In Hohen Wieschendorf stehen auf 160 ha Fläche Erdbeeren, darunter auf 30 ha zur Verfrühung in Folientunneln. (c) Gerd Rinas

Erdbeerhof Glantz: Erdbeeren statt Weizen

Der Erdbeerhof Glantz in Hohen Wieschendorf ist in die Saison gestartet. Weil der Betrieb sich mehr auf den Anbau der süßen Früchte konzentrieren will, bewirtschaftet der Nachbar erstmals 250 ha Getreide mit.

Von Gerd Rinas

Das hätte ins Auge gehen können: Spätfröste im April ließen bei Jan van Leeuwen die Alarmglocken schrillen: „Wir haben Vlies über die Erdbeerflächen im Freiland und in den Folientunneln gezogen und die Tunnel am Abend geschlossen. Es war kitzelig, aber bisher sind wir gut durchgekommen“, sagt der Betriebsleiter des Erdbeerhofes Glantz in Hohen Wieschendorf im Landkreis Nordwestmecklenburg.

Erdbeerpflanzen auf 160 ha im Freiland

Jan van Leeuwen
Jan van Leeuwen (c) Gerd Rinas

Vor drei Wochen sind sie hier in der Erdbeersaison gestartet. „Die ersten Früchte mussten wir in den Tunneln suchen. Die kühle Witterung hat das Wachstum nicht gerade befördert. Aber natürlich wollen wir früh auf den Markt“, lacht van Leeuwen. Angeboten werden Erdbeeren aus Hohen Wieschendorf an 110 Verkaufsständen zwischen Kühlungsborn und Brandenburg an der Havel, Boltenhagen und Neustrelitz.

Vom Glantz-Betrieb in Delingsdorf bei Hamburg werden täglich weitere 160 Verkäufsstände in der Hansestadt, in Niedersachsen und Schleswig-Holstein mit frischen Früchten beliefert. In Hohen Wieschendorf stehen Erdbeerpflanzen auf 160 ha im Freiland, zur Verfrühung in Folientunneln und auf mit Vlies oder Folie abgedeckten Flächen. 30 Mitarbeiter sind ganzjährig beschäftigt. In der Saison kommen bis zu 450 Erntehelfer und 200 Verkaufskräfte hinzu. „Zurzeit sind wir etwa 200 Leute auf dem Betrieb. Jeden Tag werden es ein paar mehr, je nach Reifefortschritt der Erdbeeren“, so Jan van Leeuwen.

Die ersten Früchte, die jetzt aus den Folientunneln in den Verkaufsständen angeboten werden, gehören zur Sorte „Flair“. Früheste Sorten im Freiland sind „Magnum“ und „Dahli“, es folgen die mittleren Sorten „Elianny“ und „1711“ sowie die späte „Faith“.

corona-maßnahmen für erntehelfer


Im Juli kommen die ersten Früchte der Sorte „Malwina“ in den Verkauf. Die Spezialisierung erreicht in diesem Jahr in Hohen Wieschendorf ihren vorläufigen Höhepunkt: Weil man sich noch mehr auf den Erdbeeranbau konzentrieren will, wurden 250 ha Getreideflächen zur Bewirtschaftung an den Nachbarbetrieb übergeben. Trotz anhaltender Corona-Pandemie ist die Situation auf dem Erdbeerhof viel entspannter als vor einem Jahr. „Wir hatten 2020 keinen einzigen Covid-19-Erkrankten. Wir haben uns viele Gedanken gemacht, um der Coronagefahr zu begegnen, natürlich hatten wir auch Glück“, so van Leeuwen. Trotz der Corona-Belastungen konnte 2020 eine „ordentliche Ernte“ eingebracht werden.

Wie vor einem Jahr wird bei den Erntehelfern täglich vor Arbeitsbeginn Fieber gemessen. „Der Krankenstand ist seitdem runtergegangen, weil auch Erkältungen früher erkannt werden“, so der Betriebsleiter. Die Mitarbeiter wohnen in Ein-, Zwei-, maximal Dreibettzimmern. Es gibt einen Einkaufsladen auf dem Hof und eine Krankenstation. Jeder Helfer fährt mit dem Fahrrad zum Erntefeld, um Kontakte zu vermeiden. Die ersten 130 Erntehelfer sind seit dem vorigen Wochenende geimpft, alle weiteren sollen in den nächsten Tagen folgen.


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Ziel: 20 Tonnen Erdbeeren pro Hektar

Auch in diesem Jahr will Jan van Leeuwen durchschnittlich über 20 Tonnen pro Hektar ernten. Das gelang 2015 zum ersten Mal. Das Vorhaben ist ehrgeizig. „Es kann immer noch Frost kommen. Ein Blütenschaden auf nur einer größeren Fläche, und wir könnten unser Ernteziel abschreiben“, so van Leeuwen. Mitarbeiter fragen mehrmals am Tag beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Braunschweig nach den Aussichten. In Sachen Wetterprognose halten sogar Betriebsinhaber Enno Glantz und Robert Dahl, Chef von Karls Erdbeerhof in Rövershagen, Kontakt.

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