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  • 2016.22.06.

Unternehmerische Entscheidung

Jungrind auf der Weide © Frank Hartmann

Die Pensionshaltung von Jungrindern und die Mutterkuhhaltung bilden künftig den Schwerpunkt der Grünlandnutzung.

Unternehmerische Entscheidung

Für die TZG Ernstroda bietet die Milch keine Perspektive mehr.

Die TZG Ernstroda konzentriert sich  künftig  auf  die  Mutterkuhhaltung, die Pensionshaltung von Jungrindern, ihre Direktvermarktung, die  Bioenergieerzeugung und den Ackerbau. „In der Milcherzeugung sehen wir keine Perspektive mehr“, sagt Geschäftsführer  Andreas  Umbreit. Die Entscheidung dazu sei nach reiflicher Überlegung gefallen. Bereits im Vorjahr hatte die TZG den Milchkuhbestand um rund 100 Tiere reduziert. Dies sei nicht allein der Milchpreismisere geschuldet gewesen. „Wir wollten grundsätzlich die Milchproduktion effizienter gestalten“, erklärt Umbreit. Trotz verkleinerten Bestandes konnte die gemolkene Milchmenge konstant gehalten werden. „Damit waren wir an sich sehr zufrieden, unser Konzept ging auf.“ Die  Milchpreise  sackten  aber weiter ab, der Kuhbestand wurde erneut reduziert, von 450 auf noch 250 Kühe, „womit wir letztlich nur noch einen Stall belegten“.

Im zeitigen Frühjahr – ein positives Signal sandte und sendet der Milchmarkt bis heute nicht aus – habe dann die Entscheidung angestanden. „Mit der Milch weiterzumachen hätte für uns bedeutet, in Ställe und Melktechnik zu investieren.“ Dies sei aber angesichts der Verluste des Betriebszweiges und der sich bietenden Aussichten nicht mehr darstellbar gewesen. Umbreit rechnet damit, dass Ende Juli die letzte der momentan noch 190 Kühe gemolken wird. Die übergroße Zahl der Tiere wird man als Zuchtvieh ins Ausland verkaufen können. „Außer Frage steht, dass es für unsere Mitarbeiter besonders hart ist, weil sie alles gegeben haben. Parameter wie die deutlich verringerten Zellzahlen sind ja Ausweis ihres Engagements.“ Bislang, „und darüber sind wir als Geschäftsführung sehr froh“, habe man den meisten betroffenen Kollegen helfen können, einen neuen Job zu finden, „auch in branchenfremden Tätigkeiten“.

Für einen starken Grünlandbetrieb wie die TZG verlangt diese unternehmerische Entscheidung eine neue strategische Ausrichtung. „Wir werden das tun, was wir können, mit den sich uns bietenden Standortfaktoren.“ Da wären die extensive Nutzung des Dauergrünlands und die Mutterkuhhaltung, die mit ihren 420 Muttertieren ihren festen Platz besitzt. „Wir werden die Herden behutsam aus unserem eigenen Bestand ausbauen.“ Mittelfristig plane man 700 bis 800 Tiere. Bei der Jungviehaufzucht kann die TZG auf eine 45 Jahre währende Erfahrung blicken. „Das wollen und werden wir fortführen, allerdings nur noch auf Basis eines kostendeckenden Pensionssystems.“ Hier sei man dabei, entsprechende Partnerschaften zu etablieren. Die Direktvermarktung mit der hofeigenen Schlachtung bleibe ebenso ein wichtiges Standbein wie der Ackerbau, den die TZG stärker auf den Marktfruchtanbau ausrichten könne. Dass in absehbarer Zeit die Gülle nicht mehr als Substrat für die Biogasanlage zur Verfügung steht, sei eine Herausforderung. „Hier sind wir dran. Unter Umständen müssen wir nachrüsten.“

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