsfläche wurde gleichmäßig bestellt. Bei der Umtriebsweide (l.) ist weniger Luzerne vorhanden und die Bodenbedeckung ist geringer. Das bietet Angriffspunkte für Unkräuter, die man nicht haben möchte, für die Sonne, der Boden trocknet mehr aus und heizt sich mehr auf. Es besteht eine höhere Gefahr für Wind und Wassererosion. Die Mob-Grazing-Fläche rechts hat eine schützende Mulchschicht. © Sabine Rübensaat

Mob-Grazing Weide mit hohem Luzernebewuchs

Auch nach fünfjähriger Beweidung ist der Anteil Luzerne auf der Weide noch sehr hoch. Mit den leichten Zaunpfählen geht der Zaunbau schnell und kräfteschonend vonstatten. © Sabine Rübensaat

Kuhfladen auf einer Mob-Grazing-Weide

Beim Mob Grazing ist die Verteilung der Kuhfladen in der Fläche gleichmäßiger. Es wird auf die Konsistenz der Kuhfladen geachtet. Sie ist richtig, wenn ein Ditsch in der Mitte zu sehen ist. Wenn sie sich auftürmen, sind sie zu hart und wenn sie ganz zerfließen sind sie zu weich. © Sabine Rübensaat

Dann ist dieses Jahr ja ein richtiges Mob-Grazing-Jahr?
Ja, es ist ein typisches Dürrejahr. Man sieht es den Flächen an. Wir sind jetzt im zweiten Durchgang und haben festgestellt: Es steht wenig da, es wird in absehbarer Zeit auch nichts hinzukommen. Es gibt zwei Möglichkeiten: komplett oder teilweise zufüttern oder aber wir weiden jetzt den Aufwuchs komplett herunter. Wir haben entschieden, komplett herunterzuweiden. Herunterweiden heißt mindestens zehn bis zwölf Zentimeter Stoppelhöhe. Andere fangen bei solchen Graslängen an zu weiden.

Wie ist Ihre Einschätzung nach fünf Jahren?
Mob-Grazing hilft uns, Dürrejahre besser zu überstehen, und wir haben eine höhere Flächenleistung. Es wird natürlich keine Wunder vollbringen, aber es ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung, weil ich denke, dass die klimatischen Verhältnisse nicht besser werden und wir uns definitiv darauf einstellen müssen. Man sollte das Ganze als variables System verstehen, denn ich kann nicht beim ersten bis dritten Aufwuchs strikt Mob-Grazing mit dem Niedertrampeln des Futterrestes durchziehen, da eventuell beim zweiten oder dritten Aufwuchs gar nichts zum Niedertrampeln vorhanden ist. Es funktioniert nicht nach festem Muster, sondern man muss immer beobachten, was im Moment passiert, und sich immer wieder neu an die Situation anpassen. Wenn ich viel Bestand habe, kann ich etwas davon für den Boden zurücklassen. Wenn ich wenig habe, kann ich es dann nehmen, weil ich vorher etwas gelassen habe. Das System muss flexibel sein. Es sind die vielen kleinen Vorteile, die uns bestärken, dass wir mit Mob-Grazing auf dem richtigen Weg sind. Dabei geht es nicht nur um die Bestandsführung.

Welche Vorteile sind das?
Zum Beispiel weniger Verdauungsprobleme. Wenn die Tiere in einen neuen Bestand kommen, fressen sie erst das obere Drittel, und zwar überall. Natürlich erst die leckersten Spitzen, dann die anderen Pflanzen. Wenn man sie auf der Fläche belässt, fressen sie danach das mittlere Drittel und am Ende das untere Drittel. Wenn man davon ausgeht, dass die verschiedenen Ebenen unterschiedliche Energie- und Proteingehalte haben, dann ist der Pansen in einem permanenten Umstellungsstress. Mit Mob- Grazing fällt der Umstellungsstress weg, denn sie fressen immer nur das obere Drittel. Irgendwann werden auch die unteren zwei Drittel gefressen. Die Umstellung findet dann aber über mehrere Wochen statt. Auch die Fliegenbelastung ist mit Mob-Grazing wesentlich geringer, und die Parasitenbelastung ist damit ebenfalls heruntergegangen. Statt jährlich müssen wir die Tiere nur noch alle zwei Jahre behandeln und wollen in Zukunft auf drei Jahre gehen.

Das Gut Temmen
Das landwirtschaftliche Unternehmen mit fast 40 Mitarbeitern liegt in der Uckermark im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. In einem Unternehmensverbund wird eine Fläche von 3.300 ha nach Bioland-Richtlinien bewirtschaftet. Fast 1.500 Rinder, davon 750 Mutterkühe, leben ganzjährig auf den Weiden und Ackerflächen. Als Futtergrundlage dienen etwa 560 ha Grünland und 1.300 ha Ackerfutter, hauptsächlich Luzernegras. Die Schläge sind arrondiert und die Jahresniederschläge liegen bei durchschnittlich 535 mm.

