Um die Getreideernte oder auch andere wetterabhängige Arbeitsspitzen im Nebenerwerbsbetrieb termingerecht bewältigen zu können, ist es von Vorteil, wenn im außerlandwirtschaftlichen Beschäftigungsverhältnis zumindest ein paar Tage Urlaub kurzfristig genommen werden können. (c) IMAGO/ARNULF HETTRICH

Wie gelingt der Wechsel vom Haupt- in den Nebenerwerb?

Mit dem Landwirtschaftsbetrieb vom Haupt- in den Nebenerwerb zu wechseln, kann verschiedene Gründe haben. Chancen und Risiken der nebenberuflichen Betriebsführung beleuchtet dieser Beitrag.

Von Ludwig Kraus, Referent Dienstleistungsangebote und Beratung, Bayerischer Bauernverband

Eine beachtliche Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe in Deutschland wird im Nebenerwerb bewirtschaftet. Der Anteil ist in den einzelnen Bundesländern und Regionen strukturbedingt unterschiedlich groß. Auch innerhalb der Gruppe der Nebenerwerbsbetriebe gibt es deutliche Unterschiede hinsichtlich Ausrichtung, Tierhaltungs- und Vermarktungsformen sowie Umfang der bewirtschafteten Flächen.

Wechsel vom Haupt- in den Nebenerwerb: Planen, rechnen, analysieren

Die Entscheidung, einen bestehenden Haupterwerbsbetrieb künftig im Nebenerwerb zu bewirtschaften, hängt oft mit einem Generationswechsel innerhalb der Familie zusammen. Zudem geben teilweise auch finanzielle Gegebenheiten oder fehlende betriebliche Entwicklungsmöglichkeiten den Ausschlag zur Umstrukturierung des landwirtschaftlichen Betriebes. Nachfolgend werden Chancen, Risiken und Herausforderungen der Nebenerwerbsbetriebe betrachtet und anschließend einige Hinweise zu betriebswirtschaftlichen Kennzahlen, finanziellen Herausforderungen sowie wichtigen Vorsorgemaßnahmen gegeben.

Durch das Aufnehmen einer außerlandwirtschaftlichen Tätigkeit generieren Betriebsleiter/innen in erster Linie einen zusätzlichen – oft auch gesicherten – monatlichen Verdienst. Dieser trägt dann in unterschiedlicher Größenordnung zur Absicherung des Gesamteinkommens des Betriebsleiters bzw. der Familie bei.

Die damit verbundene Möglichkeit, sich beim Überschreiten gewisser Einkommensgrenzen z. B. von der Landwirtschaftlichen Alterskasse befreien zu lassen oder die Krankenkasse zu wechseln, stellt zwar eine gewisse Einsparmöglichkeit bei den Privatentnahmen dar, sollte jedoch unbedingt vorher im Einzelfall mit den jeweiligen Beratungsstellen abgeklärt und besprochen werden, um negative Auswirkungen hinsichtlich der persönlichen Absicherung und Vorsorge zu vermeiden.

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Modell für Hofnachfolge?

Die Aufnahme einer außerlandwirtschaftlichen Tätigkeit ist in vielen Fällen auch eine Alternative zu betrieblichem Wachstum, wenn dies betriebsindividuell nicht möglich oder aber auch nicht gewünscht ist. Gründe hierfür können z. B. ein regional umkämpfter Flächenmarkt, eine betriebliche Innerortslage oder die finanzielle Ausgangssituation sein. Ein häufiger Aspekt ist auch, dass beispielsweise der Hofnachfolger seinen erlernten außerlandwirtschaftlichen Beruf einfach weiter ausüben, trotzdem aber die Landwirtschaft – wenn auch in anderer Form – fortführen möchte.

Vorsicht ist jedoch beim Arbeitszeitbedarf und der Arbeitskräftesituation geboten, denn geringere Arbeitskapazitäten für den landwirtschaftlichen Betrieb können auch dazu führen, dass gewisse Ertragseinbußen zu verzeichnen sind. So hilfreich es für Alt und Jung auch im Nebenerwerbsbetrieb ist, wenn die Übergeber noch tatkräftig mitarbeiten, so gefährlich kann es werden, dies dauerhaft so einzuplanen.

