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Sonnenblumenernte: Tipps von Mähdruschprofis

Die Körner der Sonnenblume sind im Verhältnis zu ihrer Größe relativ leicht. Im Fruchtstand reifen sie von außen nach innen. Das hat Einfluss auf den Termin zur Sonnenblumenernte und die Einstellung des Mähdreschers.

Von Dr. Andrea Feiffer und Franz Klüßendorf, feiffer consult

Wegen ihrer Schönheit kam die Sonnenblume einst als Zierpflanze von Amerika nach Europa. Aufgrund ihrer fettreichen Samen mit fast 50 % Ölgehalt wurde sie nicht nur zu einer Kulturpflanze, sondern zu einer Weltwirtschaftspflanze. Sie lockert getreidelastige Fruchtfolgen auf und reduziert so spezifische Ährenkrankheiten und die Verungrasung.

Erntetermin zur Sonnenblumenernte bestimmen

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Zur Erntereife sind die Blätter des Stängels weitestgehend abgestorben. Die Unterseite des Korbes färbt sich schwarz-braun. Die Blütenblätter sind abgefallen bzw. man kann sie sehr leicht abzupfen und die Körner beginnen sich zu lockern. Die Samen reifen vom äußeren Ring zum Zentrum, deshalb sollte man die Körner für die Feuchtemessung von verschiedenen Stellen des Korbes entnehmen. Auch die inneren Früchte sollen gut ausgereift sein, um das volle Potenzial des Ölgehaltes auszuschöpfen.

Die Schale ist verholzt und hart, der Kern noch weich. Die Körner knacken bei der Nagelprobe und die Kornfeuchte sinkt unter 20 %. Lagerfähig sind Sonnenblumenkörner mit Feuchten zwischen 8 und 9 %. Mit dieser Kornfeuchte zu dreschen, schafft man nur in Gunstregionen oder in trockenen Warmwetterphasen. Bei Kornfeuchten von 10 bis 15 % kann geerntet werden. Ist eine längere Schlechtwetterperiode absehbar, lieber mit 15 bis 17 % dreschen und nachtrocknen. Wie bei allen späten Druschfrüchten gilt: Der erstbeste Termin ist der Beste! Denn bei kürzer, kühler und feuchter werdenden Tagen wird die Abtrocknung und Ernte zum späteren Zeitpunkt immer unsicherer. Nach längeren Niederschlägen saugen sich die Körbe mit Wasser voll, die Stängel sind morsch und sie brechen dann schnell um.

Bei modernen Sorten ist es gelungen, die frühere Reife mit Ertragsstabilität zu verbinden. Die Ausfallverluste sind eher gering, wenn man den optimalen Erntetermin einhält. 15 Körner auf einem Viertel Quadratmeter sind etwa 1 % Verlust bei 3 t/ha Ertrag. Vogelfraß ist teilweise in Ortsnähe ein Thema.

Sonnenblumenernte: Schneidwerk richtig einstellen

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Für die Ernte benötigt man Zusatzausrüstung, um ein Schneidwerk umzurüsten oder ein Sonnenblumenschneidwerk. Ansonsten gibt es sehr hohe Verluste am Schneidwerk, weil die Stängel mit den schweren Körben nach vorn knicken, die Körbe abbrechen und Körner ausfallen.

Zunächst braucht man Führungsschienen. Das können aufgesetzte Schiffchen sein, die die Sonnenblumen, unabhängig vom Reihenabstand, dem Schneidwerk zuführen. Dabei sind die Finger abgedeckt, sodass sich Stängel oder Körbe nicht aufspießen und den Gutfluss behindern. Die Schiffchen sind vorn gekantet, um auch lose Körner noch aufzufangen. Wer über ein Maisgebiss verfügt, spart sich die Anschaffung der Schiffchen und kann auch den umgerüsteten Maispflücker mit reduzierter Drehzahl nutzen.

Haspel

Bei der Haspel wird jede zweite Zinkenreihe ausgebaut und die verbliebenen drei Reihen werden zu einer Lattenhaspel verblendet. Ansonsten können sich die Körbe an den Zinken aufspießen, das ist lästig, behindert den Gutfluss und führt zu Verlusten.

Die Stellung der Latten oder Paddel über dem Messer sollte senkrecht sein. Die Haspel läuft der Fahrgeschwindigkeit leicht vor­aus und taucht kurz unterhalb der Köpfe ein. Sie schlägt die Körbe in Richtung Einzugswalze und verhindert deren Zurückfallen. Die Verluste sollten bei guter Schneidwerkseinstellung 0,5 % nicht überschreiten. Es können Körbe seitlich über den Halmteilern herausfallen, aber nach vorn sollte nichts fallen.

Querförderschnecke

Die Querförderschnecke wird bei der Sonnenblumenernte ungefähr auf Rapsposition angehoben. Der Abstand zur Schneckenmulde beträgt, je nach Korbgröße, 25 bis 30 mm. Beim Verstellen der Abstreifer an einen Abstand von weniger als 5 mm denken.

Schrägförderer

Die Einzugskette des Schrägförderers stellt man auf die höhere Position, sie sollte mit niedriger Drehzahl laufen. Dadurch wird das Erntegut besser angenommen und man verringert den Anteil geschälter Samen.

Bei sechs bis acht Pflanzen je Quadratmeter kann und soll man zügig fahren, das verbessert die Stängelzuführung. Es wird auf langer Stoppel gemäht, nur die Köpfe werden geerntet. Verholzte oder auch feuchte Stängelteile belasten sonst den Mähdrescher zu stark.