Bietet Mob-Grazing auch arbeitstechnische Vorteile?
Ja, sicher. Große Herden sind arbeitstechnisch von Vorteil. Mit dem Weideverfahren konnten wir auf jeden Fall den Arbeitszeitbedarf verringern, und wir konnten die Flächenleistung erhöhen. Vorher lag die Flächenleistung bei 0,5 Großvieheinheiten pro Hektar, und jetzt sind wir bei 0,75.

Was gibt es außerdem zu beachten?
Wir müssen dieses Weidesystem selbst auch erst einmal entwickeln, also die Erfahrungen auswerten und dann entscheiden, was wir wie machen, und was hier mit unseren Tieren auf unseren Flächen funktioniert. Denn nicht alles, was Greg Judy erzählt, funktioniert hier. Das System muss an hiesige Verhältnisse angepasst werden. Außerdem muss jemand die Versuche betreuen, die Erfahrungen dokumentieren, sonst kann man es auch bleiben lassen. Also war der nächste Schritt, eine Stelle zu schaffen für Versuchsbetreuung und Weidemanagement. Letztes Jahr kam dann noch ein EIP-Forschungsprojekt zum Thema Mob-Grazing im Ackerfutter mit der Hochschule in Eberswalde und der KlimaPraxis in Berlin dazu. Es untersucht folgende Fragen: Eignet sich das Beweidungsverfahren für trockene Gebiete wie Brandenburg, und lassen sich damit Ressourcen effizient nutzen? Wie passt es in die betrieblichen Abläufe?

Wie sieht ein praktischer Tag mit Mob-Grazing aus? Wann werden die Tiere umgetrieben, morgens oder abends oder sogar zweimal am Tag?
Der Aufwuchs an sich entscheidet, wie oft umgestellt wird und was man erreichen möchte. Man kann die Tiere zum Beispiel sehr eng stellen und sehr oft umstellen, weil man möchte, dass sie das Gras auf Kurzrasenhöhe herunterrasieren. Die gewünschte Graslänge ist entscheidend, wie oft man umstellt, wie dick die Mulchschicht sein soll und wie sich der Bestand entwickeln soll. Außerdem versuchen wir, den Zeitpunkt der neuen Flächenzuweisung so zu wählen, dass er in den Biorhythmus der Tiere passt, also wenn deren Fressphase beginnt und sie nicht gerade in der Ruhephase sind.

Gibt es in Deutschland Lehrgänge, Seminare, in denen man das System Mob-Grazing vermittelt bekommt, oder muss man in die USA reisen?
In die USA muss man nicht reisen, aber als wir das erste Mal davon gehört haben, gab es nicht wirklich etwas. Deshalb versuchen wir, unser Wissen zu streuen. Ein Teil dieses EIP-Forschungsprojekts hat zum Ziel, ein Netzwerk aufzubauen, zu schauen, wie man die Leute, die sich dafür interessieren, vernetzen kann und wie Leute, die Erfahrungen mit Mob-Grazing haben, diese weitergeben können. Das ist sehr anspruchsvoll. Wir haben vor Kurzem einen Feldtag zum Thema organisiert mit sehr hoher Resonanz. Das zeigt, dass das Interesse da ist.

Was würden Sie jemandem raten, der mit dem Gedanken spielt, mit Mob-Grazing anzufangen?
Kontakt aufnehmen mit dem Netzwerk, mit Betrieben, die es anwenden. Überlegen, was man mit dem Weidesystem erreichen möchte, um dann einfach darüber sprechen zu können. Sich auszutauschen ist wichtig, weil man nur dann von den Erfahrungen profitieren kann , denn es gibt keine Schule. Selbst wenn man jetzt ein Tagesseminar macht, ist man dann genau da, wo wir 2017 waren.

