Die Weizenernte auf der Insel Rügen brachte ordentliche Erträge ein

Ernte 2019: Die Erträge fahren Achterbahn

Wieder fehlte in weiten Teilen des Landes Wasser – und dennoch hofften viele Betriebe auf mehr Getreide und Raps als im Vorjahr. Doch was kam bei der Ernte 2019 in den östlichen Bundesländern wirklich heraus?

Von Heike Mildner, Thea von Hartz, David Benzin und Florian Wolf

Das wars, die Ernte ist durch. Auch an der Ostseeküste, wo die Bestände witterungsgemäß später abreifen als in kontinentalen Klimaten, sind die Ähren vom Halm geholt. Dort, wo noch die letzten Hektare auf den Äckern stehen, ist man vergleichsweise spät dran. Aber auch hier mähen die Drescher nur noch die letzten Bestände für dieses Jahr.

In Mecklenburg-Vorpommern waren die Erträge der Ernte 2019 regional sehr unterschiedlich. So wurden im Landkeis Mecklenburgische-Seenplatte zur Ernte 2019 unterdurchschnittliche Erträge im Vergleich zum langjährigen Mittel erzielt. Nach der Gerstenernte waren viele Betriebe noch optimistisch. Mit etwa 50–70 dt/ha hätte man es schlimmer treffen können. In Erwartung des Erntestarts für Raps und Weizen waren viele noch optimistisch.

Ernte in Mecklenburg-Vorpommern: Starke regionale Unterschiede

Es sollte jedoch etwas anders kommen. Durch den fehlenden Regen im Juni wurden beim Winterraps nur 20–25 dt/ha und beim Weizen lediglich 50–70 dt/ha durchschnittlich geerntet. Auf der Insel Rügen zeigte sich  ein anderes Bild. Durch ausreichend Regen im Mai und Juni konnten höhere Erträge als im vergangenen Erntejahr erzielt werden. Auch durch bessere Böden, verglichen mit anderen Teilen Mecklenburg-Vorpommerns, waren es bei der Wintergerste durchschnittlich 80–85 dt/ha, beim Winterraps etwa 37 dt/ha und beim Winterweizen 85–90 dt/ha. Damit war die Ernte auf der größten Insel des Landes durchschnittlich, aber deutlich besser als im vergangenen Jahr.

Brandenburg: Bessere Ernte als im VOrjahr

Doch nicht nur in Teilen Mecklenburgs, auch in Brandenburg werden viele Betriebe „weiterhin mit spitzem Stift rechnen müssen“, resümierte Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg vor Kurzem auf der Ernteabschluss-Pressekonferenz im Landkreis Märkisch-Oderland. Die erneute Trockenheit im Mai und die extreme Hitze im Juni ohne nennenswerte Niederschläge habe alle Hoffnungen auf eine gute oder sehr gute Ernte zerstört. Die Erträge waren 2019 zwar deutlich besser als im vergangenen Jahr, aber immer noch unter dem Durchschnitt der Jahre 2015–2017. Der Winterweizen im Landkreis Märkisch-Oderland brachte einen Ertrag von 61 dt/ha, Winterroggen 56 dt/ha, Wintergerste 63 dt/ha, Wintertriticale 55 dt/ha und Winterraps 22 dt/ha. Die Unterschiede von Betrieb zu Betrieb seien je nach Niederschlagsmenge beträchtlich, man sehe jeden Bodenpunkt, waren sich die Vorstandsmitglieder des Kreisbauernverbands Märkisch-Oderland einig.


Das Team der Agrarproduktion Oderbruch

Zur Agrarproduktion Oderbruch in Neulewin

Die Agrarproduktion Oderbruch ist seit 2016, mit dem Verkauf der Milchproduktion, ein reiner Ackerbaubetrieb und bewirtschaftet 3.000 ha westlich der Oder in Nord-Brandenburg. Das Ackerland hat durchschnittlich 50 Bodenpunkte. Regional schwankt diese Einschätzung aber zwischen 20 und 80. Eine Herausforderung für das Unternehmen mit 44 Gesellschaftern, von denen alle im Betrieb arbeiten bzw. gearbeitet haben, und das vor zwei Jahren auf Leitungsebene erfolgreich einen Generationswechsel vollzogen hat. Geackert wird etwa seit dem Jahr 2000 pfluglos.