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Doppelbelastungen und Umstrukturierung des Betriebes

Die körperliche und psychische Doppelbelastung ist bei Betriebsleitern im Nebenerwerb ebenfalls zu berücksichtigen. Je mehr die außerlandwirtschaftliche Tätigkeit eine Abwesenheit vom Betrieb erfordert, umso schwieriger wird es, auf unvorhersehbare Umstände am Betrieb kurzfristig zu reagieren, sofern nicht andere Familienmitglieder dies ausgleichen können. Die im Rahmen der Coronapandemie verstärkte Nutzung von Homeoffice und Videokonferenzen könnte dies in Zukunft – je nach der Art der außerlandwirtschaftlichen Beschäftigung – etwas erleichtern. Hilfreich ist es zudem, wenn im außerlandwirtschaftlichen Beschäftigungsverhältnis zumindest ein paar Tage Urlaub kurzfristig genommen werden können, etwa um die wetterabhängigen Erntearbeiten zeitgerecht erledigen zu können.

In vielen Fällen erfolgt im Rahmen des Wechsels vom Haupt- in den Nebenerwerb eine Umstrukturierung des Betriebes samt der Umstellung der Produktionsrichtungen und -verfahren. Hierbei besteht vor allem in den ersten Jahren der Umstellung die Gefahr, dass aufgrund mangelnder Erfahrungen gewisse Ertrags- und Leistungseinbußen zu verkraften sind. Teilweise wird dadurch auch eine Zusammenarbeit mit neuen Vermarktungspartnern erforderlich. Zudem ist in diesen Fällen eine Überprüfung der versicherungsrechtlichen Gegebenheiten sowie der Haftungsfragen dringend zu empfehlen.

Wechsel vom Haupt- in den Nebenerwerb: Gewinn erwirtschaften

Dies alles ist im Vorfeld einer weitreichenderen betrieblichen Umstrukturierung zu bedenken, wobei die Liste der zu beachtenden Aspekte beim Wechsel vom Haupt- in den Nebenerwerb noch beliebig fortgesetzt werden könnte, da sich die landwirtschaftlichen Betriebe so sehr unterscheiden.

Doch so unterschiedlich die Nebenerwerbsbetriebe auch sind, eines haben sie doch gemeinsam: Es geht auch im Nebenerwerb darum, einen entsprechenden Gewinn als Anteil zum Gesamteinkommen zu erwirtschaften, und dieser schwankt innerhalb ähnlich gelagerter Betriebe sehr deutlich, was Buchführungsauswertungen bestätigen. Somit ist es für einen genauen Überblick über die eigene wirtschaftliche und finanzielle Situation und vor allem bei der Planung von Investitionen oder Umstellungsmaßnahmen dringend angeraten, sich intensiv mit den eigenen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen auseinanderzusetzen.

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Rentabilität im Blick

Die Gewinn- und Verlustrechnung gibt einen Überblick über die Rentabilität des Betriebes – nachfolgend eine Darstellung der wesentlichen Einflussfaktoren:

  • + Umsatzerlöse (z. B. Milch-, Vieh-, Marktfruchtverkauf)
  • + Bestandsveränderungen (z. B. Viehbestand, Vorräte)
  • + sonstige betriebliche Erträge (z. B. Betriebsprämie, Ausgleichszahlungen)
  • – Materialaufwand (z. B. Futter, Saatgut, Dünger, Diesel, Strom)
  • – Personalaufwand (auf jeden Fall Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft/LBG)
  • – Abschreibungen
  • – sonstige betriebliche Aufwendungen (z. B. Unterhalt und Reparaturen, Pacht)
  • – Zinsaufwand
  • ± außerordentliche/zeitraumfremde Erträge/Aufwendungen
  • – Steuern (z. B. Grundsteuer, aber nicht Einkommenssteuer)=> Gewinn/Verlust.