Was ist Mob-Grazing?
Das Beweidungsverfahren Mob-Grazing (deutsch: Herdenbeweidung) soll das Weideverhalten von Wildtierherden in der Savanne nachahmen. Es wird seit Langem in Nordamerika und im südlichen Afrika eingesetzt. Aufgrund der hohen Aufwüchse, der langen Wurzeln und einer Mulchschicht aus niedergetrampelten Pflanzenrückständen, vermischt mit dem Dung der Tiere, kann das Beweidungsverfahren laut dem Netzwerk Mob-Grazing hierzulande ein strategisches Werkzeug zur Gewährleistung der Ertragsstabilität während langer Trockenperioden sein. Bei der Weidestrategie handelt es sich um eine Art optimierte, intensive Portionsweide innerhalb einer Koppel. Das Netzwerk nennt fünf Punkte, die dabei wesentlich sind:
1) intensive Tierbesatzdichte: Eine hohe Besatzdichte mit etwa hundert Kühen pro Hektar wird durch das Beweiden kleiner, abgeteilter Koppeln für einen kurzen Zeitraum erreicht. Durch die Konkurrenz in der Herde sind die Tiere weniger wählerisch und selektieren kaum.
2) kurze Beweidungsdauer: Um eine mögliche Überweidung zu vermeiden, ist der Faktor Zeit entscheidender als die Anzahl der Tiere oder die Größe der Koppel. Die Beweidungsdauer sollte zwischen sechs und 24 Stunden liegen und wird je nach Jahreszeit, Aufwuchs oder Koppelgestaltung angepasst.
3) lange Rastzeiten des Aufwuchses: Durch eine lange Ruhezeit zwischen dem Beweiden kann die Leistungskurve der Futterpflanzen voll ausgeschöpft werden. Das Mikroklima und der Humusaufbau werden durch tiefe Wurzeln und hohe Biomassebildung unterstützt.
4) hoher Aufwuchs: Da nicht die tierischen Leistungen im Fokus stehen, sondern die der Pflanzen, werden diese erst ab einer hohen Aufwuchshöhe von bis zu 60 cm (standortabhängig) beweidet. Die Pflanzen haben mehr Zeit zum Wachsen. Aufgrund des geringeren Proteingehaltes ist diese Art des Mob-Grazing besonders für die Mutterkühe geeignet.
5) die Mulchschicht: Sie dient dem Bodenaufbau im Trockengebiet. Die Tiere trampeln gezielt große Weidereste von mehr als der Hälfte des Aufwuchses nieder. Die dadurch entstehende Mulchschicht (vermischt mit dem Dung der Tiere) schützt den Boden vor Austrocknung und Erosion und kann eine wertvolle Quelle für Kohlenstoff sein.

Mehr Informationen zu Mob-Grazing gibt es hier.

Was sollte man außerdem beim Mob-Grazing beachten?
Wenn ich nicht mit den Tieren kommunizieren kann und sie nicht in Ruhe überallhin treiben kann, wo ich sie gerne haben möchte, brauche ich nicht über die Einführung eines ganzheitlichen Weidesystems nachdenken. Mob-Grazing funktioniert hier im Betrieb nur, weil wir Low-Stress-Stockmanship eingeführt haben, für einen möglichst stressarmen Umgang zwischen Tier und Mensch. Es ist eine für jeden erlernbare Methode, mithilfe derer Zeit, Geld und Nerven gespart werden können und ein tieferes Verhältnis und Verständnis des Tierhalters zu seiner Herde aufgebaut werden kann. Wir sind mittlerweile so weit, dass eine Person allein es schafft, auch Herden mit 300 Tieren von einer Weide über eine andere Weide auf die nächste Weide zu treiben. Für mich wichtig ist zum Beispiel auch, dass bei größeren Treibeaktionen über eine längere Strecke die Mitarbeiter sich sozusagen auf den schönen Spaziergang mit den Kühen freuen, weil alles stressfrei abläuft. Wenn etwas nicht einfach geht, macht man es nicht (gerne).

Das Mob-Grazing-System sehe ich auch nur als Teil des großen Ganzen. Wir müssen unseren Boden, die Pflanzen und unsere Tiere im Blick haben. Außerdem müssen wir gute Arbeitsplätze schaffen, um die Mitarbeiter motiviert zu halten, dass sie Freude haben an der Arbeit. Dann können sie auch Situationen, die stressig sind, einfach bewältigen, weil sie wissen: Ich habe einen guten Arbeitsplatz. Mit was lockt man die Leute noch hinter dem Ofen vor? Mit einem Euro mehr? Da kommt doch keiner mehr arbeiten. Die Work-Life-Balance muss stimmen. So mancher verzichtet auf einen Teil seines Gehaltes, wenn er weiß, dass er mehr Zeit mit seinem Kind verbringen kann. Einer unserer Mitarbeiter hat eine Teilzeitstelle, weil er um 15.30 Uhr seine Kinder von der Kita abholen will und muss. Ein anderer arbeitet nur drei Tage die Woche und hat zwei Tage mehr mit seinem Kind. Es ist für mich schwierig, das zu organisieren, aber es muss sein.


Dieses Interview ist eine gekürzte Version der Titelgeschichte aus dem Ratgeber Grünland 2022. Mehr Praxistipps und Erfahrungen von Ruven Hener in der ungekürzten Version gibt es hier.


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