Daniela Müller und Andreas Thieme sind Teil der Geschäftsführung der Agrarproduktion Oderbruch GmbH & Co. Agrarprodukte KG Neulewin und haben zum Ernteabschluss auf ihren Stoppelacker geladen. Sie schließen sich der Einschätzung von Henrik Wendorff an. Insgesamt stehen auf den Äckern des Betriebs sieben Kulturen in der Fruchtfolge. Hauptkultur ist mit 1.300 ha der Winterweizen, der hier auf  65 dt/ha kam – wobei auch hier die Erträge zwischen 44 und 84 dt/ha schwanken. Die Gerste (auf 330 ha) brachte einen Ertrag von 73 dt/ha (schwankend zwischen 56 und 86 dt/ha), und Winterroggen, der wegen der Trockenheit 2018 nur „aus der Not heraus“ auf 50 ha gedrillt wurde, landete bei 33 dt/ha. Auf 130 ha haben die Neulewiner auch Futtererbsen (mit 43 dt/ha) geerntet. 200 ha bestens vorbereitetes Saatland, das für Raps vorgesehen war, haben sie wegen ausbleibenden Niederschlags im vergangenen Herbst mit Gerste bestellt.  „Raps fiel aus in dieser Saison“, sagt Geschäftsführer Thieme. Und Wendorff befürchtet, dass diese Kultur ob der bekannten Probleme der Fruchtfolge in Brandenburg abhanden kommen wird.

Sachsen-Anhalt: Ernteerträge meist unter Vorjahresniveau

Die Erntebilanz in Sachsen-Anhalt fällt zum Teil ebenfalls geringer aus, als im Vorjahr. Die Erträge liegen meist deutlich unter den langjährigen Mittelwerten. Ein Hauptgrund dafür ist ebenso die langanhaltende Trockenheit. Vor allem die Regionen Anhalt, Halle, Querfurter Platte bis in den Burgenlandkreis waren davon stark betroffen. Durch das Fehlen von pflanzenverfügbarem Wasser enthielt das Erntegut oft einen hohen Anteil Schmachtkorn. Selbst auf Äckern mit Entfernungen von nur einem Kilometer erschreckten zum Teil Ertragsunterschiede von bis zu 60 dt/ha wie in Teilen der Magdeburger Börde.



In anderen Landesteilen, vor allem im südlichen Sachsen-Anhalt, sind die Unterschiede nicht so gravierend, aber Erträge verheißen auch hier nichts Gutes. Bei Wintergerste wird sich der Ertrag wohl zwischen 60 und 70 dt/ha einpendeln. Ein Ergebnis, das etwa ein Drittel unter dem Mittelwert liegt.  Weizen dürfte bei 55–60 dt/ha liegen. Die Rapserträge liegen in Teilen des Landes sogar  bei unter 20 dt/ha. Werte, die diese Region nicht kennt. Die  Böden sind gut, aber wo Wasser fehlt, fehlt auch Ertrag. Der Ölgehalt lag bei nur 38 bis 42 %. Üblich sind um 45 %. Aufgrund der schwierigen Witterung wurden bis Jahresbeginn Teile der Rapsflächen umgebrochen. Im Vergleich zu 2018 wurde in Sachsen-Anhalt auf nur der Hälfte der Fläche Raps angebaut.

Trockenheit in Thüringen und Sachsen 

Durch langanhaltende Trockenheit und örtlich ungleiche Niederschläge fiel die Ernte in Thüringen sehr unterschiedlich aus. Durch ausbleibende Niederschläge verkümmerten viele Bestände. Von der Trockenheit besonders betroffen sind das Thüringer Becken, der Kyffhäuserkreis, der SaaleHolzland-Kreis, der Saale-OrlaKreis und Teile Südthüringens. Der Winterweizen litt vor allem unter der Hitze im Juni. Er erbrachte einen Durchschnittsertrag von 60 dt/ha (20 % unter dem langjährigen Mittelwert). Durch die schlechte Wasserversorgung liegen die Rapserträge nur bei  rund 30 dt/ha und damit rund 7 dt/ha unter dem langjährigen Mittel. Örtlich kam es sogar zu Erträgen von nur 12 dt/ha! Die Wintergerste erbrachte im Schnitt 70 dt/ha und lag damit 7 % unter dem langjährigen Mittel.

In Sachsen ist die Ernte ebenfalls zum größten Teil abgeschlossen. Nur in den Gebirgsregionen wird zum Teil in diesen Tagen noch gedroschen. Hier verzögern die kürzeren Tageslängen den Ernteabschluss. Im Rest Sachsens gab es aber überwiegend trockene Erntebedingungen. Die Erträge variieren aber auch hier stark. Genaue Zahlen gibt der Sächsische