Neue Beschäftige sollten für aufkommende Fragen einen festen Ansprechpartner haben. (c) Christian Mühlhausen/Landpixel.de

Mitarbeiter richtig einarbeiten

Wer eine neue Stelle antritt, sucht Orientierung und ist auf Unterstützung angewiesen. Am Anfang fehlt das Zugehörigkeits- und Sicherheitsgefühl. Gelingt die Einweisung, wirkt sich das auch positiv auf das Team aus.

Von Rolf Leicher

Eine professionelle Einweisung bindet Mitarbeitende an die Arbeitsstelle, das Wohlbefinden steigt. Wer neu ist, macht nicht alles auf Anhieb richtig. Bei Fehlern muss es zu einem konstruktiven Kritikgespräch kommen, denn Vorwürfe führen zu Frust. Statt einer Zurechtweisung besser eine Korrektur ohne persönliche Vorwürfe. Neue Mitarbeiter sollten das Gefühl haben, dass sie willkommen sind, auch wenn sie von Alter oder Nationalität noch gewöhnungsbedürftig sind. Mit den typischen Defizitgedanken sieht man meist nur das, was sie noch nicht leisten, was ihnen fehlt.

Neue Mitarbeiter versuchen, gleich alles richtig zu machen, diese Form der Überanpassung braucht große Konzentration. Ein hohes Arbeitstempo ist daher nicht möglich. Viele Detailinfos am ersten Arbeitstag verwirren, deshalb vermittelt der Landwirt zunächst nur wichtige Arbeitsschritte, am besten beginnt man mit einem groben Überblick über das Tätigkeitsgebiet. Bei der Einarbeitung kommt es zum „Overkill“ von Informationen, zu viel auf einmal führt beim Neuen zu Arbeitsfehlern. Die Einweisung muss nicht so perfekt sein, dass Rückfragen ausgeschlossen sind. Wer neu im Job ist, überlegt schon am ersten Tag: Entspricht die Stelle meinen Erwartungen, oder soll ich mich gleich wieder verabschieden?

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Mitarbeiter einarbeiten: Informationen und ihr Wert

Bei der Einarbeitung gibt es unterschiedliche Infos. Muss-Informationen sind die Basics, die zur Erledigung der Arbeit unbedingt erforderlich sind, z. B. Sicherheitsvorschriften beim Umgang mit Geräten, oder der effiziente Umgang mit den Tieren. Außergewöhnliche Situationen bei der Arbeit werden nicht gleich angesprochen. Kann-Informationen sind zusätzliche Tipps für effizientes Arbeiten, die am Ende der Einarbeitung vermittelbar sind.

Plus-Informationen sind Hinweise und Erklärungen für ganz besondere Situationen oder schwierige Arbeiten, die selten vorkommen. Die Informationsaufnahme ist sehr unterschiedlich, an den Fragen erkennt man die Auffassungsgabe und den Lernfortschritt. Bei der Einarbeitung sind viele unterschiedliche Aktivitäten und Anläufe notwendig, um Wissen zu verinnerlichen und sicher anzuwenden. Lernen besteht aus einer Aufnahme- und einer Aktivitätsphase.

In der Aufnahmephase wird etwas verstanden und kognitiv durch Zuhören oder Beobachten verarbeitet. Dies geschieht auch durch Einbindung neuer Informationen in schon vorhandenes Wissen.

Kommt es zu schnellen Fortschritten bei der Einarbeitung, ist eine ausdrückliche Anerkennung angebracht. Das motiviert für weiteres Engagement. Dauert es etwas länger, sind Geduld und Toleranz angesagt.

Worst-Case oder Best-Case? Bei Einweisungen gibt es zwei Methoden. Mit der „Worst-Case-Methode“ informiert man, was im schlimmsten Fall passiert, wenn es zu Arbeitsfehlern kommt: „Wenn X nicht berücksichtigt wird oder fehlt, kann Y mit der Folge Z eintreten“. Durch die negativen Folgen der Nichtbeachtung entstehen Befürchtungen, die Einhaltung von Anweisungen wird also zwangsläufig. Das Horror-Szenario macht nachdenklich, wer aber ängstlich ist, wird durch die „Worst-Case-Methode“ verunsichert und lehnt anspruchsvolle Aufgaben eher ab. Die Alternative ist die „Best-Case-Methode“, es wird über die Vorteile des richtigen Verhaltens gesprochen: „Wenn du X berücksichtigst, tritt Y ein mit der Folge von Z.“

Einarbeitung: Einhaltung von Vorschriften

Bei Arbeitssicherheit ist sorgfältige Unterweisung angesagt. Die Unfallvorschriften der Berufsgenossenschaft liegen zwar schriftlich vor, der Kollege aus dem Ausland versteht oder beachtet sie nicht immer. Bei der Einhaltung der Sicherheitsvorschriften gibt es keine Kompromisse, und das Team geht mit gutem Beispiel voran, auch wenn dem Saisonmitarbeiter manche Vorschrift als bürokratisches Monster vorkommt.