Einstellung Dreschwerk

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Wenn die Sonnenblumen reif und trocken sind, lassen sie sich recht gut aus den Fruchtständen lösen. Dafür genügen Trommeldrehzahlen von 450 bis 600 U/min, natürlich in Abhängigkeit von der Bauweise des Dreschwerks und den Erntebedingungen. Tabelle 1 gibt grobe Richtwerte dafür.

Die Samen der Sonnenblumen haben nicht gerade die Geometrie, die man sich für ein Dresch­werk wünscht. Sie sind länglich, kullern nicht und sind empfindlich für Bruchkorn und Schälschäden, die dann Fettsäuren freisetzen. Wichtig ist deshalb das Zusammenspiel von Trommel bzw. Rotor und Korb, sodass der Anteil von Bruchkorn und geschälten Samen gering bleibt, aber der Ausdrusch noch zufriedenstellend ist. Kann man die Drehzahl der zweiten Trommel verstellen, sollte diese langsamer laufen. Auch den zweiten Korb stellt man auf weit. Die Dreschtrommel kann man im offenen Bereich zwischen den Dreschleisten mit Maisabdeckblechen verschließen. Dies verhindert, dass Korbteile bei geringen Trommeldrehzahlen in das Innere der Dreschtrommel gelangen und verringert den Körnerbruch.

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Dreschkorb

Der Dreschkorb wird zunächst auf 40 mm geöffnet und dann schrittweise je nach Ausdrusch und Furchtstandgröße verengt. Ein Maisdreschkorb ist besser als ein Getreidekorb, wer nachfolgend Mais drischt, baut ihn gleich ein. Die Abscheideleistung ist damit höher und der Verschmutzungsgrad geringer.

Als Maß für die Druschschärfe kann folgende Faustregel gelten: Bei abgeschaltetem Häcksler sollen die Sonnenblumenkörbe im Schwad nicht mehr als in drei bis fünf Teile zerkleinert sein. Wenn man schon hinten am Schwad ist, schaut man nach dem Ausdrusch. Findet man auf einer Fläche eines Viertel Quadratmeters in den Bruchstücken noch acht unausgedroschene Körner, so sind das etwa 0,5 % Verluste, was gut tolerierbar ist (Tabelle 2). Geht es darüber hinaus, verengt man im Wechsel den Korb um 1 bis 2 mm und erhöht die Trommel/Rotordrehzahl in 30er Schritten.

Ein Blick in den Bunker gibt Auskunft über die Druschschärfe. Der Anteil an gebrochenen und geschälten Samen soll möglichst unter 3 % liegen. Nicht zu langsam fahren, damit das Dreschwerk gleichmäßig beschickt wird. Die Dreschwerks- und Reinigungsverluste steigen bei höherer Fahrgeschwindigkeit nicht zwangsweise an, also ausreizen.

Siebe: Lamellensiebe neigen manchmal zu Verschmutzung und Verstopfung, was zu Verstellpro­blemen führen kann. Die Öffnungsweite des oberen Lammellensiebes richtet sich insbesondere nach der Samengröße. Bei kleineren Körnern geht man auf 12 bis 14 mm bei größeren Körnern auf 14 bis 18 mm. In der Überkehr sollen möglichst keine Körner ankommen, sonst erhöhen sich die Schälschäden. Mehr als 3 % freie Fettsäuren bringen Abzüge. Die Untersiebweite beträgt zwischen 8 und 12 mm und wird – wiederum abhängig von der Samengröße – bei kleinen Körnern um ca. 2 mm weiter geschlossen und bei großen Körnern um 2 mm weiter geöffnet.

Sonnenblumenernte: Körner Vorsichtig trocknen

Gebläse

Das Gebläse wird je nach Korngröße mittelstark bis stark eingestellt. Die Sonnenblumensamen sind zwar groß, aber mit einem TKG von 60 g nicht besonders schwer. Weizen kann da mithalten. Im Vergleich zum Weizen haben Kerne aber eine ungünstige aerodynamische Form, deshalb sind sie sehr windanfällig. So kommt es eher zu Überblasverlusten, wenn man es mit dem Gebläsewind übertreibt. Man überprüft mit der Verlustschale die Schüttler- und Reinigungsverluste. 15 Körner in der Schale (0,25 m2) sind 1 % bei 30 dt/ha Ertrag. Die muss man nach der Ernte zügig zum Auflaufen bringen, ansonsten hat man bis zu vier Jahre Freude an den Sonnenblumen in den Folgekulturen.

Häcksler

Beim Häcksler wird die Drehzahl reduziert. Außerdem werden die Gegenmesser auf minimalen Eingriff gestellt oder weggeschwenkt. 

Belüftung

Erntegut mit über 15 % Feuchte nach dem Drusch sollte nicht länger als zwei Tage ohne Belüftung liegen. Die Rücktrocknung erfolgt vorsichtig auf ca. 9 %. Die Förderwege der Samen bei der Aufbereitung sollten kurz und schonend sein – auch hier besteht Schälgefahr. Den Trocknungsvorgang können Stängelteile bzw. Korbreste stark behindern, da sie die Fließfähigkeit beeinträchtigen und die Luftdurchströmung verringern. Darum soll das Druschgut einen geringen Gehalt an Verunreinigungen haben, unter 2 % Besatz. Eine gründliche Reinigung des Mähdreschers nach der Ernte verhindert nachfolgende Korrosionen durch freie Fettsäuren.



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