Holzenergie (c) Sabine Rübensaat

Holzenergie: Holzauge, sei wachsam

Wie viel Energie steckt in Holz? Und lässt sich beim Heizen mit Holz tatsächlich das Klima schützen? Ob sich die Klima-Rechnerei lohnt und, was Anlagenbetreiber selbst tun können, das kommentiert Christoph Feyer.

Über die Herkunft des Ausrufs „Holzauge, sei wachsam!“ gibt es zwei Theorien. Die erste bezieht sich auf spezielle Schießscharten in Burgmauern, die mit einer hölzernen Kugel versperrt werden konnten. Aufgabe der Burgwache war es nun, die Kugel immer wieder mal wegzunehmen und wachsam umherzuspähen, um Feinde frühzeitig zu entdecken.

Die zweite Theorie entstammt dem Schreinerhandwerk. Dort soll dieser Ausruf des Meisters den Lehrling beim Hobeln davor gewarnt haben, die Klinge seines Werkzeugs an einem Ast im Werkstück, also einem „Holzauge“, stumpf zu machen oder zu beschädigen. Aststellen sind ja deutlich härter als der Stamm.

Doch ganz gleich, welche Variante einem glaubwürdiger erscheint: Man kann diesen Warnruf auch an alle richten, die mit Holz heizen, denn die Nachhaltigkeit des natürlichen Brennstoffs ist ein heiß diskutiertes Thema.

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Holzenergie und Klima-Rechnerei

Es ist noch gar nicht lange her, da wollte die EU-Kommission im Rahmen der RED-II-Richtlinie „primäre holzartige Biomasse“ nicht mehr als erneuerbare Energiequelle einstufen und ihr die Förderfähigkeit entziehen. Die pauschale Abqualifizierung ist dann zum Glück gescheitert.

Trotzdem bleiben die Klimaeffekte energetischer Holznutzungen komplex und von mehreren Faktoren abhängig. Der Verbrennungsvorgang selbst ist, anders als bei fossilen Brennstoffen, klimaneutral. Schließlich wird dabei kein zusätzliches CO2 erzeugt, sondern nur genau die Menge freigesetzt, die vorher im Holz gespeichert war.

In der Praxis wird der Brennstoff jedoch gewonnen, verarbeitet und verpackt sowie zum Abnehmer transportiert. Daher ist rechnerisch auch das Heizen mit Holz nicht komplett CO2-neutral. Dennoch muss die Bewertung der Nachhaltigkeit von Brennholz über die reine Betrachtung von Treibhausgasbilanzen hinausgehen. Schließlich fällt bei der Gewinnung von klimafreundlichen, stofflichen Holzprodukten immer auch noch anderes Material an. Da gibt es Bäume, die nach Stürmen oder Käferbefall nicht zur Möbelproduktion taugen. Da sind Stämme, die beim Durchforsten entnommen werden müssen, Kronenholz, das anfällt, und Holzreste, die beim Verarbeiten entstehen. Und ob all dieses Holz nun verrottet oder in den Ofen wandert, ist dem darin gebundenen CO2 egal.

Feinstaubemission selbst beeinflussen

Viel wichtiger als alle Klimarechnerei ist aber die Diskussion über die Feinstaubemission. Die gesundheitsschädlichen Staubteilchen, die hierzulande aus Schornsteinen und Kaminen in die Umwelt gelangen, sind dem Bundesumweltamt schon lange zu viel und ein Dorn im (Holz-)Auge. Doch anders als beim CO2 kann der Holzofenbetreiber hier die Höhe beeinflussen. Das fängt bei hochwertigen Anlagen an, die sich durch einen niedrigen Brennstoffverbrauch sowie geringe Emissionen auszeichnen, und geht beim Brennholzbezug weiter.

Der sollte aus nachhaltiger und auch regionaler Forstwirtschaft erfolgen, um kurze Wege zu garantiere. Das Holz muss vor dem Verbrennen richtig und ausreichend lang gelagert werden, damit es trocken genug ist. In der Feuerstelle sollte es von oben nach unten abbrennen, sodass es gleichmäßig und lange brennt. Nachlegen sollte man erst, wenn sich bereits Glut gebildet hat, und eine gut dosierte Luftzufuhr nach dem Anfeuern verhindert zu schnelles Abbrennen.

Zudem kann nur eine saubere Anlage, ohne angelagerten Ruß oder Ascherückstände, effizient und sauber heizen. Deshalb ist jeder gut beraten, der seine Holzfeuerung wachsam betreibt.

Kommentar aus der Ausgabe 50/2023

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