Bei den Bestandsveränderungen und den Abschreibungen ist zu berücksichtigen, dass sich diese nicht direkt auf den Geldfluss auswirken. Außerordentliche Erträge und Aufwendungen, etwa aus einem Maschinenverkauf, sind genauer zu betrachten, da diese das Ergebnis gegenüber den Durchschnittsjahren verzerren können.

Aber auch bei den Umsatzerlösen und z. B. bei den Aufwendungen für den Unterhalt von Gebäuden und Maschinen können große Unterschiede zwischen einzelnen Jahren auftreten, weshalb es sich immer lohnt, mehrere Wirtschaftsjahre zu betrachten.

Zudem ist bei den sogenannten pauschalierenden Betrieben zu beachten, dass die komplette Vorsteuer von getätigten Investitionen sofort im Anschaffungsjahr als Aufwand eingerechnet ist und den Gewinn entsprechend reduziert.

Wie hoch soll/muss der Gewinn denn sein?

Beim Nebenerwerbslandwirt empfiehlt es sich, neben dem Gewinn einen Blick auf das Gesamteinkommen zu werfen, denn zum Gewinn aus der Land- und Forstwirtschaft kommt in der Regel ein zusätzliches außerlandwirtschaftliches Einkommen hinzu. Dies kann beispielsweise aus einer nicht selbstständigen Arbeitnehmertätigkeit und/oder einem Gewerbebetrieb stammen. Was ist nun mit diesem Gesamteinkommen abzudecken? Nachfolgend einige wichtige Positionen, die aber nicht alle bei jedem Betrieb in gleicher Weise zutreffen:

  • private Lebenshaltungskosten, Haushaltsaufwand,
  • Landwirtschaftliche Sozialversicherungen (LAK, LKK) – sofern nicht befreit,
  • Altenteil, Austragsleistungen,
  • Aufwand für Wohnhaus, Pkw,
  • Darlehen für private Investitionen,
  • private Versicherungen,
  • private Vermögensbildung und Vorsorge,
  • Einkommenssteuer,
  • Eigenkapitalbildung,
  • Tilgungsleistungen, die über die Abschreibung hinausgehen.

Ein ausreichendes Gesamteinkommen trägt zwar wesentlich zur Absicherung der Betriebsleiterfamilie bei, doch auch weitere Vorsichts – und Vorsorgemaßnahmen sind angebracht.

So sollten bei Investitionsmaßnahmen die eigentumsrechtlichen Fragen vorher eindeutig geklärt sein, was vor allem im Vorfeld einer anstehenden Hofübergabe eine wichtige Rolle spielt. Oft möchte nämlich der künftige Hofübernehmer schon investieren, obwohl die Eigentumsfrage noch nicht abschließend geregelt und vereinbart ist.

Bei größeren Investitionsmaßnahmen mit entsprechenden Finanzierungssummen im betrieblichen wie im privaten Bereich stellt die Absicherung des Betriebsleiters über eine Risikolebensversicherung eine Möglichkeit dar, im Todesfall zumindest die finanziellen Auswirkungen abzumildern und die Darlehensverpflichtungen leisten zu können.

Vorsorge für den Ernstfall

Wichtiger Baustein für die Absicherung der Betriebsleiterfamilie und des Betriebes selbst ist außerdem der Abschluss einer Vorsorgevollmacht, damit bei Krankheit und Schicksalsschlägen betriebliche und familiäre Entscheidungen weiterhin möglich sind.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass es bei den landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieben nicht zuletzt aufgrund der vielfältigen Ausrichtungen sowie der unterschiedlichen Betriebsgrößen individuelle Chancen und Risiken bei der Betriebsführung gibt. Die vorgenannten Aspekte können nur einen Ausschnitt darstellen und sollen dazu anregen, sich mit den betrieblichen Kennzahlen, den bestehenden Chancen, aber auch mit den Risiken samt deren Absicherungsmöglichkeiten für den eigenen Betrieb auseinanderzusetzen.


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