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  • 30.08.
  • 2013.30.08.

Wo die Säge klemmt

Für den Besuch eines starken Grünlandbetriebes im benachteiligten Gebiet am Nordrand des Thüringer Waldes hatten sich die Spitzen der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL) im Rahmen einer externen Dienstberatung entschieden. TZG-Geschäftsführer Dr. Eberhardt Dierchen freute dies. Direktvermarktung, Milchviehstall, Biogasanlage, Mutterkuhstall sowie das Dauergrünland standen auf dem Programm. Und die Qualifizierung des Nachwuchses.

 

Dr. Eberhard Dierchen weiß wohl, dass die TLL keine förderpolitischen Entscheidungen fällt. Allerdings berät sie die Entscheidungsträger im Ministerium in diesen Fragen fachlich. Und so brachte der TZG-Geschäftsführer im Milchviehstall die Bitte an, das Agrar-Investitions-Förderproramm des Freistaates wieder für Maßnahmen in bestehende Anlagen zu öffnen. „Derzeit konzentriert sich das Programm auf den Bau von Neuanalgen, was auch gut ist. Aber bei vorhandenen Anlagen besteht ebenso Investitionsbedarf, der Unterstützung verdient“, so Dierchen.

 

Von großem agrarpolitischen Interesse ist in Thüringen derzeit das Grünland, von dem es 170.000 ha gibt (22 % der LN). Die Fläche nimmt aber stetig ab bzw. fällt aus der Nutzung. Ein wichtiger Grund: Die Verbuschung schreitet voran. Eine solches Beispiel präsentierte der TZG-Geschäftsführer den Gästen von der TLL: 42 ha nicht mechanisierbares Grünland, das Mutterkühe beweiden. Hier fiel durch das Fortschreiten der Verbuschung ein Hektar aus der Nutzung. Im Agrar-Förder-Deutsch heißt das: aus Grünland wurden Landschaftselemente, die ab einer Größe von 2.000 m² nicht nur mehr länger förderfähiges Grünland sondern nunmehr Sperrflächen sind: Diese Landschaftselemente dürfen nicht verkleinert, ihre im InVeKoS-Antrag angegebene Fläche muss erhalten werden. Dass somit der Weißdorn quasi unter Schutz gestellt wird, interessiert nicht. „Die Rinder schaffen es nicht allein, die Flächen offen zu halten. Also muss im Winter, und nur dann dürfen wir es, mit Forsttechnik oder per Hand die Pflege stattfinden“, erklärt die stellvertretende TZG-Pflanzenbauchefin Sara Burkhardt, die ihren Chef bei der Exkursion begleitete. Und hier liegt einer der vielen Hasen im Pfeffer begraben: Im Thüringer Wald liegt meist lange Zeit viel Schnee. In der Zeit, in der die TZG also gegen die Verbuschung vorgehen dürfte, kann sie es nicht. „Um das Problem zu lösen, braucht es endlich praktikable Lösungen“ sagt Dierchen.

 

Der TZG-Geschäftsführer warb bei den TLL-Fachleuten zudem für mehr Spielräume beim Kulturlandschaftsprogramm (KULAP). So bewirtschaftet die TZG Flächen in einer mit „L4“ abgekürzten KULAP-Maßnahme, die artenreiches Grünland bewahren soll. „Auf diesen Flächen kann ich Futtermachen und Düngen, solange die vorgeschriebene Anzahl und Häufigkeit definierter Wildblumen und Kräuter nicht unterschritten wird.“ Allerdings sind Pflanzenschutzmaßnahmen ausgeschlossen. Eine solche wäre auf Teilbereichen von vereinzelten Flächen der TZG jetzt aber notwendig. „Das Problem ist, dass wir sanktioniert würden, stiegen wir früher als vereinbart aus dem Programm aus, weil es dringender Pflanzenschutzmaßnahmen bedarf.“ Hier hofft Dierchen, dass ein Ausweg geebnet wird, der ein Ruhen oder Unterbrechen der Maßnahme ohne Sanktionen möglich macht. Und ein weiterer Programmpunkt, „N“ für Naturschutzflächen, gehöre auf den Prüfstand: „Von diesen Flächen darf ich lediglich 20 Prozent zur Futternutzung ernten. Ich habe vorgeschlagen, zu prüfen, ob es nicht 40 Prozent sein können.“ Aus Sicht von Dierchen schade dies dem Naturschutz nicht. Und die Flächen gewännen an Attraktivität.

 

Dass Sara Burkhardt die TLL-Leitung mit begleitete, hatte man sich in Ernstroda gut ausgedacht. Denn so konnte Dr. Eberhard Dierchen am überzeugenden Beispiel die Nachwuchsförderung der TZG herausstellen. Sara Burkhardt indes berichtete von ihrem dualen Agrarmanagement-Studium an der Berufsakademie (BA) in Dresden, das nach ihrer Beobachtung die TLL-Vertreter habe aufhorchen lassen. Zu guter Letzt stellte sie ihr BA-Abschlussprojekt vor, ein vergleichender Versuch zum Akra-Düngesystem in Sommergerste.

 

 

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