Das Team leistet Unterstützung bei der Prävention von Gefährdungen. Geräte, Werkzeuge, Maschinen und Schutzvorrichtungen müssen bestimmungsgemäß verwendet werden. Besondere Beachtung verdienen die Hygienevorschriften.

Der Landwirt überzeugt sich durch Kontrollen, ob die Einarbeitung gelungen ist. Eine Kontrolle ist kein Misstrauensbeweis, denn Arbeiten, die nicht kontrolliert werden, haben aus Sicht der Mitarbeiter keine besondere Bedeutung. Eine Kontrolle erfolgt immer im Beisein des Neuen. Wenn er weiß, dass sein Arbeitsergebnis geprüft wird, engagiert er sich auch optimal, um Fehler zu vermeiden. Allzu häufige Kontrollen zeigen allerdings auch Misstrauen und können Lampenfieber verursachen. Positive Kontrollergebnisse ebenso wie Fehler und Mängel werden besprochen. Werden Anweisungen nicht eingehalten, geht man nach der Methode AUGE vor:

  • A: Abweichung von der Einweisung feststellen.
  • U: Ursache mit dem Betreffenden klären.
  • G: Gespräch zur Einhaltung führen.
  • E: Einhaltung erneut prüfen. Nach der Einarbeitung kann der Neue durch Eigenkontrolle selbst sein Arbeitsergebnis feststellen.

Willkommenskultur beweisen

Neue Mitarbeiter integrieren heißt, Toleranz zeigen, keine schnelle Anpassung des Neuen erwarten. Niemand ist verpflichtet, seine kulturellen Wurzeln einzuschränken. Das Stammpersonal stellt sich diese Fragen: Wie sehe ich den neuen Kollegen? Ist meine innere Einstellung auch dann positiv, wenn mich die Einarbeitung persönlich belastet? Zur Integration gehört es auch, die typischen Vorurteile abzubauen: „Wer neu ist, hat keine Ahnung“, „Neue Mitarbeiter machen erst mal nur Arbeit“, „So wie der arbeitet, das wird nichts“. Vergleiche zwischen einem neuen und einem früheren Mitarbeiter dürfen nicht zu früh vorgenommen werden. Einsteiger bringen aus ihrer letzten Arbeitsstelle auch Ideen mit, die man mal auf den Prüfstand stellt und vielleicht im eigenen Betrieb anwenden kann.

Kollegen unterstützen und Angst vor Fehlern

Im Team hat jeder Einzelne die Pflicht zur Unterstützung der Integration: Wie nehme ich neue Mitarbeiter wahr? Ist meine innere Haltung positiv, auch wenn ich persönlich durch die Einarbeitung belastet bin? Vermeide ich Über- und Unterforderung des Neuen? Bei der Einarbeitung wird die Toleranz auf die Probe gestellt.

Wer neu ist, möchte wissen, wie er beurteilt wird und dies nicht erst bei fehlerhaften Arbeiten. Ein Feedbackgespräch, schon in den ersten Tagen, vermittelt Sicherheit und zeigt Wertschätzung. Bei jeder Kritik, und sei sie noch so diplomatisch hervorgebracht, fühlt er sich in seinem Selbstwertgefühl verletzt. Kritische Äußerungen rufen ein Gefühl der Verunsicherung hervor und werden mit Skepsis angenommen. Bei der Einarbeitung muss zum Ausdruck kommen, dass es nicht um Kritik geht, sondern um einen Vorschlag, um eine Anregung. Ideal ist es, wenn das Gespräch nicht nach Kritik wirkt, sondern nach Unterstützung. Sowohl Unterforderung als auch Überforderung des Neuen sind zu vermeiden. Andernfalls geht er schwierigen Arbeiten aus dem Weg aus Angst vor weiteren Anlässen zur Kritik. Für die Arbeitskollegen heißt es, Pauschalierungen zu vermeiden: „Die Neuen wissen nicht, was sie tun sollen“, „Die Neuen machen nur Ärger“. Zur Integration gehört es, Vorurteile abzubauen.

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