Kommentar zum Heft 48/2018

30.11.2018

Schluss mit Blindflügen bei der Gülledüngung

Liebe Leserinnen und Leser,

eigentlich sind sie recht unauffällig: kleine Kästen mit Anschlusskabeln, montiert auf Gülleleitungen an Fasswagen oder Befüllstationen. Aber sie haben es in sich, denn sie können die vorbeifließende Gülle analysieren. Und das mindestens so genau wie ein Labor und dazu in Echtzeit. Auf ihren Ständen zur EuroTier in Hannover haben die Anbieter von Sensoren zur Ermittlung von Gülle-Inhaltsstoffen diese Sensoren deshalb überwiegend auffällig in den Vordergrund gestellt. Das zu Recht, denn die optische Analyse von Trockenmasse, Gesamtstickstoff, Ammoniumstickstoff, Kaliumoxid und Phosphorpentoxid mittels Nahinfrarotspektroskopie (NIR) in Gülle ist eine Technologie, die kurz vor dem großen Durchbruch steht und eine ähnliche Erfolgsgeschichte wie die automatische Lenkung werden kann. Noch sind die Sensoren mangels größerer Stückzahlen teuer, und die Messergebnisse werden für die Bilanzrechnungen der Düngeverordnung noch nicht anerkannt.

Die neue Düngeverordnung und die gesellschaftliche Diskussion zur modernen Landwirtschaft verlangen einen umweltschonenden und präzisen Umgang, auch mit flüssigen organischen Düngern. Deshalb ist es unverzichtbar, deren exakte Inhaltsstoffe bei der Ausbringung im Feld zu kennen. Bisher sind Laboranalysen vor der Gülledüngung üblich und vorgeschrieben. Aber sie haben ihre Tücken. Denn große Güllesilos kann man nicht ausreichend homogenisieren. Selbst verschiedene Laboranalysen einer identischen Gülle zeigen bis zu 20 % Differenz bei den Messwerten. Diese Abweichung kann genutzt werden, indem Landwirte Proben ihrer Gülle oder Gärreste an mehrere Labore senden und dann für die Düngeplanung den „passenden“ Wert verwenden. Die Mehrkosten für einige Laboruntersuchungen sind schnell mit dem Mehrertrag wieder drin, wenn man legal einige Kilogramm Stickstoff mehr pro Hektar ausbringen kann. Aber ist das gute fachliche Praxis? Sollten wir bei der Gülledüngung nicht auch dahin kommen, was fortschrittliche Betriebe bei der mineralischen Düngung bereits praktizieren: zur teilflächenspezifischen Applika­tion? Egal, ob mit Sensoren, nach Kartenansatz oder kombiniert – Map Overlay genannt.

Um genaue Messwerte zu liefern, müssen die NIR-Sensoren mit Tausenden von Probemessungen geeicht werden. Die Messtechnik der Sensoren kann nur erkennen, was sie schon einmal gesehen hat. Der Phosphat-Wert wird als virtuelle Größe aus anderen Werten ermittelt. Das alles ist aufwendig und spiegelt sich im Preis wider. Aber die Messwerte der Güllesensoren werden ständig am vorbeifließenden Güllestrom ermittelt. Damit entfällt die Ungenauigkeit bei der Probenahme, die Ergebnisse liegen sofort vor und können für die genaue Ausbringung nach Bedarf genutzt werden. Momentan konzentrieren sich die Sensor­anbieter auf Rinder- und Schweinegülle sowie die Gärreste aus Biogasanlagen. Für andere organische Dünger werden Laboranalysen noch länger notwendig sein.

Der Spektrometrie-Spezialist m-u-t GmbH aus Wedel beliefert Zunhammer, Kotte, Kaweco, Eijkelkamp und die Bauer-Gruppe. John Deere setzt seinen Harvestlab 3000-Sensor ein, der auch auf Feldhäckslern und zur Futteranalyse im Stall genutzt werden kann. Alle Anbieter sind offen, ihre Sensoren auf Fässern anderer Hersteller zu installieren. Die technische Einführung der Gülleanalyse mit NIR-Sensoren ist in vollem Gang. Wenn jetzt die Ministerien nachziehen und diese Messwerte für die förderrelevante Dokumentation anerkennen, dann kann der bisher praktizierte Blindflug bei der Gülleausbringung beendet werden.

Herzlichst Ihr Jörg Möbius

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